Autoindustrie in der Krise: Gewinn von BMW bricht um mehr als ein Drittel ein
Von Christof Rührmair
München - BMW brechen die Gewinne weg! Im zweiten Quartal verdiente der Konzern nach Steuern nur noch 1,2 Milliarden Euro - 35 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, wie er mitteilte. Auch die Umsätze sanken deutlich - von 34 Milliarden auf 31 Milliarden Euro.
Die Zahlen kommen nur einen Tag, nachdem ein Stellenabbauprogramm bekannt wurde - und zeigen, wie nötig BMW die geplanten Einsparungen hat.
Blickt man nur auf den Bereich Automobile, ist der Einbruch sogar noch drastischer. In diesem Geschäftsbereich sackte das operative Ergebnis (Ebit) um mehr als 60 Prozent auf 629 Millionen ab. Das führt zur ungewöhnlichen Situation, dass BMW im abgelaufenen Quartal mehr mit seinen Finanzdienstleistungen verdiente als mit der Herstellung von Autos.
Vor allem die Geschäfte in China liefen für die Münchner schlecht. Der weltgrößte Automarkt, der früher regelmäßig für sprudelnde Gewinne gesorgt hatte, ist für BMW - wie für die anderen deutschen Hersteller - inzwischen zum Sorgenkind geworden, weil die Verkäufe dort einbrechen, während sich der Wettbewerb zuletzt immer weiter verschärft hat.
Der BMW-Absatz war dort im zweiten Quartal um fast ein Drittel eingebrochen.
Schwerer Einstieg für den neuen BMW-Chef
Es ist ein schwerer Einstand für den neuen BMW-Chef Milan Nedeljkovic (57), der Mitte Mai vom Produktionsvorstand zum Vorstandsvorsitzenden aufgestiegen ist.
In den nicht einmal drei Monaten seiner Amtszeit musste er schon eine kräftige Gewinnwarnung verkünden, und erst gestern wurde aus Unternehmenskreisen bekannt, dass BMW weltweit 8000 Stellen abbauen will. Dazu legt der Konzern unter anderem ein Abfindungsprogramm in Deutschland auf.
Jetzt äußert sich auch Nedeljkovic direkt zu den Plänen. "Die Herausforderungen in der gesamten Automobilindustrie nehmen rasant zu: Ein harter globaler Wettbewerb, steigende regulatorische Anforderungen und die Auswirkungen geopolitischer Konflikte werden unser Geschäftsmodell in den nächsten Jahren prägen. Daher gilt es, schlank und agil zu sein."
Auch Finanzvorstand Walter Mertl verweist auf den verschärften Wettbewerb. "Nach Einsparungen von 2,5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr intensivieren und beschleunigen wir unsere Effizienzmaßnahmen und gehen strukturelle
Veränderungen gezielt an. Unser Ziel ist weniger Komplexität und eine niedrigere Kostenbasis", sagt er. Schon vergangenes Jahr war die Zahl der Mitarbeiter bei BMW gesunken.
Lange war BMW etwas besser als die beiden anderen großen deutschen Autokonzerne Mercedes-Benz und Volkswagen durch die Krise gekommen. Inzwischen holen die Probleme aber auch die Münchner immer stärker ein. Immerhin liegen sie in Sachen Gewinn im zweiten Quartal noch vor dem Stuttgarter Erzrivalen Mercedes, der auf 1,09 Milliarden nach Steuern kam. Volkswagen hat mit 1,54 Milliarden zwar die Nase vorn, ist aber auch sehr viel größer.
Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

