Initiative kämpft für historischen Wiederaufbau der Carolabrücke
Dresden - Dass auch junge Menschen nostalgisch sein können, zeigt die "Initiative Carolabrücke". Die fordert aber nicht nur die historische Rekonstruktion der Flussquerung von 1895, sondern hat auch schon Vorschläge für die benachbarten Flächen auf der Altstädter Seite.

Die große grüne Wiese im Vorfeld der Neuen Synagoge heißt heute Rathenauplatz, benannt nach dem Politiker Walther Rathenau (1867-1922). Hier verbringen die Dresdner eigentlich nur dann etwas Zeit, wenn sie die Straße überqueren möchten.
Ein toter Raum. Was viele nicht wissen: Vor dem Zweiten Weltkrieg war das Areal bebaut, verlor durch die Bombenangriffe 1945 und spätere Eingriffe seinen ursprünglichen Charakter. Lediglich die beiden Figuren "Elbe in Ruhe" und "Bewegte Elbe" erinnern heute noch an die Zeit vor der Funktion als Verkehrsschneise.
"Dieser Ort ist aus dem Bewusstsein gerückt. Das wollen wir ändern", ist Mitinitiator Bertrand Zunker (32) entschlossen. Ihm schweben für den Ort nicht nur eine Bebauung mit Cafés, sondern auch Bepflanzungen und ein offengelegter Kaitzbach vor.
Er und seine 30 zumeist jungen Mitstreiter der Bürgerinitiative kommen aus verschiedenen Berufsgruppen. Jann Ole Makberger (26) macht eine Ausbildung in der Bibliothek: "Wir wollen mit unseren Ideen ein Zeichen setzen, die Diskussion in Gang bringen."
Baubürgermeister Stephan Kühn will wohl alles prüfen




Noch wichtiger ist den Architektur-Aktivisten aber die möglichst originalgetreue Rekonstruktion der Carolabrücke aus Kaisers Zeiten. Die wäre nicht nur durch Bundesprogramme förderbar, sondern sei auch für die Attraktivität des Zentrums entscheidend.
Vermutlich deshalb kamen in drei Petitionen fast 26.000 Unterschriften zusammen. "Baubürgermeister Stephan Kühn versicherte uns, dass alle Varianten geprüft werden", so Zunker gestern hoffnungsvoll.
Sandsteinbögen, Balustraden, Pavillons: Die Baupläne dafür lägen schon im Stadtarchiv bereit. "Wir haben gute Argumente für die Machbarkeit. Am Ende ist es auch eine Frage des politischen Willens."
Titelfoto: Thomas Türpe