Chef-Entführer im Block-Prozess: "Er sagt nicht die Wahrheit"

Hamburg - Am Freitag wurde der Prozess wegen Kindesentführung gegen die Unternehmerin Christina Block (52) mit einem Kurztermin fortgesetzt. Der mutmaßliche Chef-Entführer David B. (68) sagte erneut als Zeuge aus. TAG24 war vor Ort und berichtete in einem Liveblog.

Christina Block (52) mit ihrem Anwalt Ingo Bott (42) am 36. Verhandlungstag.  © Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

Nach rund zwei Stunden war der 36. Verhandlungstag auch schon wieder vorbei. David B. wird erneut aus Israel nach Deutschland anreisen müssen, um seine Aussage vor dem Hamburger Landgericht fortzusetzen.

An seinem inzwischen achten Tag im Zeugenstand räumte B. ein, "elektronische Spionage" betrieben beziehungsweise beauftragt zu haben.

Zuständig sei eine Person namens Martin A. gewesen, der sich mit der "Art und Weise russischer Hacker" auskenne und das Haus der Familie Hensel teilweise rund um die Uhr in Dänemark überwacht haben soll. Mehr als "Teile von Passwörtern" habe man jedoch nicht entschlüsseln können.

Block-Prozess Chef-Entführer im Block-Prozess: "Ich habe darauf gewartet, dass Christina die Wahrheit sagt"

Deutlich empört äußerte sich B. zudem über den Zeugen Alon S., der bereits im Oktober 2025 ausgesagt hatte. Dieser hatte unter anderem angegeben, mit der Entführung nichts zu tun zu haben und B. einmal zufällig in Berlin getroffen zu haben, nachdem er dessen Kontakt über einen weiteren Mittelsmann an den Familienanwalt Dr. Andreas C. weitergeben habe.

David B. widersprach dieser Darstellung: "Ich weiß, dass er nicht die Wahrheit sagt. Ich habe ihn nicht zum ersten Mal in Berlin getroffen und das Treffen war auch nicht zufällig, sondern geplant. Ich habe ihn zuvor mehrfach getroffen und das erste Mal war in Tel Aviv". Er sei ihm vorgestellt worden, als jemand, der "nah mit der Hafenbehörde [in Hamburg]" zusammenarbeitet.

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Update, 11.59 Uhr: 36. Verhandlungstag ist zu Ende

Auch nach dem insgesamt achten Tag seiner Zeugenaussage ist die Befragung von David B. noch nicht abgeschlossen. Aufgrund des für heute angesetzten Kurztermins konnte die Nebenklage ihre Fragen nicht beenden. Von der Meden kündigte an, noch zu "zwei weiteren Themenkomplexen" Fragen stellen zu wollen.

Anschließend erhalten noch alle Verteidiger Gelegenheit zur Befragung.

Der Prozess geht nun in eine dreiwöchige Pause und wird am 2. März um 13 Uhr fortgesetzt.

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Update, 11.45 Uhr: Der Zeuge wollte die Polizei informieren

Die Befragung geht weiter. Philip von der Meden kommt erneut auf den mutmaßlichen "Spion" Martin A. zu sprechen. "War er derjenige, der Ihnen das kinderpornografische Material zukommen ließ?", fragt von der Meden. Dieses wurde 2023 in einem Tauchsack auf dem Grundstück von Stephan Hensel gefunden.

David B. antwortet: "Seine Firma hat es uns geschickt, ja. Er hat dafür kein Geld erhalten." Man habe einen Verdacht im Zusammenhang mit bestimmten Namen gehabt und Martin A. gebeten, diesen zu überprüfen. Dafür habe dieser wiederum einen "russischen Hacker" beauftragt. Er selbst habe vorgeschlagen, das Material an die Polizei zu übergeben.

"Ich habe meinen richtigen Namen und meine Telefonnummer angegeben, aber niemand hat sich gemeldet", so B.

Auslöser des Verdachts sei ein Gespräch "mit dem Freund von Christina" gewesen. Demnach soll Gerhard Delling (66) den Verdacht erstmals geäußert haben. Auf die Nachfrage von der Meden, was Delling konkret gesagt habe, erklärt David B., er könne sich an die Details nicht mehr erinnern.

Von der Meden fragt weiter, warum man damals nicht sofort die Kinder zu sich geholt habe, wenn der Verdacht eines pädophilen Vaters im Raum gestanden habe. B. entgegnet: "Ich habe nicht selbst entschieden, was eine wesentliche Gefahr für die Kinder darstellt."

Update, 11.37 Uhr: Nebenklagevertreter glaubt dem Zeugenbeistand

Nach der kurzen Pause fragt von der Meden nicht weiter zu David Bs. Kontakten zum israelischen Staat. Er glaube dem Zeugenbeistand, dass die Sicherheitsmaßnahmen nichts mit dem Fall zu tun haben.

Update, 11.25 Uhr: Warum wird der Zeuge von LKA-Beamten bewacht?

Von der Meden erkundigt sich nach dem Kontaktmann, der David B. dem Zeugen Alon S. empfohlen haben soll. Alon S. hatte in seiner Aussage die Nennung des Namens verweigert und erklärt, diese Person bewege sich "in hohen Sicherheitskreisen".

"Hat diese Person Ihrer Kenntnis nach noch eine hohe Stellung im israelischen Sicherheitsapparat?", fragt von der Meden den Zeugen. David B. antwortet, er wisse lediglich, dass der Mann Eigentümer einer Firma sei, die Daten sammle. Dieser habe ihn angerufen und gefragt, ob er seine Telefonnummer an Alon S. weitergeben dürfe. Seitdem habe es keinen weiteren Kontakt gegeben.

Zudem betont B., es sei ihm nicht erlaubt, über Personen zu sprechen, "die derzeit im israelischen Staat dienen".

Auf die Frage von der Meden, ob er als ehemaliger Mossad-Agent noch Kontakte zum israelischen Sicherheitsapparat habe, folgt eine Diskussion über die Zulässigkeit der Frage. Von der Meden erklärt offen, worauf diese abziele: "Die Tatsache, dass Sie hier von LKA-Beamten bewacht werden, wirft die Frage auf, ob möglicherweise eine Gefährdungssituation besteht und ob hier sehr gefährliche Personen unterwegs sind", so der Nebenklagevertreter. Sein Mandant habe diesbezüglich Sorge.

Die Vorsitzende Richterin entgegnet: "Ich kann Sie da beruhigen: Sie sehen Gespenster." Das Sicherheitsgeleit von David B. habe "hiermit nichts zu tun".

Von der Meden bittet schließlich um eine Pause, um sich mit dem Zeugenbeistand von David B. zu beraten.

Update, 11.04 Uhr: Das Haus von Stephen Hensel wurde 24/7 überwacht

"Wer hat zum ersten Mal kommuniziert, dass von Stephan Hensel eine Gefahr ausgeht?", will von der Meden nach der Pause wissen. Christina Block hatte in ihrer Einlassung ausgesagt, dass David B. der Erste gewesen sei.

Nachdem B. zuerst sagt, dass "das stimmt", sagt er wenige Minuten Später "Christina war die Erste, das war ja auch Teil der Eskalalation", so der Zeuge, der schon zuvor gesagt hatte, dass die Unternehmerin Angst davor gehabt haben soll, dass "der Vater einfach mit ihren Kindern verschwindet und sie sie nie wieder sehen wird".

"Basiert Ihre Annahme, dass von Herrn Hensel eine Gefahr ausgeht, allein auf den Aussagen von Frau Block?", fragt der Nebenklagevertreter. "Nein, auch auf der Basis auf dem, was die IT-Leute der Block-Gruppe uns im Hotel erzählt hat", so der Zeuge. Diese hätten von einem gewaltigen Mann gesprochen, der sauer über seine Kündigung gewesen sei. Hensel hatte während seiner Ehe mit Christina Block auch für die Block-Gruppe gearbeitet.

"Haben sie ihn den selbst einmal aufbrausend oder gewalttätig erlebt?", fragt von der Meden nach. "Nein, ich habe ihn nie gewalttätig erlebt. Einmal habe ich ihn mit den Kindern Fahrrad fahren gesehen, das wirkte normal".

Beunruhigt habe ihn und sein Team, dass die Kinder wenig soziale Kontakte hätten und "nicht oft draußen waren". "Woher wissen Sie das denn? Haben Sie das Haus rund um die Uhr überwacht?", fragt der Nebenklagevertreter.

"Nicht immer, aber für einen langen Zeitraum", so der Zeuge.

Update, 10.45 Uhr: "Alon S. sagt nicht die Wahrheit"

Jetzt fragt von der Meden, ob es sein kann, dass neben "Cyper Cupula" noch andere Firmen mit der Spionage der Familie Hensel beauftragt worden sind.

"Ich bin selbst zu dem Schluss gekommen, das es sein kann, dass auch andere Firmen involviert hätten sein können", so B. Diesen Rückschluss habe er aus einem Telefonat mit dem Zeugen Alon S. geschlossen, wie er bereits am Dienstag ausgesagt hatte. Demnach soll dieser ihn und sein Team gebeten haben, "aufzuhören".

Auf Nachfrage Bs. soll diese Bitte "von einer hohen Person" gekommen sein. Daraus habe David B. für sich selbst geschlossen, "dass jemand anderes aus der Familie Block vielleicht noch wen anders beauftragt hat".

Von der Meden: "Wissen Sie, dass Alon S. hier bereits als Zeuge ausgesagt hat?"

B.: "Ja, ich weiß es aus den News."

Von der Meden: "Was wissen Sie?"

B.: "Ich weiß, dass er nicht die Wahrheit sagt. Ich habe ihn nicht zum ersten Mal in Berlin getroffen und das Treffen war auch nicht zufällig. Ich habe ihn zuvor mehrfach getroffen und das erste Mal war in Tel Aviv". Er sei ihm vorgestellt worden, als jemand, der "nah mit der Hafenbehörde [in Hamburg]" zusammenarbeitet. Alon S. soll auch derjenige gewesen sein, der den Kontakt zwischen B. und der Familie Block hergestellt hat.

Es folgt eine zehnminütige Pause.

Update, 10.24 Uhr: Christina Block soll über die Spionage informiert

Nun fragt von der Meden, wer darüber informiert gewesen sei, dass das Haus von Stephan Hensel (51) im dänischen Gråsten ausspioniert wurde. Bis zur Entführung lebte der Ex-Mann von Christina Block dort mit Theo, Klara, seiner neuen Frau Astrid Have sowie der gemeinsamen Tochter. Inzwischen wohnt die Familie in einem neuen, geheimen Ort in Dänemark.

B. erklärt: "Dr. C. und Christina waren informiert. Ich habe ihnen den Plan vorgestellt. Sie waren sich darüber bewusst, dass wir Daten über das Haus und dessen Bewohner sammeln." Die Ergebnisse habe man beiden anschließend im Hauptquartier (in der Kanzlei des Familienanwalts Dr. Andreas C.) und auch im Hotel präsentiert.

Begonnen "mit dem Datensammeln" haben B. und sein Team bereits im Januar 2023 und die "speziellen Geräten" seien mehrfach eingesetzt worden. Vor der Tat in der Silvesternacht seien diese aber nicht mehr aktiv gewesen, betont B.

Nebenkläger und Ex-Mann von Christina Block, Stephan Hensel (51, r.) mit seinem Anwalt Philip von der Meden.  © Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

Update, 10.15 Uhr: Fluchtfahrzeug wurde bewacht

Es werden weitere Fotos gezeigt. David B. erkennt darauf einen seiner Mitarbeiter, der den Penetrationstest im Hotel "Grand Elysée" durchgeführt haben soll. "Über die anderen Sachen weiß er gar nichts", betont B.

Von der Meden fragt, warum dieser Mitarbeiter dann mutmaßlich mit ihm im Wohnmobil gewesen sei – in jener Nacht, in der Theo und Klara entführt worden sein sollen. B. erklärt, er habe Personen gebraucht, die den "Van" bewachen sollten, da er dort persönliche Gegenstände, etwa sein Handy, zurückgelassen habe.

Das Wohnmobil war in der Silvesternacht 2023/24 an der deutsch-dänischen Grenze als Fluchtfahrzeug positioniert gewesen.

Update, 9.57 Uhr: Zeuge spricht von elektronischer Spionage - "Wir wollten in das Netzwerk der Familie Hensel einbrechen"

Von der Meden projiziert ein weiteres Foto an die Wand. Darauf erkennt David B. eine Person namens Martin A., den er vor einigen Jahren in Israel kennengelernt habe. "Er hat uns gelegentlich Dienstleistungen erbracht, etwa Recherchen im Darknet und die Entwicklung von Software", so der Zeuge.

Warum für ein im IT-Bereich tätiges Unternehmen wie "Cyber Cupula" die Unterstützung eines Dritten notwendig gewesen sei, will von der Meden wissen. B. erklärt, Martin A. sei darauf spezialisiert gewesen, "auf die Art und Weise zu hacken, wie russische Hacker vorgehen".

Der Nebenklagevertreter fragt weiter, ob der Zeuge Martin A. auch aus der Zeit kenne, in der dieser "dem israelischen Staat gedient" habe. B. verneint dies ausdrücklich.

"Welche Rolle hat Martin A. denn im Zusammenhang mit ihren Diensten für die Familie Block gespielt?", fragt der Nebenklagevertreter weiter. "In einer sehr frühen Phase, im Januar oder Februar 2023, hat sein Team elektronische Spionage betrieben", so B. Dabei seien zwei Spezialgeräte eingesetzt worden, die es ermöglicht hätten, "von außen" den elektronischen und Internetverkehr aus dem Haus von Herrn Hensel "einzusehen."

"Können Sie das genauer erklären?", hakt von der Meden nach. "Wir wollten in das Netzwerk der Familie Hensel einbrechen, um den gesamten Datenverkehr mitzuhören, der aus dem Haus heraus- oder hineinging", erklärt der Zeuge.

Allerdings seien diese Daten verschlüsselt gewesen und es sei B. und seinem Team nur bei wenigen davon gelungen, diese zu entschlüsseln.

Update, 9.46 Uhr: Nebenklage zeigt Fotos

Nebenklagevertreter Philip von der Meden zeigt direkt zu Beginn seiner Befragung über einen Beamer mehrere Fotos von Personen. Auf dem ersten Bild ist ein Mann mit Mütze und gelber Jacke vor einem geparkten Auto zu erkennen, B. gibt an, diese Person nicht zu kennen.

Ebenso erkennt der Zeuge eine weitere Person und ein schwarzes Auto sowie dessen Kennzeichen nicht.

Jetzt geht es um eine Person namens "Gidy", die mutmaßlich zuvor auf den Fotos zu sehen war. B. gibt an diese nie persönlich getroffen zu haben. Dieser soll von einem anderen Teammitglied "am Anfang der Mission" eingestellt worden sein, "um Informationen zu sammeln".

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