Dresden - Nach hauchdünner Stichwahl mit 14:12 Stimmen empfiehlt das Begleitgremium dem Stadtrat den LAP-Entwurf für den Carolabrücken-Neubau. Entschieden ist das Rennen damit noch nicht - zumal die Verwaltung selbst während der fünfstündigen nicht-öffentlichen Sitzung für Irritationen sorgte, die das Abstimmungsergebnis zulasten des FHECOR/TSSB-Entwurfs beeinflusst haben dürften.
So hatte die städtische Projektleiterin Grit Ernst (57) laut mehreren Sitzungsteilnehmern erklärt, beim FHECOR/TSSB-Entwurf, der ein zusätzliches Pfeilerpaar vorsieht und bis zu 2,50 Meter höher als die eingestürzte Brücke ist, bestünde ein hohes Risiko für ein Planfeststellungsverfahren.
"Diese Information war in dieser Deutlichkeit neu", so SPD-Stadtrat Stefan Engel (33). Ein solches Verfahren, bei dem die Brücke nicht mehr als "Ersatzneubau" gilt, würde den für 2028 geplanten Baustart um Jahre verzögern. Zuvor war stets von einem "kontrollierbaren" oder "beherrschbaren" Risiko die Rede.
"Die Ausführungen waren mehr als irritierend, haben Teilnehmer verunsichert und die Abstimmung zugunsten von LAP beeinflusst", so Holger Zastrow (57, TZ).
Zwar ruderte Baubürgermeister Stephan Kühn (46, Grüne) hinsichtlich des Risikos während der Sitzung wieder zurück. "Wenn der Baubürgermeister beim Vortrag der Projektleiterin intervenieren muss, spricht die Verwaltung nicht mit einer Sprache", kritisierte Thomas Ladzinski (37, AfD).
Stadtrat hat am 3. September letztes Wort
Dass ein Planfeststellungsverfahren geführt werden müsse, nannte TSSB-Architekt Jan Tröber (51) am Mittwoch "absurd". Der Baubürgermeister stellte auf Anfrage klar: Das Risiko, sich mit der Planung nicht mehr im Rahmen eines Ersatzneubaus zu bewegen, sei bei FHECOR/TSSB im Vergleich zu den drei anderen Entwürfen am höchsten.
"Das bedeutet aber nicht, dass das Risiko insgesamt als hoch eingeschätzt wird", so Kühn. Die Abstimmung des Begleitgremiums war da freilich längst gelaufen.
Grüne und SPD begrüßten das Votum für LAP, deren Planer sehen im Ergebnis eine "wichtige Bestätigung". Das letzte Wort hat der Stadtrat am dritten September.
BSW-Fraktionschef Ralf Böhme (52) warnt bereits vor einer brückenlosen Zeit "bis mindestens 2034", sollten sich Mehrheiten für den Zweitplatzierten finden. Der Streit ums Risiko geht also weiter...