Chef-Entführer im Block-Prozess: "Er sagt nicht die Wahrheit"
Hamburg - Am Freitag wird der Prozess wegen Kindesentführung gegen die Unternehmerin Christina Block (52) fortgesetzt. Der mutmaßliche Chef-Entführer David B. (68) soll erneut als Zeuge aussagen. TAG24 ist vor Ort und berichtet in einem Liveblog.
Update, 11.37 Uhr: Nebenklagevertreter glaubt dem Zeugenbeistand
Nach der kurzen Pause fragt von der Meden nicht weiter zu David Bs. Kontakten zum israelischen Staat. Er glaube dem Zeugenbeistand, dass die Sicherheitsmaßnahmen nichts mit dem Fall zu tun haben.
Update, 11.25 Uhr: Warum wird der Zeuge von LKA-Beamten bewacht?
Von der Meden erkundigt sich nach dem Kontaktmann, der David B. dem Zeugen Alon S. empfohlen haben soll. Alon S. hatte in seiner Aussage die Nennung des Namens verweigert und erklärt, diese Person bewege sich "in hohen Sicherheitskreisen".
"Hat diese Person Ihrer Kenntnis nach noch eine hohe Stellung im israelischen Sicherheitsapparat?", fragt von der Meden den Zeugen. David B. antwortet, er wisse lediglich, dass der Mann Eigentümer einer Firma sei, die Daten sammle. Dieser habe ihn angerufen und gefragt, ob er seine Telefonnummer an Alon S. weitergeben dürfe. Seitdem habe es keinen weiteren Kontakt gegeben.
Zudem betont B., es sei ihm nicht erlaubt, über Personen zu sprechen, "die derzeit im israelischen Staat dienen".
Auf die Frage von der Meden, ob er als ehemaliger Mossad-Agent noch Kontakte zum israelischen Sicherheitsapparat habe, folgt eine Diskussion über die Zulässigkeit der Frage. Von der Meden erklärt offen, worauf diese abziele: "Die Tatsache, dass Sie hier von LKA-Beamten bewacht werden, wirft die Frage auf, ob möglicherweise eine Gefährdungssituation besteht und ob hier sehr gefährliche Personen unterwegs sind", so der Nebenklagevertreter. Sein Mandant habe diesbezüglich Sorge.
Die Vorsitzende Richterin entgegnet: "Ich kann Sie da beruhigen: Sie sehen Gespenster." Das Sicherheitsgeleit von David B. habe "hiermit nichts zu tun".
Von der Meden bittet schließlich um eine Pause, um sich mit dem Zeugenbeistand von David B. zu beraten.
Update, 11.04 Uhr: Das Haus von Stephen Hensel wurde 24/7 überwacht
"Wer hat zum ersten Mal kommuniziert, dass von Stephan Hensel eine Gefahr ausgeht?", will von der Meden nach der Pause wissen. Christina Block hatte in ihrer Einlassung ausgesagt, dass David B. der Erste gewesen sei.
Nachdem B. zuerst sagt, dass "das stimmt", sagt er wenige Minuten Später "Christina war die Erste, das war ja auch Teil der Eskalalation", so der Zeuge, der schon zuvor gesagt hatte, dass die Unternehmerin Angst davor gehabt haben soll, dass "der Vater einfach mit ihren Kindern verschwindet und sie sie nie wieder sehen wird".
"Basiert Ihre Annahme, dass von Herrn Hensel eine Gefahr ausgeht, allein auf den Aussagen von Frau Block?", fragt der Nebenklagevertreter. "Nein, auch auf der Basis auf dem, was die IT-Leute der Block-Gruppe uns im Hotel erzählt hat", so der Zeuge. Diese hätten von einem gewaltigen Mann gesprochen, der sauer über seine Kündigung gewesen sei. Hensel hatte während seiner Ehe mit Christina Block auch für die Block-Gruppe gearbeitet.
"Haben sie ihn den selbst einmal aufbrausend oder gewalttätig erlebt?", fragt von der Meden nach. "Nein, ich habe ihn nie gewalttätig erlebt. Einmal habe ich ihn mit den Kindern Fahrrad fahren gesehen, das wirkte normal".
Beunruhigt habe ihn und sein Team, dass die Kinder wenig soziale Kontakte hätten und "nicht oft draußen waren". "Woher wissen Sie das denn? Haben Sie das Haus rund um die Uhr überwacht?", fragt der Nebenklagevertreter.
"Nicht immer, aber für einen langen Zeitraum", so der Zeuge.
Update, 10.45 Uhr: "Alon S. sagt nicht die Wahrheit"
Jetzt fragt von der Meden, ob es sein kann, dass neben "Cyper Cupula" noch andere Firmen mit der Spionage der Familie Hensel beauftragt worden sind.
"Ich bin selbst zu dem Schluss gekommen, das es sein kann, dass auch andere Firmen involviert hätten sein können", so B. Diesen Rückschluss habe er aus einem Telefonat mit dem Zeugen Alon S. geschlossen, wie er bereits am Dienstag ausgesagt hatte. Demnach soll dieser ihn und sein Team gebeten haben, "aufzuhören".
Auf Nachfrage Bs. soll diese Bitte "von einer hohen Person" gekommen sein. Daraus habe David B. für sich selbst geschlossen, "dass jemand anderes aus der Familie Block vielleicht noch wen anders beauftragt hat".
Von der Meden: "Wissen Sie, dass Alon S. hier bereits als Zeuge ausgesagt hat?"
B.: "Ja, ich weiß es aus den News."
Von der Meden: "Was wissen Sie?"
B.: "Ich weiß, dass er nicht die Wahrheit sagt. Ich habe ihn nicht zum ersten Mal in Berlin getroffen und das Treffen war auch nicht zufällig. Ich habe ihn zuvor mehrfach getroffen und das erste Mal war in Tel Aviv". Er sei ihm vorgestellt worden, als jemand, der "nah mit der Hafenbehörde [in Hamburg]" zusammenarbeitet. Alon S. soll auch derjenige gewesen sein, der den Kontakt zwischen B. und der Familie Block hergestellt hat.
Es folgt eine zehnminütige Pause.
Update, 10.24 Uhr: Christina Block soll über die Spionage informiert
Nun fragt von der Meden, wer darüber informiert gewesen sei, dass das Haus von Stephan Hensel (51) im dänischen Gråsten ausspioniert wurde. Bis zur Entführung lebte der Ex-Mann von Christina Block dort mit Theo, Klara, seiner neuen Frau Astrid Have sowie der gemeinsamen Tochter. Inzwischen wohnt die Familie in einem neuen, geheimen Ort in Dänemark.
B. erklärt: "Dr. C. und Christina waren informiert. Ich habe ihnen den Plan vorgestellt. Sie waren sich darüber bewusst, dass wir Daten über das Haus und dessen Bewohner sammeln." Die Ergebnisse habe man beiden anschließend im Hauptquartier (in der Kanzlei des Familienanwalts Dr. Andreas C.) und auch im Hotel präsentiert.
Begonnen "mit dem Datensammeln" haben B. und sein Team bereits im Januar 2023 und die "speziellen Geräten" seien mehrfach eingesetzt worden. Vor der Tat in der Silvesternacht seien diese aber nicht mehr aktiv gewesen, betont B.
Update, 10.15 Uhr: Fluchtfahrzeug wurde bewacht
Es werden weitere Fotos gezeigt. David B. erkennt darauf einen seiner Mitarbeiter, der den Penetrationstest im Hotel "Grand Elysée" durchgeführt haben soll. "Über die anderen Sachen weiß er gar nichts", betont B.
Von der Meden fragt, warum dieser Mitarbeiter dann mutmaßlich mit ihm im Wohnmobil gewesen sei – in jener Nacht, in der Theo und Klara entführt worden sein sollen. B. erklärt, er habe Personen gebraucht, die den "Van" bewachen sollten, da er dort persönliche Gegenstände, etwa sein Handy, zurückgelassen habe.
Das Wohnmobil war in der Silvesternacht 2023/24 an der deutsch-dänischen Grenze als Fluchtfahrzeug positioniert gewesen.
Update, 9.57 Uhr: Zeuge spricht von elektronischer Spionage - "Wir wollten in das Netzwerk der Familie Hensel einbrechen"
Von der Meden projiziert ein weiteres Foto an die Wand. Darauf erkennt David B. eine Person namens Martin A., den er vor einigen Jahren in Israel kennengelernt habe. "Er hat uns gelegentlich Dienstleistungen erbracht, etwa Recherchen im Darknet und die Entwicklung von Software", so der Zeuge.
Warum für ein im IT-Bereich tätiges Unternehmen wie "Cyber Cupula" die Unterstützung eines Dritten notwendig gewesen sei, will von der Meden wissen. B. erklärt, Martin A. sei darauf spezialisiert gewesen, "auf die Art und Weise zu hacken, wie russische Hacker vorgehen".
Der Nebenklagevertreter fragt weiter, ob der Zeuge Martin A. auch aus der Zeit kenne, in der dieser "dem israelischen Staat gedient" habe. B. verneint dies ausdrücklich.
"Welche Rolle hat Martin A. denn im Zusammenhang mit ihren Diensten für die Familie Block gespielt?", fragt der Nebenklagevertreter weiter. "In einer sehr frühen Phase, im Januar oder Februar 2023, hat sein Team elektronische Spionage betrieben", so B. Dabei seien zwei Spezialgeräte eingesetzt worden, die es ermöglicht hätten, "von außen" den elektronischen und Internetverkehr aus dem Haus von Herrn Hensel "einzusehen."
"Können Sie das genauer erklären?", hakt von der Meden nach. "Wir wollten in das Netzwerk der Familie Hensel einbrechen, um den gesamten Datenverkehr mitzuhören, der aus dem Haus heraus- oder hineinging", erklärt der Zeuge.
Allerdings seien diese Daten verschlüsselt gewesen und es sei B. und seinem Team nur bei wenigen davon gelungen, diese zu entschlüsseln.
Update, 9.46 Uhr: Nebenklage zeigt Fotos
Nebenklagevertreter Philip von der Meden zeigt direkt zu Beginn seiner Befragung über einen Beamer mehrere Fotos von Personen. Auf dem ersten Bild ist ein Mann mit Mütze und gelber Jacke vor einem geparkten Auto zu erkennen, B. gibt an, diese Person nicht zu kennen.
Ebenso erkennt der Zeuge eine weitere Person und ein schwarzes Auto sowie dessen Kennzeichen nicht.
Jetzt geht es um eine Person namens "Gidy", die mutmaßlich zuvor auf den Fotos zu sehen war. B. gibt an diese nie persönlich getroffen zu haben. Dieser soll von einem anderen Teammitglied "am Anfang der Mission" eingestellt worden sein, "um Informationen zu sammeln".
Update, 9.41 Uhr: Prozess beginnt
Inzwischen sind alle anwesend und der 36. Verhandlungstag beginnt mit der weiteren Zeugenvernehmung von David B. (68). Das Fragerecht hat jetzt die Nebenklage.
Update, 9.31 Uhr: Christina Block und Gerhard Delling kommen zu spät
Trotz des regulären Prozessbeginns um 9.30 Uhr sind noch mehrere Prozessbeteiligte nicht im Saal, darunter auch Christina Block (52), ihr Lebensgefährte Gerhard Delling (66) sowie ihre Anwälte.
Update, 9.11 Uhr: Bänke nur spärlich besetzt
Der angesetzte Kurztermin hat offenbar viele davon abgehalten, sich heute auf den Weg ins Gericht zu machen. Sowohl auf der Presse- als auch auf der Zuschauerseite sind die Bänke nur spärlich besetzt. Trotz zusätzlicher Sicherheitskontrollen wegen der Aussage von David B. bilden sich vor Saal 237 keine Warteschlangen.
Update, 9 Uhr: So geht es am Freitag weiter
Der 36. Verhandlungstag wird als halber Prozesstag (geplant bis 12 Uhr) fortgesetzt. Anschließend geht das Verfahren urlaubsbedingt in eine dreiwöchige Pause. Offiziell sind keine weiteren Zeugen angekündigt, es wird jedoch davon ausgegangen, dass die Befragung von David B. fortgesetzt wird.
Der 68-Jährige, der als mutmaßlicher Chef der Entführer gilt und per internationalem Haftbefehl gesucht worden war, war bereits am Dienstag weiter vernommen worden (s. Recap). Die Kammer und die Staatsanwaltschaft haben ihre Fragen inzwischen abgeschlossen. Nun erhalten noch die Nebenklage sowie die Verteidiger Gelegenheit, David B. zu befragen.
Ob die Zeugenvernehmung damit nach insgesamt sieben Prozesstagen beendet sein wird, bleibt abzuwarten. David B. hatte sich im November 2025 freiwillig bei der Staatsanwaltschaft Hamburg gemeldet und dort bereits umfassend ausgesagt.
Update, 8.50 Uhr: Recap von Dienstag
Im Mittelpunkt von David Bs. Befragung am 35. Verhandlungstag stand die Frage, warum sich der 68-Jährige im November 2025 den deutschen Behörden gestellt hat.
B. erklärte, er sei nach Deutschland gekommen, um seine Sicht der Ereignisse darzulegen. Er habe darauf vertraut, dass Christina Block und der angeklagte Familienanwalt Dr. Andreas C. die Wahrheit sagen würden. Als er jedoch aus Medienberichten erfahren habe, dass ihm eigenständiges Handeln oder eine Anweisung durch Christina Blocks Mutter Christa Block (†) vorgeworfen werde, habe er sich zur Rückkehr entschlossen.
Bereits Mitte 2024 habe er von Ermittlungen gegen sich erfahren und erkannt, dass die rechtlichen Ratschläge von Christina Block und insbesondere von Dr. C. falsch gewesen seien. Dennoch habe er - auch auf Raten seiner Anwälte - zunächst abgewartet. Nach seiner Rückkehr nach Israel habe er angesichts des dortigen Krieges "eh erst einmal andere Sorgen gehabt".
Zu seiner überstürzten Ausreise nach der Entführung der jüngsten Block-Kinder am 1. Januar 2024 sagte B., man sei davon ausgegangen, nach der Rückkehr der Kinder sei die Angelegenheit erledigt. Erst später habe er verstanden, "dass die Kinder als entführt angesehen werden". Aus Schock darüber habe er seinem Team geraten, Deutschland umgehend zu verlassen.
Titelfoto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa