Chef-Entführer im Block-Prozess: "Ich habe darauf gewartet, dass Christina die Wahrheit sagt"

Hamburg - Nachdem eine erneute Einlassung des in Untersuchungshaft sitzenden Angeklagten Tal S. (36) am Freitag für Aufsehen gesorgt hatte, wurde am Dienstag der Prozess wegen Kindesentführung gegen die Unternehmerin Christina Block (52) fortgesetzt. Der mutmaßliche Chef-Entführer David B. (68) sagte erneut als Zeuge aus. TAG24 war vor Ort und berichtete in einem Liveblog.

Christina Block (52) zusammen mit ihrem Anwalt Ingo Bott (42) am 35. Verhandlungstag.
Christina Block (52) zusammen mit ihrem Anwalt Ingo Bott (42) am 35. Verhandlungstag.  © Christian Charisius/dpa-Pool/dpa

Am insgesamt bereits sechsten Tag der Zeugenaussage von David B. schloss die Richterin ihre Befragung ab. Im Mittelpunkt stand die Frage, warum sich B. im November 2025 den deutschen Behörden stellte.

B. erklärte, er sei nach Deutschland gekommen, um seine Sicht der Ereignisse darzulegen. "Ich bin davon ausgegangen, dass Christina und Herr C. die Wahrheit sagen werden, so wie ich es tue. Wir haben darauf gewartet, dass dies geschieht."

Als er jedoch aus Medienberichten erfahren habe, dass ihm eigenständiges Handeln oder eine Anweisung durch Christina Blocks Mutter, Christa Block (†), vorgeworfen werde, habe er sich zur Rückkehr nach Deutschland entschlossen.

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Bereits Mitte 2024 habe er von Ermittlungen gegen ihn erfahren und erkannt, dass die rechtlichen Ratschläge von Christina Block und insbesondere von dem Familienanwalt Dr. Andreas C. falsch gewesen seien. Dennoch habe er zunächst abgewartet. Nach seiner Rückkehr nach Israel habe er angesichts des Krieges dort "erst einmal andere Sorgen gehabt".

Zu seiner überstürzten Ausreise am 1. Januar 2024 erklärte B., man sei davon ausgegangen, nach der Rückkehr der Kinder sei die Angelegenheit erledigt und man habe rechtmäßig gehandelt. Doch er habe schnell verstanden, "dass die Kinder als entführt angesehen werden".

Aus Schock über diese Entwicklung habe er seinem Team geraten, Deutschland schnellstmöglich zu verlassen. Anfangs habe er noch gehofft, der Entführungsvorwurf werde sich als Missverständnis aufklären.

Christina Block (52) zusammen mit ihrem Anwalt Ingo Bott (42) am 35. Verhandlungstag.
Christina Block (52) zusammen mit ihrem Anwalt Ingo Bott (42) am 35. Verhandlungstag.  © Christian Charisius/dpa-Pool/dpa

Update, 15.59 Uhr: 35. Verhandlungstag ist zu Ende

Der 35. Verhandlungstag ist zu Ende. Der Prozess wird am Freitag, 6. Februar, um 9.30 Uhr fortgesetzt.

Update, 15.50 Uhr: "Dass Frau Block die Berichterstattung nicht passt, liegt an der Beweislage"

In einer Stellungnahme beantragt Block-Anwalt Ingo Bott (42) anschließend erneut die Einstellung des Verfahrens. Er betont wieder, dass eine "objektive Wahrheitsfindung" durch die umfassende Medienberichterstattung wie etwa über die noch nicht abgeschlossen Zeugenbefragung des Psychologen Dr. Stefan R. seiner Ansicht nach nicht mehr möglich sei.

Nebenklagevertreter Philip von der Meden dazu: "Dass Frau Block die Berichterstattung nicht passt, verstehe ich, aber das liegt an der Beweislage und ist Konsequenz dessen, was sie selbst getan hat."

Update, 15.37 Uhr: Zeugenbefragung unterbrochen

Die Zeugenbefragung von David B. ist zu Ende. Sein Anwalt kündigte an, dass dieser früher gehen müsse. Die Vernehmung soll an einem weiteren Verhandlungstermin fortgesetzt werden. Am heutigen Dienstag war der Israeli bereits zum sechsten Mal als mutmaßlicher Chef-Entführer befragt worden.

Update, 15.12 Uhr: Dr. C versicherte, dass "alles okay" ist

Der Zeuge betont gegenüber der Staatsanwältin, man dürfe nicht unterschätzen, dass Herr Dr. Andreas C. ihm und auch Christina Block gegenüber stets den Eindruck vermittelt habe, aus deutscher Perspektive sei "alles in Ordnung".

Es folgt eine 10-minütige Pause.

Update, 15.04 Uhr: Der Zeuge wollte nach der Entführung nach Hamburg zurückkehren

Die Staatsanwältin fragt expliziter nach dem "nicht erwarteten Ausgang".

B. antwortet: "Uns wurde immer gesagt, mit uns meine ich auch Christina, dass wenn die Kinder erstmal zurück sind, dass dann alles vorbei ist, dass wir in Deutschland weiter arbeiten können. Die ganze Zeit standen wir unter der Annahme, dass wir etwas Richtiges und etwas Gutes tun."

Hätte er gewusst, wie alles ausgeht, hätte er sich nie an der Aktion beteiligt. "Wir waren alle zutiefst schockiert, wie es dann gelaufen ist", so B. Weswegen er seinem Team geraten habe, Deutschland nach dem 1. Januar 2024 so schnell wie möglich zu verlassen, so wie er es auch dann getan habe. "Ich habe verstanden, dass gegen mich ermittelt werden kann", so der Zeuge.

Bei dem überstürzten Aufbrechen habe er nicht nur auf dem Hof in Süddeutschland, sondern auch im Hotel "Grand Elysée" persönliche Wertgegenstände zurückgelassen. "Ich war sicher, ich würde zurückkommen. Ich hatte gerade ein neues Büro in Hamburg angemietet", so B. auf Nachfrage der Staatsanwältin.

Er habe in der ersten Zeit nach der Entführung gehofft, dass "sich das alles mit dem Vorwurf der Entführung als Missverständnis aufklärt" und Dr. C. "die Dissonanzen" klärt.

Update, 14.55 Uhr: Der Zeuge war "dramatisch" in einen Krieg involviert

Anschließend richtet sich der Fokus erneut auf das Wohnmobil. Die Staatsanwältin möchte wissen, ob B. wisse, wo sich dieses derzeit befinde. B. verneint.

Zugleich bittet er um eine Einordnung und erklärt, sein Heimatland Israel habe sich 2024 in einem "schrecklichen Krieg" befunden, in den er "dramatisch" involviert gewesen sei. Erst später habe er begonnen, über das Wohnmobil nachzudenken. Er hoffe, es befinde sich "irgendwo", da er es "wirklich wolle".

Auf Nachfrage der Staatsanwältin, ob er sich bei der Familie V. erkundigt habe, antwortet B. erneut mit "Nein". Er ergänzt, seit dem Verlassen des Hofes der Familie V. im Januar 2024 habe er mit keinem der Familienmitglieder mehr gesprochen.

Auf die Frage nach dem "Warum" erklärt B., er habe nicht mit "diesem Ausgang" [der Entführung] gerechnet. Als er Zeit gehabt habe, sich mit der Situation zu befassen, hätten ihm seine Anwälte geraten, mit niemandem mehr zu sprechen.

Update, 14.45 Uhr: Chatgruppe "Bring Kids Home (BKH)"

Die Staatsanwältin fragt weiter zur Kommunikation. Die eigens gegründete Chatgruppe "Bring Kids Home (BKH)", an der unter anderem er selbst, Dr. C. und Christina Block beteiligt gewesen seien, sei nach Angaben des Zeugen seit Mitte 2023 nicht mehr genutzt worden. Als Grund nannte er eine "fehlende Notwendigkeit", da er ab diesem Zeitpunkt selbst vor Ort gewesen sei.

In der Folge habe man über "spezielle, extra dafür verteilte Telefone" kommuniziert. Auch Dr. C. und Frau Block hätten jeweils ein solches Gerät erhalten. Diese Telefone seien überwiegend zur Vereinbarung "physischer Treffen" genutzt worden.

Update, 14.25 Uhr: "Keren und Christina haben einen Code vereinbart"

Warum wurde das konspirative Handy für Christina Block in einem Hotelzimmer deponiert?, will die Staatsanwaltschaft wissen. "Das hat Keren bestimmt", so B. "Die beiden hatten einen bestimmten Code vereinbart."

Zur Erinnerung: Block hatte ausgesagt, nichts von dem Handy gewusst zu haben. Am Morgen des 1. Januar 2024 sei sie von einer ihr unbekannten Person in ein Hotelzimmer im "Grand Elysée" geführt worden. Dort habe das Telefon plötzlich geklingelt – und am anderen Ende sei Keren gewesen.

Update, 14.13 Uhr: Wie viel hat David B. seinem Team gezahlt?

Jetzt fragt auch die Staatsanwaltschaft nach der Bezahlung, allerdings inwiefern David B. sein Team bezahlt habe. Dieser wiederholt, dass Tal S. aktiv auf eine Bezahlung verzichtet habe (dies hatte dieser auch ausgesagt).

Keren T. habe allein im Jahr 2024 ein monatliches Gehalt von rund 3000 Euro im Monat erhalten. Ansonsten habe diese immer ohne Bezahlung für ihn gearbeitet, dies sei eine Vereinbarung, die beide vor Jahren getroffen hätten.

Viele anderen des Teams wie die "IT-Guys" seien ebenfalls nicht bezahlt worden. Ebenso sei die Familie V. nicht dafür bezahlt worden, dass sie ihren Hof für das Wiedersehen von Christina Block und ihre Kinder zur Verfügung gestellt haben.

Update, 13.59 Uhr: "Es war nicht möglich, die Kinder einfach von der Straße wegzunehmen"

Weitere Orte für einen möglichen Zugriff seien nicht mit der Unternehmerin diskutiert werden. "Da ging es mehr um das alltägliche Leben der Kinder, Christina hat uns zum Beispiel auch die Adressen der Schulen der Kinder gegeben", so der 68-Jährige. Doch den internen Plan einer seiner Kollegen, die Kinder von der Schule mitzunehmen, habe er abgelehnt.

Die Unternehmerin sei "sehr klar" in ihren Vorstellungen gewesen, dass sie keine Gewalt will. "Sie wollte nicht, dass die Kinder verletzt werden. Daher war es nicht möglich, einfach auf die Straße zu gehen und sie [die Kinder] mitzunehmen."

Ebenso habe B. einen weiteren Plan der "deutschen Truppe" rund um Ex-BND-Chef August Hanning (79) überprüft und dann über Bord geworfen. Dabei handelt es sich um die Idee, die Kinder mit einem Boot aus Dänemark abzuholen.

Titelfoto: Christian Charisius/dpa-Pool/dpa

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