Neue Carolabrücke wird breiter, kein Radweg in der Mitte: Kritik und Entsetzen nach ersten Abweichungen
Dresden - Wenige Wochen nach dem Stadtratsbeschluss für die neue Carolabrücke steht bereits fest, dass der Neubau von dem eingereichten Entwurf abweichen wird. Das stößt auf Kritik.
Mit einer vorgeschlagenen Brückenbreite von 32,50 Meter hatte der Entwurf des Planungsbüros FHECOR/TSSB sowohl den Bürgerentscheid "CarolaVote" als auch die Mehrheit des Stadtrats für sich gewonnen. Nun wurde der Bauausschuss darüber informiert, dass die neue Carolabrücke wohl 33,95 Meter in der Breite messen wird - also 1,45 Meter mehr.
Grund für die Verbreiterung sind geltende Richtlinien, wonach zum Überholen geeignete Radwege mindestens 2,30 Meter breit sein müssen, wie TAG24 aus dem Bauausschuss erfahren hat. Zudem muss noch Platz für ein Sicherheits-Geländer zwischen Straßenbahn und Radweg eingeplant werden. Im Zuge der weiteren Planungsphase sollen diese Änderungen jetzt umgesetzt werden, weitere Anpassungen sind nicht ausgeschlossen.
Aus Sicht von SPD-Stadtrat Stefan Engel (33), ebenfalls Ausschussmitglied, sei damit ein "wesentliches Argument" im Entscheidungsprozess bereits hinfällig: "Das Argument der geringsten Brückenbreite erweist sich damit als leeres Versprechen", erklärte er gegenüber TAG24 am Freitag.
BSW-Stadtrat Ralf Böhme sieht das ähnlich: "Es stellt sich das ein, was wir befürchtet haben." Böhme betonte, dass die Entscheidung für den Brückenentwurf mit dem "höchsten Risiko" auf die Mehrheit des Stadtrats zurückgehe. CDU, Team Zastrow, FDP/FB und AfD hatten Anfang September geschlossen für den vierspurigen FHECOR/TSSB-Entwurf gestimmt.
Vertreter der besagten Stadtrats-Mehrheit halten die Aufregung dagegen für überzogen.
Kein Radweg in der Brücken-Mitte: ADFC Dresden entsetzt
"Dass es Abweichungen geben wird, war bekannt", sagte CDU-Stadtrat Veit Böhm und betonte, dass es sich bei der angekündigten Brückenverbreiterung zunächst nur um eine Aufforderung an das Planungsbüro handle. Eine andere Lösung von FHECOR/TSSB sei also weiterhin möglich.
Auch für Holger Zastrow kommt eine Anpassung der Breite nicht überraschend. Mögliche Korrekturen seien schließlich bei jedem der vier eingereichten Entwürfe vorgesehen gewesen.
Doch es gibt eine weitere Neuigkeit aus dem Bauausschuss, die für Aufsehen sorgt, beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) gar für Entsetzen.
Es geht um die geplante Verlegung des Radwegs in Richtung Altstadt in die Mitte der Brücke, also direkt zwischen Straßenbahn- und Autospuren. Diese Pläne sind vorerst vom Tisch: "Wir als ADFC sind entsetzt darüber, dass die Verlegung des Radwegs aktuell nicht weiterverfolgt wird", erklärte Jonas Geyer (27) vom ADFC Dresden.
Geyer verwies dabei auf einen Stadtratsbeschluss vom 19. Juni 2025, wonach mithilfe einer "geschickten Gestaltung" unter anderem vermieden werden sollte, dass Radfahrer unnötig die Gleise queren müssen. Nach harscher Kritik hatte FHECOR/TSSB seinen Entwurf bereits überarbeitet und einen Fahrrad-Schnellweg zwischen Tram und Autos eingerichtet - ohne die Brücke damit zu verbreitern.
Stadt Dresden: Änderungen am Entwurf sorgen nicht für Verzögerung
Eine Beibehaltung des seitlichen Radwegs in Richtung Altstadt widerspreche nicht nur dem Stadtratsbeschluss, sondern sei zudem auch nicht sinnvoll, wetterte der ADFC.
"Der Radweg in Seitenlage bringt zwei zusätzliche Gleisquerungen mit sich, fördert lange Wartezeiten für den Radverkehr und erhöht durch die gemeinsame Führung das Konfliktpotential zwischen Fuß- und Radverkehr. Kurzum: Mit der Führung des Radwegs in Seitenlage würde weniger Verkehrssicherheit, weniger Leistungsfähigkeit und weniger Aufenthaltsqualität einhergehen."
Einen Nachteil in der Gleisquerung für Radfahrer sieht Zastrow dagegen nicht: "Viele Radfahrer fahren lieber in Seitenlage, als zwischen Autos und Bahn." BSW-Mann Böhme bezeichnete einen Mittelstreifen direkt im Verkehrsgedränge gar als "psychologisch nicht zumutbar".
Die Verlegung des Radwegs in die Mitte der neuen Carolabrücke war zugleich ein Anliegen der CDU-Fraktion. Veit Böhm hofft weiterhin, dass eine Lösung gefunden wird: "Das muss in weiterer Bearbeitung geklärt werden." SPD-Stadtrat Engel kritisierte: "Vor der Abstimmung hatten Fraktionen wie die CDU noch betont, dass sich die Probleme für den Radverkehr im weiteren Planungsprozess lösen ließen. Dass die Umsetzung nun deutlich komplizierter wird, ist blamabel."
Die Abweichungen vom ursprünglichen Carolabrücke-Entwurf sorgen zwar politischen Zündstoff, nach Angaben der Stadt aber nicht für eine Abweichung vom Zeitplan: "Die Fortschreibung der Planung liegt im Zeitplan und die Anpassungen führen zu keiner Verzögerung. Die vertraglich vereinbarte Baukostenobergrenze gilt weiterhin."
Titelfoto: Bildmontage: Visualisierung: FHECOR Deutschland GmbH und TSSB Planungsgesellschaft, Norbert Neumann

