Chef-Ermittlerin im Prozess: "Frau Block hat mir den Mund verboten!"

Hamburg - Am 69. Verhandlungstag im Kinderentführungsprozess gegen Christina Block (53) ist die Öffentlichkeit von Beginn an wieder zugelassen. Im Mittelpunkt am Dienstag steht die Fortsetzung der Befragung der Hauptermittlungsführerin Merle B. (44), die bereits zum fünften Mal als Zeugin vor Gericht aussagt. TAG24 ist vor Ort und berichtet in einem Live-Blog.

Der Steakhouse-Erbin wird vorgeworfen, die Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder in Auftrag gegeben zu haben.  © Marcus Brandt/dpa

11.21 Uhr: Es geht weiter

Verteidigerin Pinar setzt ihre Befragung fort: „Können Sie mir nach Ihrem Schlussbericht sagen, wie Herr P. [der angeklagte Sicherheitsunternehmer] die Entziehung der Kinder gefördert haben soll?"

Die Ermittlerin antwortet: "Das Behindern, dass die Kinder das Haus verlassen!"

"Das machen Sie anhand der Alarmanlage fest?" - "Ja."

11.04 Uhr: Pause

Die Richterin unterbricht die Befragung für eine kurze Pause bis 11.20 Uhr.

11 Uhr: Klara hatte das Gefühl, nicht gehen zu können

Die Anwältin bittet die Zeugin zu erläutern, ob Blocks Tochter ihr gegenüber geäußert habe, nach der mutmaßlichen Entführung im Haus ihrer Mutter "eingesperrt" gewesen zu sein.

"Sie hatte das Gefühl, nicht gehen zu können. Aber wenn Sie mit eingesperrt eine verschlossene Tür meinen, dann nicht!", so die Zeugin.

Pinar fragt genauer nach, was Klara konkret gesagt habe: "Sie hat von Bodyguards geredet, dass es dort Menschen gab, bei denen sie angenommen hat, dass sie da sind, um dafür zu sorgen, dass sie nicht geht."

"Haben Sie eine solche Situation beobachtet?", fragt Pinar.

"Ich fand nichts bedrohlich, aber das sieht ja jeder anders!", so die Zeugin. Sie betont zudem erneut, dass sie am 3. Januar 2024 nur wenig vom Haus von Christina Block gesehen habe.

10.50 Uhr: "Mich qualifizieren 20 Jahre bei der Polizei Hamburg!"

Pinar fragt unter anderem, wann der Zeuge Jonathan C. als Verdächtiger feststand. "Namentlich nach der Vernehmung von David B.", antwortet die Zeugin. Zuvor habe man ihn anhand von Überwachungsvideos aus dem Hotel "Grand Elysée" als "augenscheinliches" Mitglied der Gruppe identifiziert.

Weiter fragt Pinar, ob die Zeugin besonders für die Vernehmung minderjähriger Kinder geschult sei. Damit geht es nun um die Befragung von Klara nach der Entführung, die Merle B. durchgeführt hat.

"Es gibt Schulungen, die ich gemacht habe, aber grundsätzlich qualifizieren mich 20 Jahre bei der Polizei Hamburg dazu", betont die Zeugin.

10.30 Uhr: Zeugin - "Frau Block hat mir den Mund verboten!"

Die Frage Pinars "Welche Straftat haben Sie am 3. Januar 2024 gesehen?" löst erneut eine Diskussion aus. Nebenklagevertreter Philip von der Meden wirft ein, er wisse nicht, ob die Frage zulässig sei.

Die Richterin beanstandet die Frage daraufhin: "Sie fragen nach einer rechtlichen Bewertung, dafür ist die Zeugin nicht da!" Pinar entgegnet: "Ich frage eine Kriminalbeamtin, natürlich kann sie das rechtlich bewerten!" "Nein, Sie fragen nach einer Einschätzung der Zeugin", erwidert die Richterin.

Pinar formuliert daraufhin anders weiter:

"Haben Sie am 3. Januar beobachtet, dass die Kinder festgehalten werden?" – "Nein."

"Haben Sie beobachtet, dass die Kinder sich nicht frei bewegen konnten?" – "Nein."

"Haben Sie am 3. Januar beobachtet, dass die Kinder mit niemandem reden durften?"

Die Chef-Ermittlerin antwortet: "Ich durfte ja nicht mit den Kindern reden. Frau Block hat mir den Mund verboten! Später durfte ich dann 'Hallo' sagen. Ob sie das den Kindern verboten hat, kann ich nicht sagen."

Rechtsanwältin Gül Pinar vertritt im Block-Prozess einen Sicherheitsunternehmer, der wegen Beihilfe angeklagt ist.  © Georg Wendt/dpa

10.19 Uhr: Staatsanwaltschaft: "Fragen haben nichts mit dem Prozess zu!"

Pinar fragt die Zeugin viel zur Arbeitsweise der Polizei, wer, wie, wann welche E-Mails gelesen hat. "Gab es ein Gruppenpostfach?", will sie zum Beispiel wissen. Und weiter: "Kamen Sie mir der Informationsmenge klar?" "Haben Sie alle Mails Otmar Kury [Ex-Anwalt von Christina Block] gelesen?" "Ich denke schon!", so die Zeugin.

Zwischendurch wirft die Staatsanwaltschaft ein: "Ich glaube, eigentlich müssten alle Fragen beanstandet werden, weil die ganzen Fragen nichts mit dem zu tun haben, was hier im Prozess verhandelt wird!" Die Richterin kündigt daraufhin an, dies bei den folgenden Fragen zu berücksichtigen.

10.05 Uhr: Es geht weiter

Die Kammer lehnt den Antrag ab. Pinar setzt die Zeugenbefragung fort.

10 Uhr: Kurze Pause

Die Kammer zieht sich zur Beratung zurück.

Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt.  © Marcus Brandt/dpa Pool/dpa

9.57 Uhr: Hitzige Debatten mit der Richterin

Die Zeugin Merle B. (44) wird aufgerufen, doch ihre Befragung ist von Beginn an von Diskussionen geprägt. Zunächst muss geklärt werden, welcher Verteidiger das Fragerecht hat. Die Wahl fällt auf Rechtsanwältin Gül Pinar. Kurz darauf entbrennt erneut eine hitzige Debatte zwischen der Verteidigerin des angeklagten Sicherheitsunternehmers und der Richterin, die mehrere Fragen an die Zeugin als "Suggestivfragen" beanstandet.

"Was haben Sie für einen Ton heute Morgen mir gegenüber?", will Pinar wissen. Als die Richterin daraufhin sagt, sie mache nur ihren Job, entgegnet Pinar: "Sie machen unterschiedliche Jobs, die Sie auch sonst nicht wahrnehmen!"

Erhitzt lässt die Richterin die Äußerung ins Protokoll aufnehmen. Als Pinar daraufhin ebenfalls protokollieren lassen will, dass ihre Aussage darauf abzielte, dass die Richterin auch Verfahrensbeteiligte rügen könne, die geheime Akten an die Presse weitergeben, verneint die Richterin dies. Daraufhin beantragt die Verteidigerin einen Beschluss der Kammer, die sich daraufhin zurückzieht.

Zuvor wird auch Anwalt Dr. Marko Voß laut. Er schließt sich dem Antrag von Pinar an und betont noch einmal, dass sich Herr Hensel als "Retter der Kinder" darstelle, nun aber offenbar Unterlagen weitergegeben würden. Vor diesem Hintergrund stelle sich die Frage, wem das Wohl der Kinder tatsächlich am Herzen liege.

9.41 Uhr: Richterin - "Ich bin keine Babysitterin!"

Sofort ergreift Block-Anwalt Ingo Bott (43) das Wort und bittet die Richterin erneut, auf einen sensiblen Umgang mit den "kinderbezogenen Daten" hinzuweisen. Er bezieht sich dabei auf einen BILD-Artikel, in dem die Gutachten der Sachverständigen thematisiert werden. Diese lagen der Zeitung offenbar vor, obwohl sie eigentlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorgetragen wurden und ihre Inhalte nicht veröffentlicht werden sollten.

Seine Mandantin sei darüber "erheblich erschüttert" gewesen. "Das kann und darf nicht sein", so Bott. Solche Artikel würden immer dazu dienen, ein bestimmtes Bild von seiner Mandantin, aber auch von den Kindern zu zeichnen. "Ich sage nur die Stichpunkte: Dämonisierung, Katastrophisierung", so Bott weiter.

"Ich kann Ihnen sagen, dass mir das auch nicht gefällt, aber ich bin nicht der Babysitter oder der Wachhund", entgegnet die Richterin. "Das Gericht gibt ganz sicher keine Akten weiter oder redet mit der Presse." Was andere Prozessbeteiligte machten, darauf habe sie keinen Einfluss.

David Rieks, Delling-Verteidiger, wirft ein, dass aber die Staatsanwaltschaft etwas gegen die stetige "rechtswidrige Weitergabe von vertraulichen Verfahrensunterlagen" unternehmen könne. Er betont zudem, dass die Gutachten "nur von der Seite von Herrn Hensel" an die Presse weitergegeben worden sein können.

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