Darf doch nicht wahr sein: Stellwerk legt Bahnverkehr auf wichtiger NRW-Strecke weiter lahm
Von Marc Herwig
Wuppertal - Die Einschränkungen für Bahnreisende rund um Wuppertal reißen nicht ab. Auch nach eineinhalb Wochen haben Techniker ein Stellwerk, das den Zugverkehr zwischen Wuppertal und Düsseldorf regelt, noch nicht endgültig in Betrieb nehmen können.
Eine Prognose, wann wieder Züge auf der Strecke fahren können, gebe es nicht, sagte ein Bahnsprecher. Zwischen Düsseldorf und dem Wuppertaler Hauptbahnhof fahren bis auf Weiteres keine S-Bahnen und Regionalzüge, sondern nur Ersatzbusse.
Das Stellwerk war bereits am 18. Mai ausgefallen. Tagelang hatten Techniker vergebens nach dem Fehler für den folgenschweren Ausfall gesucht. Nach einer Woche schien das Problem gefunden zu sein.
Techniker wechselten Komponenten in einem Computersystem aus - anschließend wurde das Stellwerk am vergangenen Freitag schrittweise wieder in Betrieb genommen. Doch schon am Sonntag war das System erneut außer Betrieb.
"Uns ist bewusst, dass diese erneute Störung für Fahrgäste eine besondere Belastung darstellt", teilte die Bahn mit. "Wir bitten alle Reisenden für die erneut entstehenden Unannehmlichkeiten um Entschuldigung."
Bahnreisende in der Region rund um Wuppertal sind im Moment ohnehin leidgeprüft. Seit Anfang Februar ist die Strecke von Köln über Wuppertal nach Hagen für eine Generalsanierung voll gesperrt.
Alle Fernzüge, etwa von Köln nach Berlin und Hamburg, werden über das Ruhrgebiet umgeleitet. Für die Pendler in der Region fahren rund 200 Ersatzbusse.
Verkehr sollte nach monatelanger Sperrung wieder anlaufen
Zuletzt hatte die Bahn allerdings einige S-Bahn-Gleise wieder freigegeben, die auf einem Teil der Strecke parallel verlaufen.
Dort sollten bis zum geplanten Abschluss der Generalsanierung am 10. Juli zumindest einige S-Bahnen und Regionalzüge fahren können. Doch durch den Stellwerksausfall steht der Bahnverkehr rund um Wuppertal nun erneut still.
Dass die Stellwerke entlang der Strecke teils marode sind, ist längst bekannt. Von den acht Stellwerken in dem Abschnitt sind nach früheren Angaben des Bundesverkehrsministeriums lediglich drei in gerade noch befriedigendem Zustand.
Für drei weitere bewertete das Ministerium den Zustand im Januar mit Schulnoten zwischen 4,5 und 4,7. Zwei Stellwerke bekamen die Note 6,0 - also glatt ungenügend.
Dennoch hatte die Bahn die Stellwerke bei der Generalsanierung der Strecke komplett ausgeklammert und angekündigt, eine Erneuerung der in die Jahre gekommenen Technik sei erst "weit in den 2030er Jahren" geplant.
In einem Stellwerk sorgen die sogenannten Fahrdienstleiter dafür, dass Züge von A nach B kommen - etwa indem sie Weichen richtig stellen und die Signale auf Grün schalten, wenn ein Gleisabschnitt frei ist. Probleme mit alten Stellwerken führen immer wieder zu Verzögerungen im Bahnverkehr.
Titelfoto: Oliver Berg/dpa

