Hamburg - Am 83. Verhandlungstag im Prozess gegen Christina Block (53) sollte der angeklagte Sicherheitsunternehmer eigentlich erneut Gelegenheit erhalten, sich zur Sache einzulassen. Seine Anwältin kündigte jedoch lediglich eine schriftliche Gegendarstellung an. Stattdessen standen an dem erneut sehr kurzen Verhandlungstag vor allem zwei Selbstleseverfahren und 860 Seiten neue Beweisanträge der Verteidigung im Fokus. TAG24 war vor Ort und berichtete im Liveblog.
13 Uhr: Darum geht es in den 840 Seiten Beweisanträgen
Wie Ingo Bott kurz nach der Verhandlung erklärte, beziehen sich seine Beweisanträge hauptsächlich auf Geodaten von Christina Blocks Handy.
Diese sollen belegen, dass Block am 28. Dezember beim Sport und am 29. Dezember 2023 zu Hause war und somit nicht an den mutmaßlichen Treffen mit den israelischen Entführern im Hotel Grand Elysée teilgenommen haben kann.
Der in Untersuchungshaft sitzende Tal S. und der mutmaßliche Chef-Entführer David B. hatten unter anderem ausgesagt, dass Block den Entführern bei einem Treffen kurz vor der Entführung in der Silvesternacht 23/24 für die Rückholung ihrer Kinder gedankt und ihnen versichert habe, dass die Aktion legal sei.
Beim genauen Datum des Treffens widersprechen sich die Aussagen jedoch.
12.30 Uhr: 83. Verhandlungstag vorzeitig beendet
Mit der Anordnung eines weiteren Selbstleseverfahrens zu den über Nacht eingegangenen 860 Beweisanträgen schließt die Richterin die Sitzung für heute.
Fortgesetzt wird der Prozess am Montag, 2. November, um 9.30 Uhr. Bis dahin sollen alle die Seitenmenge gelesen haben.
12.22 Uhr: Regierungssprecher soll als Zeuge geladen werden
Unter anderem geht es auch um einen Beweisantrag der Nebenklage, den ehemaligen Regierungssprecher Béla Anda als Zeugen zu laden. Anda unterstützt Christina Block seit September 2025 in ihrer Öffentlichkeitsarbeit.
Eine solche Ladung sei "völlig abwegig", betonte Ingo Bott.
12.17 Uhr: Gab es andere Gegenleistungen?
Dr. Marko Voß, Verteidiger des angeklagten Familienanwalts, greift anschließend die Frage möglicher Zahlungen im Zusammenhang mit der Berichterstattung auf. Stephan Hensel hatte erklärt, dass weder von der "Zeit" noch von einem Tochterunternehmen Geld für die Teilnahme am "House of Block"-Podcast geflossen sei.
Das bedeute jedoch nicht zwangsläufig, dass es keine Gegenleistungen in anderer Form gegeben habe, gibt Voß zu bedenken.
Auch die "Zeit"-Journalistin Anne Kunze kommt zur Sprache. Voß kritisiert, dass Kunze nahezu täglich Stellungnahmen der Angeklagten einfordere und dabei stets betone, sie sei "immer erreichbar", nun aber offenbar urlaubsbedingt nicht als Zeugin erscheinen könne.
12.12 Uhr: Block-Anwalt kritisiert die "ZEIT"
Die Staatsanwaltschaft gibt keine Stellungnahme ab. Block-Anwalt Ingo Bott nutzt die Gelegenheit für deutliche Kritik an der Berichterstattung der "ZEIT". Er spricht von einer "ungemein belastenden, weiter traumatisierenden sowie unfassbar tendenziösen Berichterstattung".
Auch Teile der Beweisanträge auf der Selbstleseliste vom Vormittag scheinen sich um den ZEIT-Podcast "House of Block" zu drehen. Um einer aus seiner Sicht von der Nebenklage beabsichtigten medialen Aufarbeitung dieser Inhalte nicht weiteren Vorschub zu leisten, wolle er auf die Anträge jedoch nicht näher eingehen, erklärte Bott.
Er spricht von "haltlosen Vorwürfen" und "Beweisanträgen ohne Grundlage", die seiner Mandantin bewusst schaden wollten. "Wir werden hier alle instrumentalisiert, während wir hier gewissermaßen in einer Schicksalsgemeinschaft zusammensitzen", betont Bott. Er spricht von einer "klassischen Ragebait-Situation".
12.07 Uhr: Es geht weiter
Nach der zweistündigen Unterbrechung schließt die Richterin zunächst das erste Selbstleseverfahren, das sie am Morgen zu Beginn der Sitzung angeordnet und die entsprechenden Urkunden dazu ausgeteilt hatte.
Die Beteiligten hätten während der Pause ausreichend Zeit gehabt, diese zu lesen und haben jetzt die Möglichkeit Stellung zu beziehen.
9.43 Uhr: Überraschende Pause bis 12 Uhr
Die Richterin kündigt an, dass der Kammer "über Nacht" 860 Seiten neue Beweisanträge übermittelt worden seien. 840 davon stammen allein von Block-Anwalt Ingo Bott (43).
Erst kurz vor Verhandlungsbeginn habe die Kammer von den Anträgen erfahren. Hinter der Vielzahl der Anträge steckt mutmaßlich die Beweisantragsfrist, die heute endet.
Um die neuen Anträge zu sichten und eine aktualisierte Selbstleseliste zu erstellen, benötige die Kammer Zeit. Die Richterin ordnet daher eine zweistündige Pause bis 12 Uhr an.
Zuvor hatte Ingo Bott der Richterin noch einen USB-Stick mit zwei Sprachnachrichten überreicht. Von wem die Nachrichten stammten, wurde zunächst nicht mitgeteilt.
9.39 Uhr: Es geht los
Mit rund zehn Minuten Verspätung beginnt der 83. Verhandlungstag direkt mit der Verkündung, dass sich der angeklagte Sicherheitsunternehmer doch nicht weiter zur Sache einlassen wird.
Seine Anwältin wird stattdessen eine schriftliche Gegenvorstellung einreichen.
9.15 Uhr: Wieder mehr Interesse
Auf den frisch abgeschleiften und geölten Bänken im Zuschauerraum von Saal 237 haben heute wieder mehr Menschen Platz genommen als zuletzt.
Der Rummel um die beschlagnahmten Tonaufnahmen der ZEIT scheint wieder mehr Interesse am Prozess zu wecken.
9 Uhr: So geht es am Mittwoch weiter
Wie das Gericht am Dienstag mitteilte, soll dem angeklagten Sicherheitsunternehmer heute die Gelegenheit gegeben werden, sich ergänzend zur Sache einzulassen. Zudem ist ein weiteres Selbstleseverfahren vorgesehen.
Auch Entscheidungen über bereits gestellte Beweisanträge könnten verkündet werden. Die Beweisantragsfrist soll am heutigen Prozesstag enden, wie die Richterin zuletzt betont hatte.
Das Gericht stellte außerdem klar, dass das Beschwerdeverfahren der ZEIT gegen die Durchsuchungsanordnungen des Landgerichts Hamburg nicht Teil der Hauptverhandlung ist, sondern separat und ausschließlich schriftlich geführt wird.
Bereits am vergangenen Donnerstag war bekannt geworden, dass das Landgericht Hamburg die sichergestellten Tonaufnahmen des "Zeit"-Podcasts "House of Block" im laufenden Prozess vorerst nicht verwenden wird.
Update, 8.50 Uhr: Recap vom 82. Verhandlungstag
Am 82. Verhandlungstag lehnte die Kammer erneut mehrere Anträge der Verteidigung ab. Darunter auch den von Dr. Marko Voß, Verteidiger des Familienanwalts der Blocks, der eine Verlängerung der Beweisantragsfrist sowie der Beweisaufnahme beantragt hatte.
Er begründete dies damit, dass die Zeit bis zum Ablauf der Beweisantragsfrist am 28. Oktober 2026 nicht ausreiche, um die 50 Gigabyte an Handydaten von Christina Block vollständig zu sichten und auszuwerten. Darunter unter anderem 2500 Chats, 2000 E-Mails und 700 Notizen.
Zudem wurde bekannt, dass Astrid Have, die Ehefrau von Stephan Hensel, nicht mehr als Zeugin aussagen wird.
Thema waren außerdem die am Montag vom Gericht sichergestellten Tonaufnahmen, die dem ZEIT-Podcast "House of Block" zugrunde liegen. Die Auswertung sei noch nicht abgeschlossen, erklärte die Richterin.
Die Anwältin der jüngsten Block-Tochter teilte dazu mit, dass Klara Hensel von der Beschlagnahmung "tief erschüttert" sei. Sie habe der ZEIT-Journalistin Dinge "im Vertrauen" erzählt. "Sie ist sehr mitgenommen und fühlt sich schlecht", so die Anwältin.