Chef-Entführer im Block-Prozess: "Ich habe darauf gewartet, dass Christina die Wahrheit sagt"

Hamburg - Nachdem eine erneute Einlassung des in Untersuchungshaft sitzenden Angeklagten Tal S. (36) am Freitag für Aufsehen gesorgt hatte, wird am Dienstag der Prozess wegen Kindesentführung gegen die Unternehmerin Christina Block (52) fortgesetzt. Der mutmaßliche Chef-Entführer David B. (68) sagt erneut als Zeuge aus. TAG24 ist vor Ort und berichtet in einem Liveblog.

Christina Block (52) zusammen mit ihrem Anwalt Ingo Bott (42) am 35. Verhandlungstag.
Christina Block (52) zusammen mit ihrem Anwalt Ingo Bott (42) am 35. Verhandlungstag.  © Christian Charisius/dpa-Pool/dpa

Update, 12.07 Uhr: Eugen Block war nicht zufrieden mit David B. und seinem Team

Die beisitzende Richterin fragte, warum Frau Block nicht mitgeteilt worden sei, wohin B. und sein Team mit den Kindern nach der Entführung fahren würden.

"Ich hatte Angst, dass jemand in der Umgebung darüber sprechen könnte und dass dadurch alles scheitern würde. Uns wurde berichtet, dass eine Person in sehr hoher Position uns gebeten habe, aufzuhören. Als wir Christina und Dr. C. davon erzählten, sagten sie, sie hätten davon nie gehört", erklärte B. "Aufgrund dessen und meiner beruflichen Erfahrung wollte ich keine Einzelheiten offenlegen, insbesondere nicht das endgültige Datum und die genaue Uhrzeit."

Auf die Frage, wer diese Person gewesen sei, antwortete B.: "Ich weiß es nicht. Aber es war nicht Frau Block und auch nicht Dr. C. Es war wahrscheinlich jemand über ihnen."

Er vermutete, dass "der Patriarch [Eugen Block]" mit der Arbeit seines Teams nicht zufrieden gewesen sei. Zudem denke er, dass der Zeuge Alon S., der den Kontakt zwischen den Blocks und B. hergestellt haben soll, eigene Interessen verfolgt habe und "sich in den Vordergrund drängen wollte". B. dazu: "Ich glaube, dass Herr S. Kontakt mit dem Patriarchen aufgenommen hat und ein zusätzliches Team engagieren wollte. Das hat er schon einmal getan: Als das deutsche Team gescheitert ist, hat er uns beauftragt."

"Ab diesem Punkt konnte ich niemandem mehr trauen", betonte der Zeuge.

Es folgt die obligatorische Mittagspause bis 13.30 Uhr.

Update, 11.40 Uhr: Chef-Entführer musste Kredit aufnehmen

Die vorsitzende Richterin hat keine Fragen mehr. Einer der beisitzenden Richter fragte noch einmal nach der genauen Bezahlung. Zeitweise hätten 250.000 Euro im Raum gestanden: "Es war nur eine ungefähre Schätzung. Damals war noch nicht klar, wie lange es dauern würde", so B.

"Welche Leistung sollte dafür erbracht werden?", fragt der Richter weiter. "Informationen für den Rechtsprozess um die Kinder zu sammeln", antwortet B. Die Entführung sei in dem Betrag nicht enthalten gewesen. "Das war ja nicht von Anfang an der Plan. Wir erwarteten dann, dass wir später mehr Geld erhalten würden. Ich erinnere mich nicht daran, nach einer konkreten Summe gefragt zu haben. Nur daran, dass ich im letzten Telefonat mit Dr. C. um mehr Geld gebeten habe. Das habe ich aber nie bekommen."

Einen schriftlichen Vertrag habe es ebenfalls nicht gegeben. "Herr C. hat ein paar Notizen gemacht. Als es zur Eskalation kam, war das Geld jedoch nicht ausreichend. Ich habe Teammitglieder aus eigener Tasche bezahlt und dafür einen Kredit aufgenommen."

Es folgt eine kurze Pause.

Der angeklagte Familienanwalt Dr. Andreas C. (r) und sein Verteidiger Dr. Marko Voß.
Der angeklagte Familienanwalt Dr. Andreas C. (r) und sein Verteidiger Dr. Marko Voß.  © Christian Charisius/dpa

Update, 11.22 Uhr: "Ich bin davon ausgegangen, dass Christina die Wahrheit sagen wird"

Als letzte Frage will die Richterin wissen, wie es zu David Bs. Aussage bei der Staatsanwaltschaft im November 2025 gekommen ist.

"Ich bin nach Deutschland gekommen, um die Geschichte dessen zu erzählen, was uns passiert ist – mir und meiner Firma", begann B. zu erklären. "Ich war in der Tat überrascht, als ich gehört habe, dass ich verurteilt werden könnte." Mitte 2024 habe er erstmals von polizeilichen Ermittlungen gegen ihn erfahren.

Es habe einige Zeit gedauert, bis er und sein Team verstanden hätten, dass die rechtlichen Ratschläge, die ihm von Christina Block und Dr. C. erteilt worden seien, "falsch gewesen sind". Daraufhin habe er zunächst einen israelischen Anwalt und später auch einen Deutschen eingeschaltet, nachdem er erfahren habe, dass nach ihm per Haftbefehl gesucht wird.

"Ich bin davon ausgegangen, dass Christina und Herr C. die Wahrheit sagen werden, so wie ich es tue. Wir haben darauf gewartet, dass dies geschieht." Als er jedoch in Medienberichten gelesen habe, ihm werde vorgeworfen, aus eigenem Antrieb gehandelt zu haben beziehungsweise auf Anweisung von Christina Blocks Mutter, habe er verstanden, dass es für ihn an der Zeit sei, nach Deutschland zu kommen.

"Ich war überzeugt, dass das Beste, was man tun kann, ist, herzukommen und die Wahrheit darüber zu sagen, was wir in Deutschland getan haben."

"Wurde Ihnen eine Gegenleistung für ihre Aussage versprochen?", will die Richterin weiter wissen.

B: "Mir wurde nichts versprochen. Ich bin erwachsen, ich bin verantwortlich für meine Fehler. Das ist der Preis, der gezahlt werden muss."

Update, 10.55 Uhr: Fotos vom Hauptquartier und Dr. C.

In dem Dokument befinden sich auch Fotos des Hauptquartiers von David B. und seinem Team im 6. Stock der Kanzlei des Familienanwalts Dr. Andreas C. in Hamburg, welches ihnen von diesem für "ihre Arbeiten" zur Verfügung gestellt worden sei, wie der Zeuge erneut betonte.

Die Richterin will wissen, was es mit einem Screenshot von der Webseite des Anwalts in dem Plan auf sich hat. "Als wir die IT-Tests im Hotel [Grand Elysée] durchführten, haben wir das auch bei Dr. C. gemacht und festgestellt, dass es viele Probleme gibt", erklärt der Zeuge.

Immer wieder tauchen in den Dokumenten auch Ergebnisse von Penetrationstests auf, die von "Cyber Cupula" im Hotel Grand Elysée durchgeführt worden sein sollen.

B. betonte, es sei dabei auch darum gegangen, die Präsenz seiner IT-Firma nach außen darzustellen. "Wir wollten mit dem Grand Elysée erfolgreich sein, damit Christina uns dabei helfen würde, auch in andere Hotels in Deutschland zu kommen."

Update, 10.45 Uhr: Plan "Golden Eyes #5"

Jetzt wird eine Art Power-Point-Präsentation gezeigt mit dem Titel "Golden Eyes #5" und unten drunter steht "bring the kids safely home". Der Zeuge erkennt das Dokument als den Plan an, den er aufgestellt habe, um die jüngsten Block-Kinder zurück nach Deutschland zu bringen.

Unter anderem befinden sich in dem "Plan" Fotos von dem Haus von Stephan Hensel im dänischen Gråsten sowie Satelliten-Bilder der gesamten Stadt. Dort hatte der Ex-Mann von Christina Block bis zur Entführung zusammen mit drei der vier Block-Kinder (Theo, Klara und Johanna), seiner neuen Frau Astrid Have, ihrem Sohn sowie einer gemeinsamen Tochter gewohnt.

Update, 10.38 Uhr: Plötzlich geht es um Katzen

Unter den Bildern von dem Bauernhof sind auch mehrere Bilder einer orangen Katze. "Erinnern Sie sich an die Katze?", will die Richterin wissen. "Ja, ich erinnere mich ganz genau, da ich selbst drei Katzen habe und Katzen mag", so B.

Sandra V., sei ebenfalls eine Katzenliebhaberin, so B. weiter. "Ich erinnere mich daran, dass sie sich entschlossen hatte, die Katze zu nehmen und zu den Kindern zu bringen." Klara habe die Katze entgegengenommen, erinnert sich der Zeuge.

Update, 10.20 Uhr: Christina Block soll "glücklich" gewesen sei

Jetzt werden Bilder eines Bauernhofs gezeigt. Zu erkennen sind unter anderem eine große Einfahrt sowie eine Scheune. David B. erkennt den Alpaka-Hof der Familie V. in Baden-Württemberg. Dort waren die Block-Kinder nach der Entführung zunächst untergebracht worden.

Unter anderem kommt dem Zeugen ein Bild eines Wohnzimmers im Erdgeschoss "vertraut" vor. "Ich glaube, das war der Raum, wo Christina zu uns gekommen ist, um Danke zu sagen und dass sie sehr glücklich darüber ist, dass wir die Kinder zurückgebracht haben", so B.

Update, 10.07 Uhr: Zeugenvernehmung von David B. beginnt

Die Zeugenvernehmung von David B. beginnt. Die Richterin kündigt an, nur noch wenige Frage zu haben und zunächst einige Sachen in Augenschein nehmen zu wollen.

Darunter ein Schreiben der "Hamburg Business Center GmbH" vom 8. Februar 2024 an das LKA Hamburg mit dem Betreff "Cyper Cupula" (Name der israelischen IT-Sicherheitsfirma des Zeugen). Dem Schreiben waren unter anderem mehrere Rechnungen des Hotels "Grand Elysée" in Hamburg beigefügt.

Die Richterin fragt: "Haben Sie diese Rechnungen schon einmal gesehen?"
B. antwortet: "Das ist das erste Mal, dass ich diese sehe. An diesem Datum war ich in Israel."

Es folgen mehrere Lichtbilder des Wohnmobils, mit dem die jüngsten Block-Kinder, Theo und Klara, in der Silvesternacht 23/24 von der dänischen Grenze nach Süddeutschland gebracht worden waren. "Das sieht aus wie das, was ich besitze", so B.

Auf den Bildern ist zu sehen, dass man vom hinteren Bereich direkt in den Fahrerbereich blicken kann. "War das am Silvesterabend ebenfalls so gestaltet, oder hatten Sie daran etwas verändert?", fragt die Richterin. B. gab an, dass der Fahrerbereich in dieser Nacht durch Vorhänge abgetrennt gewesen sei.

Richterin Isabel Hildebrandt.
Richterin Isabel Hildebrandt.  © Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

Update, 9.59 Uhr: Dr. Voß habe kein "Anspruch" sich zu äußern

Nach der Pause bestätigt die Kammer den Beschluss der Richterin, Dr. Voß nicht das Wort zu erteilen. Ihm stehe kein "Anspruch" zu, zu der dienstlichen Äußerung noch vor der Zeugenvernehmung von B. Stellung zu beziehen.

Update, 9.50 Uhr: Direkt 10 Minuten Pause

Der Prozess beginnt unmittelbar mit einer zehnminütigen Unterbrechung. Dr. Marco Voß, Verteidiger des Angeklagten Dr. Andreas C., beantragt einen Kammerbeschluss, nachdem ihm verwehrt wurde, noch vor der erneuten Zeugenvernehmung von David B. Stellung zu einer dienstlichen Äußerung der Richterin vom 28.01.2026 zu nehmen.

In dieser habe Isabel Hildebrandt den Verteidigern, die sie zuvor als Richterin abgelehnt hatten, unter anderem vorgeworfen, "falsch vorgetragen" zu haben.

Die Richterin vertritt die Auffassung, dies gehöre nicht in die Hauptverhandlung. Voß hält dagegen, sie habe die Äußerung selbst zum Gegenstand ihrer Erklärung und damit zum Inbegriff der Hauptverhandlung gemacht.

Titelfoto: Christian Charisius/dpa-Pool/dpa

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