Dresden - Bevor der Stadtrat am 3. September über den Neubau der Carolabrücke entscheidet, fliegen zwischen den Architekten ordentlich die Fetzen. Die CDU hatte sich schon auf den Entwurf von FHECOR/TSSB festgelegt, selbiges bei der AFD. Nun hat sich auch die Fraktion FDP/Freie Bürger für diesen Entwurf ausgesprochen. Die Konkurrenz von LAP warnt vor bösen Überraschungen beim Zeitplan und nachträglichen Umplanungen.
"Wir reden nicht über kleine Änderungen. Dann haben wir eine völlig neue Brücke", sagt LAP-Prokurist Stefan Burgard (53) zum TSSB-Entwurf. Gemeint sind mögliche Änderungen an Pfeilern, Brückenhöhe und der Bogen-Geometrie.
Tobias Mansberger (47) von LAP zieht den drastischen Vergleich: "Es ist wie eine Prüfung schreiben, abgeben und dann hinterher beim Lehrer schnappe ich mir meine Prüfung und korrigiere die Ergebnisse, weil ich merke, ich habe da und da was falsch gemacht."
Damit stellt LAP die Grundsatzfrage: Worüber soll der Stadtrat abstimmen – über den Entwurf von Ende Mai oder über eine danach veränderte Brücke?
Auch beim Zeitplan sehen die Planer schwarz: "Mit Umplanungen und allem, was bei diesem Entwurf zur Diskussion stehen würde, ist ein Baustart 2028 aus unserer Sicht nahezu unmöglich."
Genau das stört LAP
FHECOR/TSSB weist die Kritik direkt zurück. Architekt Jan Tröber (51) antwortet trocken. "Da unterschätzen sie unsere Möglichkeiten, wie schnell wir planen können." Dazu betont er: "Wir stehen nach wie vor zu unserem Entwurf, so wie er ist."
Bislang gebe es keine neuen Erkenntnisse, die eine grundlegende Änderung nötig machten. Tröber versichert: "So viel muss gar nicht umgeplant werden." Der wesentliche Charakter der Brücke bleibe erhalten. Sollte überhaupt stärker eingegriffen werden, gehe es allenfalls um einen Pfeiler weniger.
Genau das stört jedoch LAP: "Wenn der Pfeiler weg ist, dann hat das massive Auswirkung auf Optik und Tragwerk", so Querfeldeins-Chef Frank Großkopf (44), dessen Büro mit LAP zusammenarbeitet.
LAP habe mittlerweile Anwälte mit ersten Prüfungen beauftragt. "Auch wenn es sich um eine politische Entscheidung handelt, befinden wir uns in einem öffentlichen Vergabeverfahren", so Großkopf. Der Streit dreht sich damit um weit mehr als Geschmack...