Entführer-Anwältin geht Block-Anwalt im Prozess an: "Offensichtlich brauchen Sie da Hilfe"

Hamburg - Am 47. Verhandlungstag im Kindesentführungs-Prozess gegen Christina Block (52) wird die Befragung eines mutmaßlichen Entführers fortgesetzt. Der 35-jährige B. hat nach eigenen Angaben eines der Fluchtautos am 31. Dezember 2023 gefahren. TAG24 ist vor Ort und berichtet in einem Liveticker.

Christina Block (52) wird vorgeworfen, die Entführung ihrer beiden Kinder in Auftrag gegeben zu haben.  © Christian Charisius/dpa-Pool/dpa

11.52 Uhr: Mittagspause

Es folgt die obligatorische Mittagspause bis 13 Uhr.

Zuvor wollte Rieks wissen, wie genau es zu der Vernehmung des Zeugen in Deutschland durch die Hamburger Staatsanwaltschaft gekommen sei. Die Anwältin des Zeugen griff ein und erklärte, sie sehe keinen Zusammenhang mit dem, was hier verhandelt werde.

Die Richterin entgegnete, es sei durchaus wichtig zu klären, welche Versprechungen gegebenenfalls gemacht worden seien.

Bekannt ist, dass Said B. – ebenso wie der Zeuge K., Keren T. und David B. – sicheres Geleit zugesichert bekommen hat.

11.40 Uhr: Waren die Entführer "alle voll vermummt"?

Rieks konfrontiert den Zeugen mit einer Aussage von der jüngsten Tochter von Frau Block, Klara, wonach bei der Abreise von dem Hof in Süddeutschland "vor jeder einzelnen Tür einer dieser Männer stand, die uns anstarrten, damit wir nicht irgendeinen Scheiß machen […] und alle voll vermummt".

Der Zeuge entgegnet: "Das kann sein, aber ich war nicht im Haus." Er selbst sei nicht vermummt gewesen. David B. habe zuvor jedoch eigentlich gesagt, keiner solle vermummt sein, "damit die Kinder keine Angst bekommen".

11.31 Uhr: Was war der ursprüngliche Plan?

Jetzt liegt das Fragerecht bei David Rieks, dem Anwalt von Gerhard Delling (66). Dieser fragt, was denn der ursprüngliche Plan gewesen sei, wenn es nicht vorgesehen war, nach Stuttgart zu reisen.

Der Zeuge hatte zuvor angegeben, er sei unmittelbar nach der Entführung zurück ins "Grand Elysée" nach Hamburg gefahren und sei am nächsten Tag aufgefordert worden, mit dem Zug nach Süddeutschland zu fahren.

Er erklärt weiter, ursprünglich hätten "alle zurück ins Hotel und kurz darauf alle zurück nach Israel fliegen sollen", so habe es David B. kommuniziert.

11.24 Uhr: Waren Sie zufrieden?

Böttner fragt den Zeugen, ob er nach der Tat zufrieden gewesen sei. Der Zeuge antwortet, das sei schwer zu beantworten. Ihm sei bereits an der dänischen Grenze in der Silvesternacht 2023/24 klar gewesen, dass die Aktion "illegal" gewesen sei.

"Was war der Anlass dafür?", fragt Böttner. Der Zeuge erklärt, die Reihenfolge der Ereignisse – als die Polizei begonnen habe zu suchen – habe im Widerspruch zu dem gestanden, was David B. ihnen gezeigt habe: ein Dokument (Gerichtsurteil), dem zufolge alles "legal und in Ordnung" sei.

Er ergänzt jedoch: "Ich war mit dem Ergebnis zufrieden, weil die Kinder bei der Mutter waren und dafür waren wir da."

11.13 Uhr: Stephan Hensel als "sehr starker Mensch" bezeichnet

Böttner fragt, durch welche Autoscheibe der Zeuge das Geschehen in der Silvesternacht 2023/24 gesehen habe – die linke und die Frontscheibe – und ob bei dem "Geschehen auf dem Boden" (mutmaßlich die Überwältigung des Vaters Stephan Hensel) Lichtquellen in der Nähe gewesen seien – "Ja, da war Licht, aber ich weiß nicht, woher es kam."

Der Verteidiger fragt weiter, ob die Ereignisse der Silvesternacht vor seinen Aussagen bereits mit jemandem besprochen worden seien. Der Zeuge antwortet: "Ja, in Israel saß das ganze Team zusammen."

Von diesem Treffen habe er vor allem im Kopf behalten, dass unter anderem das Ex-GNTM-Model Jonathan C. gesagt habe, der Vater sei "ein sehr starker Mensch" und man habe drei Leute gebraucht, um diesen zu überwältigen: "Das war wohl nicht so leicht."

11.07 Uhr: Alle warten auf den Anwalt des Angeklagten Tal S.

Jetzt fehlt "nur" noch Dr. Sascha Böttner, der Verteidiger des in Untersuchungshaft sitzenden Tal S. (36). Die Richterin: "Wir warten schon seit sieben Minuten, das war doch eine klare Ansage."

Böttner hat nach Ingo Bott jetzt das Fragerecht.

11.01 Uhr: Richterin über nicht eingehaltene Pause aufgebracht

Die Pause ist vorbei, doch die Kammer ist bis jetzt noch alleine im Saal – alle Angeklagten und einige Anwälte sind noch nicht wieder auf ihren Plätzen.

"Es ist schon nach elf, ich hatte gesagt bis elf ist Pause!", sagt die Richterin aufgebracht, nachdem die angeklagte Block-Cousine angemerkt hatte, niemand habe gewusst, dass es weitergeht.

10.50 Uhr: Hatte der Zeuge vor seiner Aussage Kontakt zu David B.?

Bott fragt den Zeugen, ob er bei der Polizei angegeben habe, dass Frau Block bei dem mutmaßlichen Treffen im "Grand Elysée"-Hotel Ende Dezember 2023 eine Tasche mit "einem Schal und Spielzeug" mitgebracht habe. Der Zeuge bejaht.

Anschließend will Bott ihm vorhalten, dass er dies bei der Polizei nicht so geschildert habe: "Kommt da eine Erinnerung?"

Die Richterin bezeichnet die Frage als "schwierig". Auch die Anwältin von B. schaltet sich erneut ein und betont, die Dolmetscherübersetzung bei der Polizei sei "nicht optimal" gewesen – "vielleicht fehlt da auch was".

Bott fragt weiter, ob der Zeuge vor der gerichtlichen Vernehmung Kontakt zu David B. gehabt habe. Der Zeuge antwortet knapp: "Nein".

Bott hat "vorläufig" keine Fragen mehr und bittet um eine Pause.

10.36 Uhr: Richterin - "Das kann doch jeder Mensch sehen, dass er keinen Schal trägt"

Bott zeigt weitere Fotos - diesmal aus der Ermittlungsakte.

Dabei handelt es sich um Bilder der Überwachungskamera aus dem "Grand Elysée"-Hotel. Bei jedem einzelnen Bild fragt Bott den Zeugen: "Tragen Sie hier einen Schal?"

Die Richterin greift sichtlich aufgebracht ein: "Das kann doch jeder Mensch sehen, dass er keinen Schal trägt. Dafür müssen wir nicht die nächsten 30 Bilder anschauen!" – und verweist dabei auch auf die unnötige Zeit dafür.

Bott setzt seine Befragung dennoch unbeirrt fort. Der Zeuge hatte am Vortag von einem Schal berichtet, den er auf Reisen stets dabeihabe und mit dem er auf Anweisung des mutmaßlichen Chef-Entführers David B. (68) vermummt gewesen sein soll. Bei der eigentlichen Entführung habe er ihn eigenen Angaben zufolge "aufgrund der Kälte" getragen.

Der Zeuge Said B. (35) am 47. Verhandlungstag. Im Hintergrund seine deutsche Anwältin. In der Hand hält er den schon viel besprochenen Schal.  © Marcus Brandt/dpa

10.14 Uhr: Diskussion nach Diskussion – "Offensichtlich brauchen Sie da Hilfe"

Der Block-Verteidiger hakt weiter nach mutmaßlichen Aussagen des Zeugen K., der bislang noch nicht vor Gericht ausgesagt hat – unter anderem im Rahmen eines Podcasts. Die Richterin beanstandet die Frage, woraufhin auch der Anwalt der Cousine von Block, Reinhard Daum, seinem Kollegen zur Hilfe eilt.

Sichtlich genervt kommentiert die Richterin: "Vielleicht können Sie mit der Formulierungshilfe von Herrn Daum weitermachen!"

Bott versucht es erneut und möchte dem Zeugen ein Dokument auf Englisch vorhalten. Die Richterin unterbricht entschieden: "Die Gerichtssprache ist Deutsch! Der Vorhalt wird zurückgewiesen!"

Die Anwältin des Zeugen beanstandet daraufhin die gesamte Befragung durch Ingo Bott. Die Richterin räumt zwar ein, dass dieser in der "falschen Reihenfolge" fragte, hält seine Fragen aber grundsätzlich für zulässig. Die Anwältin möchte das erst nach Erinnerungen gefragt und dann erst gegebenenfalls etwas vorgehalten wird, und direkt an Bott: "Offensichtlich brauchen Sie da Hilfe – auch aus den anderen Reihen!"

Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt unterbricht Block-Anwalt Ingo Bott mehrfach.  © Christian Charisius/dpa-Pool/dpa

10 Uhr: Block-Anwalt hält dem Zeugen ein Foto aus einem BILD-Artikel vor

Ingo Bott hält dem Zeugen ein Foto aus dem gestrigen Liveticker der BILD vor. Darauf zu sehen: eine Tür, die zu der Wohnung gehören soll, in der sich Teile der später mutmaßlich Entführten erstmals getroffen haben sollen. Laut dem Zeugen soll sie den Eltern von Keren T. gehören – der rechten Hand des mutmaßlichen Chef-Entführers David B.

Die Richterin: "Wollen Sie jetzt wirklich ein Foto eines BILD-Artikels einführen?"

Bott: "Ja."

Richterin: "Aha."

Außerdem befragt Bott den Zeugen zu einem weiteren Foto aus dem Artikel, das seinen Anwalt im Gespräch mit einem Reporter zeigt. Bott will wissen, worum es in diesem Gespräch ging. Die Anwältin des Zeugen beanstandet die Frage erneut.

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