Autonome drohen mit Silvester 2.0: Das erwartet Berlin am 1. Mai

Berlin - Bei der üblicherweise von linken und linksradikalen Aktivisten besuchten Demonstration am Abend des 1. Mai in Berlin werden von der Polizei in diesem Jahr 10.000 bis 15.000 Teilnehmer erwartet. Immer wieder kam es in den vergangenen Jahren zu Ausschreitungen.

So sah es im vergangenen Jahr aus: Teilnehmer der "Revolutionären 1. Mai-Demonstration" ziehen durch Kreuzberg am Kottbusser Tor vorbei.
So sah es im vergangenen Jahr aus: Teilnehmer der "Revolutionären 1. Mai-Demonstration" ziehen durch Kreuzberg am Kottbusser Tor vorbei.  © Paul Zinken/dpa

Der 1. Mai sei nach wie vor der Symboltag für die linksradikale Szene, sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik am Freitag im RBB-Inforadio. Daher rüstet sich die Polizei in diesem Jahr mit 6300 Beamten aus mehreren Bundesländern für die Demonstrationen.

In diesem Jahr versuche die linksautonome Szene, Jugendliche in Neukölln zur Teilnahme an der Demonstration und möglichen Krawallen zu bewegen, sagte Slowik. Es gebe auch Plakate mit der Aufschrift "Silvester 2.0".

Eine Zusammenarbeit zwischen Klimaschutz-Demonstranten und Linksradikalen sei hingegen unwahrscheinlich, sagte Slowik. Die Klimaaktivisten hätten immer betont, dass sie friedlich seien.

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Die traditionelle Demonstration linksradikaler Gruppen beginnt wie immer um 18 Uhr, diesmal in Neukölln auf der Hermannstraße. Sie führt dann über den Hermannplatz, die Karl-Marx-Straße, Sonnenallee und den Kottbusser Damm zum Kottbusser Tor und Oranienplatz.

Der Hotspot am Abend ist klar: die neue Polizeiwache direkt am Kottbusser Tor in Kreuzberg. Auf der Karte der Organisatoren sind der Anfangs- und Endpunkt der "Revolutionären 1. Mai-Demonstration" markiert und als dritter Punkt am "Kotti": "Bullenwache".

Seit 1987 kam es am 1. Mai in Kreuzberg immer wieder zu Gewaltausbrüchen von Linksautonomen und Straßenschlachten mit der Polizei. In den vergangenen mehr als zehn Jahren beruhigte sich die Lage weitgehend.

1. Mai in Berlin: Zahlreiche Veranstaltungen und Demonstrationen im Stadtgebiet

Diese "Botschaft" haben bislang unbekannte Randalierer im Vorfeld des 1. Mai an einer Hausfassade in Berlin-Mitte hinterlassen.
Diese "Botschaft" haben bislang unbekannte Randalierer im Vorfeld des 1. Mai an einer Hausfassade in Berlin-Mitte hinterlassen.  © Paul Zinken/dpa

Schon am Nachmittag des 1. Mai wollen linke Gruppen mit satirischen Aktionen und Demonstrationen durch den Villen-Stadtteil Grunewald ziehen. Geleitet wird die Aktion von der "RWE - Reichtum wird enteignet".

Ein Video zu dem Protest ist aufgemacht wie Werbefilme der Energie- und Stromkonzerne. Beteiligt an den Aktionen sind Klimaschutz-Gruppen wie Letzte Generation und Fridays For Future, aber auch die als linksextrem eingestufte Interventionistische Linke.

Weitere große Demonstrationen am 1. Mai sind wie üblich von Gewerkschaften und verschiedenen Parteien wie der Linken angekündigt.

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Das früher so beliebte Kreuzberger "MyFest" mit Zehntausenden Besuchern und völlig überfüllten Straßen in Kreuzberg findet nicht statt. Der von den Grünen geführte Bezirk wollte die Feierei nicht mehr.

Bereits am Sonntagabend, dem Vorabend des 1. Mai, ziehen zwei linke Demonstrationen durch die Stadt.

Ab 16 Uhr heißt es im Wedding zwischen Seestraße und Pankstraße: "Frieden statt Kapitalismus - Wettrüsten stoppen und Armut beenden". Abends demonstrieren Frauen in Kreuzberg: "Take back the night. Queer-feministische Demonstration."

Titelfoto: Paul Zinken/dpa

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