Hamburg - Am 61. Verhandlungstag im Kindesentführungsprozess gegen Christina Block (53) wird am Dienstag erneut der Israeli K. per Video als Zeuge vernommen. TAG24 ist vor Ort und berichtet im Liveblog.
12 Uhr: Mittagspause
Ingo Bott hat keine Fragen mehr. Es folgt die obligatorische Mittagspause bis 13.05 Uhr.
11.50 Uhr: Hat der Zeuge Frau Block "wunderschön" und "Prinzessin" genannt?
Nach der Pause fragt Bott: "Erinnern Sie sich, bei Channel 12 im israelischen Fernsehen gesagt zu haben, dass Sie zu Frau Block gesagt haben, sie sei 'wunderschön wie eine Prinzessin'?"
Der deutsche Zeugenbeistand weist die Frage als zu kompliziert zurück: "Sie überfordern den Zeugen, und es besteht die Gefahr, dass er die Frage unbeabsichtigt falsch beantwortet. Fragen Sie den Zeugen doch nicht danach, was Sie in der Zeitung gelesen haben, sondern danach, was er selbst gemacht hat."
Bott besteht weiter auf seiner Frage: "Haben Sie das auch zu Frau Block persönlich gesagt?", so der Block. "Ja, beim letzten Termin habe ich gesagt, dass sie aussieht wie eine Prinzessin", so der Zeuge.
Bott geht auf weitere Punkte aus dem Channel-12-Interview von 2025 ein. Wieder greift der deutsche Zeugenbeistand ein:
"Sie werfen hier mit einer von einer KI übersetzten Fassung Dinge vor."
Die Richterin pflichtet ihm bei und fragt nach einer beglaubigten Übersetzung. Diese hat Bott nicht vorgelegt. Ohne eine solche sei der Vorhalt nicht nachvollziehbar.
11.37 Uhr: Pause
Während Bott den Zeugen zu möglichen Kontakten zu deutschen und israelischen Journalisten befragt, unterhalten sich die Verteidiger Gül Pinar, Anwältin des angeklagten Sicherheitsunternehmers, und Dr. Marko Voß, Verteidiger des Familienanwalts der Blocks, Dr. Andreas C.
"Brauchen Sie eine Pause, um sich zu besprechen?", fragt die Vorsitzende.
"Das wäre tatsächlich sehr gut", antwortet Pinar.
11.20 Uhr: Zeuge fühlt sich "verarscht"
Bott fragt den Zeugen, ob er sich von David B. "verarscht" gefühlt habe. Dies hatte K. laut Übersetzung bei der Polizei ausgesagt, ebenso, dass B. habe ihn bewusst ausgewählt habe, weil er und die anderen im Team "leicht zu verführen" seien.
"Heute sage ich ganz klar: Er hat mich ausgenutzt", so K.
"Wusste B. auch von ihrer familiären Situation? Zum Beispiel, dass Sie ihr Umgangsrecht mit ihrem Sohn nicht ausführen dürfen?", will Bott weiter wissen. Ks. Anwalt greift ein und weist die Frage als "zu privat" zurück. Die Richterin stimmt ihm zu.
Der Zeuge bestätigt jedoch, dass David B. seine "schwierigen" familiären Umstände rund um die Scheidung mit der Mutter seines Kindes kannte: "Er ist ein Mensch, der andere Menschen lesen kann. Mich hat er auch gelesen und er hat Bingo getroffen."
11.08 Uhr: "Das habe ich nie gesagt!"
Bott will nun wissen, woran der Zeuge festgemacht habe, dass David B. Christina Block Worte "in den Mund gelegt" habe. So hatte K. es zumindest laut Übersetzung gestern ausgesagt.
"Das habe ich nie gesagt", so der Zeuge. Laut seinem deutschen Zeugenstand, der physisch im Sitzungssaal anwesend ist, gibt es die Redewendung "in den Mund gelegt" im Hebräischen nicht. E bittet Bott, die Frage umzuformulieren, doch auch nach mehreren Versuchen versteht K. sie nicht.
"Ich weiß nichts über die Gefühle anderer Leute!"
10.55 Uhr: Mutmaßlicher Entführer berichtet von Spa-Besuchen
Bott fragt auch nach dem mutmaßlichen Treffen im Hotel mit Frau Block kurz vor der Entführung. Der Block-Verteidiger bestreitet bis heute, dass ein solches Treffen überhaupt stattgefunden haben könne.
"Wer saß denn neben Ihnen?" – "Ich kann mich nicht mehr erinnern."
"War es draußen hell oder dunkel?" – "Es war Abend, und der Raum war dunkel. Ich kann mich nicht daran erinnern."
"Hat Ihnen jemand gesagt, dass Sie auch im Hotel maskiert herumlaufen sollen, wie bei dem Treffen?" – "Nein."
"Sind Sie im Bademantel im Hotel herumgelaufen?" – "Das kann sein. Ich war im Spa und war sehr frei im Hotel."
10.46 Uhr: Es geht weiter
Ingo Bott beginnt seine Befragung mit der Klärung eines aus seiner Sicht bestehenden Widerspruchs: Bei der Polizei soll der Zeuge angegeben haben, er kenne die Akte des Verfahrens. Gestern hingegen hatte er erklärt, er kenne nur wenige Details des Falls aus den Medien.
Auf Nachfrage von Bott wiederholt der Zeuge, er kenne die Akte nicht. "Es kann durchaus sein, dass die Übersetzung dort [bei der Polizei] nicht gut war. Ich bin hier, um die Wahrheit zu sagen", betont K.
10.30 Uhr: Kurze Pause
Bevor Block-Verteidiger Ingo Bott von seinem Fragerecht Gebrauch macht, fragt die Richterin, ob jemand eine kurze Pause braucht. Der Zeuge bejaht.
10.20 Uhr: "Ich habe gedacht, ich bin hier wie bei einer Mossad-Operation"
Während der Befragung durch die Nebenklagevertreterin von Theo und Klara Hensel, weicht K. Fragen zum Zustand der Kinder aus und betont: "Ich war nicht der Kommandeur der Rettungsaktion, deshalb kann ich nicht mehr sagen."
Zuvor hatte die Anwältin deutlich gemacht, dass sie nicht nachvollziehen könne, wie der Zeuge von den Kindern so wenig mitbekommen haben wolle. "Während der Fahrt verstehe ich das ja noch. Aber als Sie im Wald angehalten, geparkt haben, müssten Sie doch wahrgenommen haben, was mit den Kindern war. Welche Gedanken sind Ihnen dabei durch den Kopf gegangen?", fragt sie.
"Ich stand unter großem Stress und konnte mich nicht konzentrieren. Ich habe gedacht, ich bin hier wie bei einer Mossad-Operation und muss machen, was der Typ [David B.] sagt". Zwar habe er keine Nachfragen gestellt, er habe aber nicht verstanden, warum er nicht einfach gemeinsam mit den Kindern über die Grenze fahren konnte.
10.12 Uhr: Was hat Frau Block den Entführern erzählt?
Die Sachverständige ist mit ihrer Befragung fertig, nun ist der Nebenklagevertreter von Stephan Hensel (52) an der Reihe. Der Ex-Mann von Christina Block und Vater der beiden Kinder ist heute nicht anwesend, als Nebenkläger muss er nicht bei allen Prozesstagen dabei sein.
Der Nebenklagevertreter bittet den Zeugen, noch einmal "ganz im Detail" zu schildern, was Christina Block bei dem Treffen im Hotel erzählt haben soll. Zunächst versteht der Zeuge die Frage offenbar nicht und berichtet stattdessen, David B. habe Block als sehr vermögend und als Mitglied einer „reichen Familie“ vorgestellt.
"Aber was hat Frau Block erzählt?", hakt der Nebenklagevertreter nach.
"Nur Israelis können meine Kinder zurückbringen", antwortet der Zeuge knapp.
"Mehr nicht?"
"Sie hat uns gedankt und alles", sagt K. weiterhin eher wortkarg.
Der Nebenklagevertreter versucht, der Erinnerung des Zeugen weiter auf die Sprünge zu helfen: "Hat sie Ihnen gesagt, wie es den Kindern in Dänemark geht?"
"Ich kann mich nicht daran erinnern. Vielleicht wurde gesagt, dass ihr Großvater krank sei und die Kinder ihn schon lange nicht mehr gesehen hätten", antwortet K.
10.05 Uhr: Wie haben sich die Block-Kinder im Fluchtauto verhalten?
Die Staatsanwaltschaft hat keine weiteren Fragen. Anschließend erhält – ausnahmsweise vor der Nebenklage – die Sachverständige das Wort, da sie den Sitzungssaal früher verlassen muss.
Sie erkundigt sich nach den genauen Abläufen im und am Fluchtfahrzeug. Wurden die Kinder mit Gewalt ins Auto gesetzt? "Ich kann mir vorstellen, dass dabei Kraft im Spiel war, gesehen habe ich das aber nicht", so der Zeuge.
Ansonsten wiederholt K. seine bisherigen Aussagen: David B. habe die Kinder angeschrien und ihnen gesagt, sie sollten ruhig bleiben, sie würden jetzt zu ihrer Mutter gebracht. Beim Aussteigen hätten die Kinder geschrien und auch geweint, sollen aber "normal" ausgestiegen sein.
9.55 Uhr: Schwierigkeiten bei dem Begriff "Sturmhaube"
Die Staatsanwaltschaft hakt mehrfach zur Maskierung nach, sowohl in Bezug auf das mutmaßliche Treffen mit Christian Block im Grand Elysée Hotel kurz vor der Silvesternacht 2023/24 als auch bei der eigentlichen Entführung.
Bei dem Treffen seien die Beteiligten vom mutmaßlichen Kopf des Entführerteams, David B., kurz vor dem Erscheinen der Steakhouse-Erbin aufgefordert worden, sich zu maskieren.
Es habe sich um eine Gesichtsbedeckung gehandelt, bei der nur die Augen zu sehen gewesen seien. "Wissen Sie, was eine Sturmhaube ist?", fragt der Staatsanwalt. Doch der Dolmetscher kennt den Begriff offenbar nicht, weshalb sich die Übersetzung als schwierig erweist.
Bei der eigentlichen Entführung habe K. einen Schlauchschal getragen, der ihm zur Verfügung gestellt worden sei. "Der lag in einer Tüte in meinem Zimmer", berichtet der Zeuge. Ob es dieselbe Maskierung wie beim Treffen war? "Kann sein!"
9.45 Uhr: Wurde tatsächlich nicht darüber gesprochen, wie eine Rückführung aussehen soll?
Anschließend geht es noch einmal um das erste Treffen des späteren mutmaßlichen Entführerteams in Israel, das im Elternhaus der Zeugin Keren T. stattgefunden haben soll.
"Wurde dort tatsächlich nicht darüber gesprochen, wie eine Rückführung aussehen soll?", fragt der Staatsanwalt etwas ungläubig. "In Israel nicht", antwortet der Zeuge knapp.
9.42 Uhr: Pädophilie, Gewalt und Entfremdung
Der Staatsanwalt fragt noch einmal genauer zu den Pädophilie-Vorwürfen nach, die der Zeuge am Vortag kurz angesprochen hatte. Gegen wen richteten sich diese Vorwürfe?
Der Zeuge erklärt, es seien keine Namen genannt worden. Die Aussagen hätten sich stets auf die Kinder bezogen. Immer wieder seien drei Elemente genannt worden, denen die Kinder angeblich ausgesetzt gewesen seien: "Pädophilie, Gewalt und Entfremdung. Möglicherweise wurde gesagt, dass der Vater pädophil sei", so K.
9.38 Uhr: 61. Verhandlungstag startet
Der Prozess beginnt direkt mit der Vernehmung des Zeugen. Das Fragerecht liegt zunächst bei der Staatsanwaltschaft.
9.16 Uhr: Mal wieder mehr los
Aufgrund des Besuchs einer Schulklasse ist im Zuschauerraum des Saals 237 heute mal wieder mehr los. Der Zeuge K. und sein Anwalt sind bereits zugeschaltet, beide nehmen per Skype an der Verhandlung teil.
9 Uhr: So geht es am Dienstag weiter
Für den heutigen Tag steht die weitere Zeugenbefragung von K. auf dem Programm.
Die gestrige Vernehmung wurde wegen eines Termins seines Anwalts vorzeitig unterbrochen. Das Fragerecht liegt zunächst bei der Staatsanwaltschaft. Anschließend haben auch die Nebenklage und die Verteidigung die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Die Kammer ist mit ihren Fragen bereits fertig.
8.50 Uhr: Recap von Montag
Am 60. Verhandlungstag wurde der Israeli K. per Video als Zeuge vernommen. Viel Neues brachte die Vernehmung des 42-Jährigen nicht.
Der Mann, der nach eigenen Angaben als Projektmanager arbeitet und in der Silvesternacht 2023/24 einer der Fahrer gewesen sein soll, wiederholte im Wesentlichen das, was schon andere Zeugen zuvor geschildert hatten.
Es sei darum gegangen, die Kinder vor ihrem "grausamen Vater" zu retten. Zunächst habe er die Mission für erfolgreich gehalten und sogar auf dem Rückweg nach Israel mit Wein auf die vermeintlich gelungene Rettung angestoßen.
Erst ein Jahr später – nach der Verhaftung von Tal S. – sei ihm klar geworden, "dass wirklich etwas schiefgelaufen" sei.
Mehrfach betonte der 42-Jährige zudem, dass David B. der Kopf der Gruppe gewesen sei. "Er war der Chef. Ich habe ihm alles geglaubt!" Nachfragen habe er nicht gestellt, da er davon ausgegangen sei, dass David B. als Ex-Mossad-Agent wisse, was er tue.
Dennoch sei ihm manches "komisch" vorgekommen, etwa, warum Teile des Teams plötzlich mit den Block-Kindern zu Fuß durch einen Wald gehen mussten. "Wenn alles mit den Behörden in Deutschland abgesprochen ist, warum auf einmal diese Geheimnistuerei?", habe er sich gefragt.
Wie bereits andere Zeugen berichtete auch K. von einem Treffen mit Christina Block kurz vor der Tat. Sie habe der Gruppe "viel Erfolg gewünscht, mit Tränen in den Augen", so K. laut Übersetzung.