Chef-Entführer im Block-Prozess: "Ich habe darauf gewartet, dass Christina die Wahrheit sagt"
Hamburg - Nachdem eine erneute Einlassung des in Untersuchungshaft sitzenden Angeklagten Tal S. (36) am Freitag für Aufsehen gesorgt hatte, wurde am Dienstag der Prozess wegen Kindesentführung gegen die Unternehmerin Christina Block (52) fortgesetzt. Der mutmaßliche Chef-Entführer David B. (68) sagte erneut als Zeuge aus. TAG24 war vor Ort und berichtete in einem Liveblog.
Am insgesamt bereits sechsten Tag der Zeugenaussage von David B. schloss die Richterin ihre Befragung ab. Im Mittelpunkt stand die Frage, warum sich B. im November 2025 den deutschen Behörden stellte.
B. erklärte, er sei nach Deutschland gekommen, um seine Sicht der Ereignisse darzulegen. "Ich bin davon ausgegangen, dass Christina und Herr C. die Wahrheit sagen werden, so wie ich es tue. Wir haben darauf gewartet, dass dies geschieht."
Als er jedoch aus Medienberichten erfahren habe, dass ihm eigenständiges Handeln oder eine Anweisung durch Christina Blocks Mutter, Christa Block (†), vorgeworfen werde, habe er sich zur Rückkehr nach Deutschland entschlossen.
Bereits Mitte 2024 habe er von Ermittlungen gegen ihn erfahren und erkannt, dass die rechtlichen Ratschläge von Christina Block und insbesondere von dem Familienanwalt Dr. Andreas C. falsch gewesen seien. Dennoch habe er zunächst abgewartet. Nach seiner Rückkehr nach Israel habe er angesichts des Krieges dort "erst einmal andere Sorgen gehabt".
Zu seiner überstürzten Ausreise am 1. Januar 2024 erklärte B., man sei davon ausgegangen, nach der Rückkehr der Kinder sei die Angelegenheit erledigt und man habe rechtmäßig gehandelt. Doch er habe schnell verstanden, "dass die Kinder als entführt angesehen werden".
Aus Schock über diese Entwicklung habe er seinem Team geraten, Deutschland schnellstmöglich zu verlassen. Anfangs habe er noch gehofft, der Entführungsvorwurf werde sich als Missverständnis aufklären.
Update, 15.59 Uhr: 35. Verhandlungstag ist zu Ende
Der 35. Verhandlungstag ist zu Ende. Der Prozess wird am Freitag, 6. Februar, um 9.30 Uhr fortgesetzt.
Update, 15.50 Uhr: "Dass Frau Block die Berichterstattung nicht passt, liegt an der Beweislage"
In einer Stellungnahme beantragt Block-Anwalt Ingo Bott (42) anschließend erneut die Einstellung des Verfahrens. Er betont wieder, dass eine "objektive Wahrheitsfindung" durch die umfassende Medienberichterstattung wie etwa über die noch nicht abgeschlossen Zeugenbefragung des Psychologen Dr. Stefan R. seiner Ansicht nach nicht mehr möglich sei.
Nebenklagevertreter Philip von der Meden dazu: "Dass Frau Block die Berichterstattung nicht passt, verstehe ich, aber das liegt an der Beweislage und ist Konsequenz dessen, was sie selbst getan hat."
Update, 15.37 Uhr: Zeugenbefragung unterbrochen
Die Zeugenbefragung von David B. ist zu Ende. Sein Anwalt kündigte an, dass dieser früher gehen müsse. Die Vernehmung soll an einem weiteren Verhandlungstermin fortgesetzt werden. Am heutigen Dienstag war der Israeli bereits zum sechsten Mal als mutmaßlicher Chef-Entführer befragt worden.
Update, 15.12 Uhr: Dr. C versicherte, dass "alles okay" ist
Der Zeuge betont gegenüber der Staatsanwältin, man dürfe nicht unterschätzen, dass Herr Dr. Andreas C. ihm und auch Christina Block gegenüber stets den Eindruck vermittelt habe, aus deutscher Perspektive sei "alles in Ordnung".
Es folgt eine 10-minütige Pause.
Update, 15.04 Uhr: Der Zeuge wollte nach der Entführung nach Hamburg zurückkehren
Die Staatsanwältin fragt expliziter nach dem "nicht erwarteten Ausgang".
B. antwortet: "Uns wurde immer gesagt, mit uns meine ich auch Christina, dass wenn die Kinder erstmal zurück sind, dass dann alles vorbei ist, dass wir in Deutschland weiter arbeiten können. Die ganze Zeit standen wir unter der Annahme, dass wir etwas Richtiges und etwas Gutes tun."
Hätte er gewusst, wie alles ausgeht, hätte er sich nie an der Aktion beteiligt. "Wir waren alle zutiefst schockiert, wie es dann gelaufen ist", so B. Weswegen er seinem Team geraten habe, Deutschland nach dem 1. Januar 2024 so schnell wie möglich zu verlassen, so wie er es auch dann getan habe. "Ich habe verstanden, dass gegen mich ermittelt werden kann", so der Zeuge.
Bei dem überstürzten Aufbrechen habe er nicht nur auf dem Hof in Süddeutschland, sondern auch im Hotel "Grand Elysée" persönliche Wertgegenstände zurückgelassen. "Ich war sicher, ich würde zurückkommen. Ich hatte gerade ein neues Büro in Hamburg angemietet", so B. auf Nachfrage der Staatsanwältin.
Er habe in der ersten Zeit nach der Entführung gehofft, dass "sich das alles mit dem Vorwurf der Entführung als Missverständnis aufklärt" und Dr. C. "die Dissonanzen" klärt.
Update, 14.55 Uhr: Der Zeuge war "dramatisch" in einen Krieg involviert
Anschließend richtet sich der Fokus erneut auf das Wohnmobil. Die Staatsanwältin möchte wissen, ob B. wisse, wo sich dieses derzeit befinde. B. verneint.
Zugleich bittet er um eine Einordnung und erklärt, sein Heimatland Israel habe sich 2024 in einem "schrecklichen Krieg" befunden, in den er "dramatisch" involviert gewesen sei. Erst später habe er begonnen, über das Wohnmobil nachzudenken. Er hoffe, es befinde sich "irgendwo", da er es "wirklich wolle".
Auf Nachfrage der Staatsanwältin, ob er sich bei der Familie V. erkundigt habe, antwortet B. erneut mit "Nein". Er ergänzt, seit dem Verlassen des Hofes der Familie V. im Januar 2024 habe er mit keinem der Familienmitglieder mehr gesprochen.
Auf die Frage nach dem "Warum" erklärt B., er habe nicht mit "diesem Ausgang" [der Entführung] gerechnet. Als er Zeit gehabt habe, sich mit der Situation zu befassen, hätten ihm seine Anwälte geraten, mit niemandem mehr zu sprechen.
Update, 14.45 Uhr: Chatgruppe "Bring Kids Home (BKH)"
Die Staatsanwältin fragt weiter zur Kommunikation. Die eigens gegründete Chatgruppe "Bring Kids Home (BKH)", an der unter anderem er selbst, Dr. C. und Christina Block beteiligt gewesen seien, sei nach Angaben des Zeugen seit Mitte 2023 nicht mehr genutzt worden. Als Grund nannte er eine "fehlende Notwendigkeit", da er ab diesem Zeitpunkt selbst vor Ort gewesen sei.
In der Folge habe man über "spezielle, extra dafür verteilte Telefone" kommuniziert. Auch Dr. C. und Frau Block hätten jeweils ein solches Gerät erhalten. Diese Telefone seien überwiegend zur Vereinbarung "physischer Treffen" genutzt worden.
Update, 14.25 Uhr: "Keren und Christina haben einen Code vereinbart"
Warum wurde das konspirative Handy für Christina Block in einem Hotelzimmer deponiert?, will die Staatsanwaltschaft wissen. "Das hat Keren bestimmt", so B. "Die beiden hatten einen bestimmten Code vereinbart."
Zur Erinnerung: Block hatte ausgesagt, nichts von dem Handy gewusst zu haben. Am Morgen des 1. Januar 2024 sei sie von einer ihr unbekannten Person in ein Hotelzimmer im "Grand Elysée" geführt worden. Dort habe das Telefon plötzlich geklingelt – und am anderen Ende sei Keren gewesen.
Update, 14.13 Uhr: Wie viel hat David B. seinem Team gezahlt?
Jetzt fragt auch die Staatsanwaltschaft nach der Bezahlung, allerdings inwiefern David B. sein Team bezahlt habe. Dieser wiederholt, dass Tal S. aktiv auf eine Bezahlung verzichtet habe (dies hatte dieser auch ausgesagt).
Keren T. habe allein im Jahr 2024 ein monatliches Gehalt von rund 3000 Euro im Monat erhalten. Ansonsten habe diese immer ohne Bezahlung für ihn gearbeitet, dies sei eine Vereinbarung, die beide vor Jahren getroffen hätten.
Viele anderen des Teams wie die "IT-Guys" seien ebenfalls nicht bezahlt worden. Ebenso sei die Familie V. nicht dafür bezahlt worden, dass sie ihren Hof für das Wiedersehen von Christina Block und ihre Kinder zur Verfügung gestellt haben.
Update, 13.59 Uhr: "Es war nicht möglich, die Kinder einfach von der Straße wegzunehmen"
Weitere Orte für einen möglichen Zugriff seien nicht mit der Unternehmerin diskutiert werden. "Da ging es mehr um das alltägliche Leben der Kinder, Christina hat uns zum Beispiel auch die Adressen der Schulen der Kinder gegeben", so der 68-Jährige. Doch den internen Plan einer seiner Kollegen, die Kinder von der Schule mitzunehmen, habe er abgelehnt.
Die Unternehmerin sei "sehr klar" in ihren Vorstellungen gewesen, dass sie keine Gewalt will. "Sie wollte nicht, dass die Kinder verletzt werden. Daher war es nicht möglich, einfach auf die Straße zu gehen und sie [die Kinder] mitzunehmen."
Ebenso habe B. einen weiteren Plan der "deutschen Truppe" rund um Ex-BND-Chef August Hanning (79) überprüft und dann über Bord geworfen. Dabei handelt es sich um die Idee, die Kinder mit einem Boot aus Dänemark abzuholen.
Update, 13.43 Uhr: Es geht weiter
Mit rund zehn Minuten Verspätung wird der 35. Verhandlungstag fortgesetzt. Jetzt befragt die Staatsanwaltschaft David B.
Diese will wissen, ob Christina Block oder Familienanwalt Dr. Andreas C. davon wussten, dass B. ihnen nicht die genauen Details des Plans mitteilen wird.
"Nein, das wusste nur ich", so B. "Sie wussten, dass wir versuchen werden, die Kinder zu bringen. Wir waren uns im Zeitraum Weihnachten bis Silvester selbst nicht sicher, ob wir es tun können." Erst ab dem Zeitpunkt in dem Christina Block (mutmaßlich) B. und seinem Team die Information weitergeleitet habe, dass Theo und Klara vielleicht am 31. Dezember 2023 mit ihrem Vater am Hafen von Gråsten das Feuerwerk angucken werden, habe er entschieden, einen Versuch zu starten, die Kinder zu holen.
Allerdings habe es ja das besagte Treffen mit der Unternehmerin am 28. Dezember 2023 mit dem gesamten Team im Hotel "Grand Elysée" gegeben. "Da hätte sich Christina vielleicht denken können, dass wir ab und rund um das Feuerwerk versuchen werden, die Kinder zu holen".
Mit "Olga" alias Keren T. habe er einen "gewissen Kommunikationsweg" [über ein extra Handy] vereinbart, "sodass wir in der Lage sein werden, mit Frau Block zu kommunizieren", so B. weiter. Das aber erst nach der Entführung.
Update, 12.07 Uhr: Eugen Block war nicht zufrieden mit David B. und seinem Team
Die beisitzende Richterin fragte, warum Frau Block nicht mitgeteilt worden sei, wohin B. und sein Team mit den Kindern nach der Entführung fahren würden.
"Ich hatte Angst, dass jemand in der Umgebung darüber sprechen könnte und dass dadurch alles scheitern würde. Uns wurde berichtet, dass eine Person in sehr hoher Position uns gebeten habe, aufzuhören. Als wir Christina und Dr. C. davon erzählten, sagten sie, sie hätten davon nie gehört", erklärte B. "Aufgrund dessen und meiner beruflichen Erfahrung wollte ich keine Einzelheiten offenlegen, insbesondere nicht das endgültige Datum und die genaue Uhrzeit."
Auf die Frage, wer diese Person gewesen sei, antwortete B.: "Ich weiß es nicht. Aber es war nicht Frau Block und auch nicht Dr. C. Es war wahrscheinlich jemand über ihnen."
Er vermutete, dass "der Patriarch [Eugen Block]" mit der Arbeit seines Teams nicht zufrieden gewesen sei. Zudem denke er, dass der Zeuge Alon S., der den Kontakt zwischen den Blocks und B. hergestellt haben soll, eigene Interessen verfolgt habe und "sich in den Vordergrund drängen wollte". B. dazu: "Ich glaube, dass Herr S. Kontakt mit dem Patriarchen aufgenommen hat und ein zusätzliches Team engagieren wollte. Das hat er schon einmal getan: Als das deutsche Team gescheitert ist, hat er uns beauftragt."
"Ab diesem Punkt konnte ich niemandem mehr trauen", betonte der Zeuge.
Es folgt die obligatorische Mittagspause bis 13.30 Uhr.
Update, 11.40 Uhr: Chef-Entführer musste Kredit aufnehmen
Die vorsitzende Richterin hat keine Fragen mehr. Einer der beisitzenden Richter fragte noch einmal nach der genauen Bezahlung. Zeitweise hätten 250.000 Euro im Raum gestanden: "Es war nur eine ungefähre Schätzung. Damals war noch nicht klar, wie lange es dauern würde", so B.
"Welche Leistung sollte dafür erbracht werden?", fragt der Richter weiter. "Informationen für den Rechtsprozess um die Kinder zu sammeln", antwortet B. Die Entführung sei in dem Betrag nicht enthalten gewesen. "Das war ja nicht von Anfang an der Plan. Wir erwarteten dann, dass wir später mehr Geld erhalten würden. Ich erinnere mich nicht daran, nach einer konkreten Summe gefragt zu haben. Nur daran, dass ich im letzten Telefonat mit Dr. C. um mehr Geld gebeten habe. Das habe ich aber nie bekommen."
Einen schriftlichen Vertrag habe es ebenfalls nicht gegeben. "Herr C. hat ein paar Notizen gemacht. Als es zur Eskalation kam, war das Geld jedoch nicht ausreichend. Ich habe Teammitglieder aus eigener Tasche bezahlt und dafür einen Kredit aufgenommen."
Es folgt eine kurze Pause.
Update, 11.22 Uhr: "Ich bin davon ausgegangen, dass Christina die Wahrheit sagen wird"
Als letzte Frage will die Richterin wissen, wie es zu David Bs. Aussage bei der Staatsanwaltschaft im November 2025 gekommen ist.
"Ich bin nach Deutschland gekommen, um die Geschichte dessen zu erzählen, was uns passiert ist – mir und meiner Firma", begann B. zu erklären. "Ich war in der Tat überrascht, als ich gehört habe, dass ich verurteilt werden könnte." Mitte 2024 habe er erstmals von polizeilichen Ermittlungen gegen ihn erfahren.
Es habe einige Zeit gedauert, bis er und sein Team verstanden hätten, dass die rechtlichen Ratschläge, die ihm von Christina Block und Dr. C. erteilt worden seien, "falsch gewesen sind". Daraufhin habe er zunächst einen israelischen Anwalt und später auch einen Deutschen eingeschaltet, nachdem er erfahren habe, dass nach ihm per Haftbefehl gesucht wird.
"Ich bin davon ausgegangen, dass Christina und Herr C. die Wahrheit sagen werden, so wie ich es tue. Wir haben darauf gewartet, dass dies geschieht." Als er jedoch in Medienberichten gelesen habe, ihm werde vorgeworfen, aus eigenem Antrieb gehandelt zu haben beziehungsweise auf Anweisung von Christina Blocks Mutter, habe er verstanden, dass es für ihn an der Zeit sei, nach Deutschland zu kommen.
"Ich war überzeugt, dass das Beste, was man tun kann, ist, herzukommen und die Wahrheit darüber zu sagen, was wir in Deutschland getan haben."
"Wurde Ihnen eine Gegenleistung für ihre Aussage versprochen?", will die Richterin weiter wissen.
B: "Mir wurde nichts versprochen. Ich bin erwachsen, ich bin verantwortlich für meine Fehler. Das ist der Preis, der gezahlt werden muss."
Update, 10.55 Uhr: Fotos vom Hauptquartier und Dr. C.
In dem Dokument befinden sich auch Fotos des Hauptquartiers von David B. und seinem Team im 6. Stock der Kanzlei des Familienanwalts Dr. Andreas C. in Hamburg, welches ihnen von diesem für "ihre Arbeiten" zur Verfügung gestellt worden sei, wie der Zeuge erneut betonte.
Die Richterin will wissen, was es mit einem Screenshot von der Webseite des Anwalts in dem Plan auf sich hat. "Als wir die IT-Tests im Hotel [Grand Elysée] durchführten, haben wir das auch bei Dr. C. gemacht und festgestellt, dass es viele Probleme gibt", erklärt der Zeuge.
Immer wieder tauchen in den Dokumenten auch Ergebnisse von Penetrationstests auf, die von "Cyber Cupula" im Hotel Grand Elysée durchgeführt worden sein sollen.
B. betonte, es sei dabei auch darum gegangen, die Präsenz seiner IT-Firma nach außen darzustellen. "Wir wollten mit dem Grand Elysée erfolgreich sein, damit Christina uns dabei helfen würde, auch in andere Hotels in Deutschland zu kommen."
Update, 10.45 Uhr: Plan "Golden Eyes #5"
Jetzt wird eine Art Power-Point-Präsentation gezeigt mit dem Titel "Golden Eyes #5" und unten drunter steht "bring the kids safely home". Der Zeuge erkennt das Dokument als den Plan an, den er aufgestellt habe, um die jüngsten Block-Kinder zurück nach Deutschland zu bringen.
Unter anderem befinden sich in dem "Plan" Fotos von dem Haus von Stephan Hensel im dänischen Gråsten sowie Satelliten-Bilder der gesamten Stadt. Dort hatte der Ex-Mann von Christina Block bis zur Entführung zusammen mit drei der vier Block-Kinder (Theo, Klara und Johanna), seiner neuen Frau Astrid Have, ihrem Sohn sowie einer gemeinsamen Tochter gewohnt.
Update, 10.38 Uhr: Plötzlich geht es um Katzen
Unter den Bildern von dem Bauernhof sind auch mehrere Bilder einer orangen Katze. "Erinnern Sie sich an die Katze?", will die Richterin wissen. "Ja, ich erinnere mich ganz genau, da ich selbst drei Katzen habe und Katzen mag", so B.
Sandra V., sei ebenfalls eine Katzenliebhaberin, so B. weiter. "Ich erinnere mich daran, dass sie sich entschlossen hatte, die Katze zu nehmen und zu den Kindern zu bringen." Klara habe die Katze entgegengenommen, erinnert sich der Zeuge.
Update, 10.20 Uhr: Christina Block soll "glücklich" gewesen sei
Jetzt werden Bilder eines Bauernhofs gezeigt. Zu erkennen sind unter anderem eine große Einfahrt sowie eine Scheune. David B. erkennt den Alpaka-Hof der Familie V. in Baden-Württemberg. Dort waren die Block-Kinder nach der Entführung zunächst untergebracht worden.
Unter anderem kommt dem Zeugen ein Bild eines Wohnzimmers im Erdgeschoss "vertraut" vor. "Ich glaube, das war der Raum, wo Christina zu uns gekommen ist, um Danke zu sagen und dass sie sehr glücklich darüber ist, dass wir die Kinder zurückgebracht haben", so B.
Update, 10.07 Uhr: Zeugenvernehmung von David B. beginnt
Die Zeugenvernehmung von David B. beginnt. Die Richterin kündigt an, nur noch wenige Frage zu haben und zunächst einige Sachen in Augenschein nehmen zu wollen.
Darunter ein Schreiben der "Hamburg Business Center GmbH" vom 8. Februar 2024 an das LKA Hamburg mit dem Betreff "Cyper Cupula" (Name der israelischen IT-Sicherheitsfirma des Zeugen). Dem Schreiben waren unter anderem mehrere Rechnungen des Hotels "Grand Elysée" in Hamburg beigefügt.
Die Richterin fragt: "Haben Sie diese Rechnungen schon einmal gesehen?"
B. antwortet: "Das ist das erste Mal, dass ich diese sehe. An diesem Datum war ich in Israel."
Es folgen mehrere Lichtbilder des Wohnmobils, mit dem die jüngsten Block-Kinder, Theo und Klara, in der Silvesternacht 23/24 von der dänischen Grenze nach Süddeutschland gebracht worden waren. "Das sieht aus wie das, was ich besitze", so B.
Auf den Bildern ist zu sehen, dass man vom hinteren Bereich direkt in den Fahrerbereich blicken kann. "War das am Silvesterabend ebenfalls so gestaltet, oder hatten Sie daran etwas verändert?", fragt die Richterin. B. gab an, dass der Fahrerbereich in dieser Nacht durch Vorhänge abgetrennt gewesen sei.
Update, 9.59 Uhr: Dr. Voß habe kein "Anspruch" sich zu äußern
Nach der Pause bestätigt die Kammer den Beschluss der Richterin, Dr. Voß nicht das Wort zu erteilen. Ihm stehe kein "Anspruch" zu, zu der dienstlichen Äußerung noch vor der Zeugenvernehmung von B. Stellung zu beziehen.
Update, 9.50 Uhr: Direkt 10 Minuten Pause
Der Prozess beginnt unmittelbar mit einer zehnminütigen Unterbrechung. Dr. Marco Voß, Verteidiger des Angeklagten Dr. Andreas C., beantragt einen Kammerbeschluss, nachdem ihm verwehrt wurde, noch vor der erneuten Zeugenvernehmung von David B. Stellung zu einer dienstlichen Äußerung der Richterin vom 28.01.2026 zu nehmen.
In dieser habe Isabel Hildebrandt den Verteidigern, die sie zuvor als Richterin abgelehnt hatten, unter anderem vorgeworfen, "falsch vorgetragen" zu haben.
Die Richterin vertritt die Auffassung, dies gehöre nicht in die Hauptverhandlung. Voß hält dagegen, sie habe die Äußerung selbst zum Gegenstand ihrer Erklärung und damit zum Inbegriff der Hauptverhandlung gemacht.
Update, 9.43 Uhr: 35. Verhandlungstag beginnt
Mit rund 15 Minuten Verspätung beginnt der 35. Verhandlungstag.
Update, 9.17 Uhr: Mutmaßlicher Chef-Entführer David B. sagt weiter aussagen
Die zusätzlichen Sicherheitskontrollen vor Saal 237 deuten darauf hin, dass David B. heute tatsächlich weiter aussagen wird.
Während sich unten am Eingang des Strafjustizgebäudes die Schlangen erneut bis vor die Tür ziehen und zahlreiche Prozessbeteiligte noch warten müssen, ist es im Sitzungssaal selbst bislang ruhig. Bis auf den angeklagten Familienanwalt der Blocks, Dr. Andreas C., ist noch keiner der Angeklagten anwesend.
Update, 9 Uhr: So geht es am Dienstag weiter
Vor dem anstehenden 35. Verhandlungstag hat das Gericht diesmal nicht bekannt gegeben, welche Zeugen geladen sind. Üblicherweise erfolgt diese Information einen Tag im Voraus.
Entweder sind tatsächlich keine weiteren Zeugen vorgesehen – oder die bereits begonnene Vernehmung von David B. wird fortgesetzt. Dessen Aussage war selbst nach fünf Verhandlungstagen noch nicht abgeschlossen.
Bereits am 23. Prozesstag hatte Gerichtssprecherin Marayke Frantzen erklärt, dass aus Rücksicht auf die Sicherheitslage des israelischen Zeugen auf eine frühzeitige öffentliche Ankündigung verzichtet werde.
David B. hatte im Rahmen seiner freiwilligen Aussage bei der Staatsanwaltschaft im November 2025 Sicherheitsgeleit versprochen bekommen.
Update, 8.50 Uhr: Recap von Freitag
Am Ende des 34. Verhandlungstages räumte der Angeklagte Tal S. (36) überraschend ein, vor Gericht nicht die Wahrheit gesagt zu haben. Auf die Frage, wann er Christina Block erstmals gesehen habe, habe er bewusst falsch geantwortet.
Erst am Freitag sprach S. von einem Treffen im Hotel "Grand Elysée", das auch schon der Zeuge und mutmaßliche Chef-Entführer David B. (68) beschrieben hatte. Das Treffen soll kurz vor der Entführung in der Silvesternacht 2023/24 stattgefunden haben. Nach Darstellung von S. habe Block den späteren Entführern dabei gedankt, "dass sie ihre Kinder retten".
Warum er diesen Punkt bislang verschwiegen habe, erklärte S. mit möglichen Konsequenzen für die Unternehmerin. Spätestens nach ihrer eigenen Einlassung sei ihm klar gewesen, was seine Aussage auslösen könne: "Ich dachte, wenn ich das erwähne, werde ich diese Frau verbrennen – und sie kann dadurch im Gefängnis landen."
Der Nebenklagevertreter Philip von der Meden bezeichnete es als "nachvollziehbar", dass Tal S. erst jetzt über das Treffen gesprochen habe. Der Angeklagte habe wiederholt betont, er habe "etwas Gutes tun" und Christina Block schützen wollen.
Verteidiger Ingo Bott nutzte die neue Darstellung dagegen als Argument für seinen Antrag auf Einstellung des Verfahrens. Es gebe mittlerweile zu viele "Realitätsangebote".
Eine "materielle Wahrheitsfindung" sei kaum noch möglich. Zudem sei es für den Angeklagten "günstig" gewesen, erst zu diesem Zeitpunkt über das Treffen zu berichten.
Titelfoto: Christian Charisius/dpa-Pool/dpa
