Was das Rathaus noch verschweigt: So sehen die Entwürfe zur neuen Carolabrücke im Detail aus

Dresden - Wie soll Dresdens neue Carolabrücke aussehen? Während Fachleute und Begleitgremium bereits tagen, hält das Rathaus wesentliche Eckpunkte und Bilder der vier Planungsbüros geheim. Das führt zu Kritik, weil die Diskussion über die Entwürfe längst begonnen hat, etwa über ein zusätzliches Pfeilerpaar. TAG24 liegt das vertrauliche Material vor, welches das Rathaus erst am kommenden Sonnabend im Stadtforum öffentlich präsentieren will. Das sind die wichtigsten Details.

FHECOR Deutschland GmbH und TSSB Planungsgesellschaft

Der Entwurf sieht als einziger ein zusätzliches Pfeilerpaar (fünf statt vier) am Neustädter Elbufer vor, was besonders geschwungene Bögen ermöglicht.

Das einzügige Bauwerk (Kombination aus Stahl und Sandstein) ist mit 32,50 Metern die schmalste Variante, was auch Platz für ein mögliches Venezianisches Haus auf Altstädter Seite bietet. Die Straßenbahn wird in Seitenlage (westlich) geführt, könnte aber künftig bei Bedarf in Mittellage versetzt werden.

Autospuren könnten perspektivisch auch als Radschnellwege genutzt werden. Der Elberadweg ist teils über Rampen angebunden. Für Licht sorgen geborgene Leuchten der eingestürzten Brücke.

An den Fußwegen sind auf beiden Seiten über den Pfeilern aufgeweitete Bereiche als "Stadtbalkone" geplant, die zum Verweilen einladen. Unter der Brücke gibt es Platz für Spielplatz, Skatebahn, Erinnerungsort und eine Bühne. Die Gesamtbauzeit beträgt 28 Monate, die Kosten liegen bei rund 130 Millionen Euro.

Die schmalste Variante: mit Spielplatz am zusätzlichen Elbpfeiler am Neustädter Ufer.  © FHECOR Deutschland GmbH und TSSB Planungsgesellschaft
"Stadtbalkone" laden zum Verweilen ein. (Visualisierung)  © FHECOR Deutschland GmbH und TSSB

Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure VBI AG und Knight Architects

Das zweizügige Bauwerk sieht westlich Straßenbahn und einen Promenadenweg für Fußgänger (fünf Meter breit) vor. Es soll direkte Wege zu den Elbufern geben.

Außerdem soll es ermöglichen, den "ÖPNV"-Strang bereits im Oktober 2029 und nicht erst mit Bauende 2031 in Betrieb zu nehmen. Die Pfeiler sind dreigliedrig und blickdurchlässig angeordnet.

Auf der Altstädter Seite ist ein neuer Venezianischer Platz geplant, daneben ein überdachter Parkplatz für Reisebusse unterhalb der Brücke. Die Bögen über der Elbe sind relativ flach, das Bauwerk gut 35 Meter breit. Durch die niedrige Lage sollen bisherige Blickbeziehungen erhalten bzw. verbessert werden.

Vier Autospuren und zwei Radwege sind auf dem östlichen Zug angeordnet. Eine spätere Umnutzung etwa auf zwei Autospuren mit Radschnellwegen ist möglich, ebenso wie ein Verschieben der Bahn in Mittellage. Die Gesamtbauzeit beträgt 38 Monate, die Kosten rund 135 Millionen Euro.

So würde die Brücke aussehen, wenn es dämmert. Eine Teileröffnung ist im Oktober 2029 möglich.  © Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure VBI AG und Knight Architects
Neues Bild der Altstädter Seite mit großer Freitreppe Busparkplatz unter der Brücke.  © Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure VBI AG und Knight Architects

Ingenieurbüro GRASSL GmbH und gmp Architekten

Auf der einzügigen Brücke soll es ebenfalls möglich sein, die erste Hälfte für Bahnen, Radler und Fußgänger bereits im Oktober 2029 vorzeitig zu eröffnen.

Offene "Brückenaugen" über den Pfeilern lassen Stadtraum und Landschaft hindurchscheinen. Dort bieten angelehnt an die historische Carolabrücke "Stadtbalkone" Platz zum Verweilen. Widerlager und Pfeiler erhalten eine Optik aus Elbsandstein, das Bogentragwerk erhält eine Eisenglimmerbeschichtung in hellem Bronzeton.

Am Elbufer soll es Platz für ein Venezianisches Haus geben. Das Vorfertigen einiger Teile wie Stahlkästen spart Zeit und Montageaufwand. Insgesamt sind für das knapp 36 Meter breite Bauwerk 30 Monate geplant. Mit gut 89 Millionen Euro ist es die günstigste Variante.

Die günstigste Variante bei Nacht.  © Ingenieurbüro GRASSL GmbH und gmp Architekten
Widerlager und Pfeiler erhalten eine Optik aus Elbsandstein.  © Ingenieurbüro GRASSL GmbH und gmp Architekten

Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH und DKFS

Als hybrides Bauwerk aus Spannbeton und Stahl mit massiven Pfeilern erinnert die dreizügige Brücke an ihre Vorgängerin.

Der westliche Zug mit Straßenbahn und Fußweg soll bereits im zweiten Quartal 2030 eröffnen können, Zug zwei (Auto/Rad) im vierten Quartal 2030 und der dritte Zug (Auto, Rad, Fußgänger) im dritten Quartal 2031. Kfz und Radfahrer sind durch einen Sicherheitsstreifen (0,75 Meter) getrennt.

Über dem Elbpfeiler soll eine tribünenartige Aufweitung mit Sitzen Raum zum Verweilen vor Altstadt-Kulisse bieten. Zwischen den Brückenkopfkanzeln soll auf der westlichen Seite eine Carola-Promenade verlaufen.

Das Bauwerk ordnet sich behutsam in die bestehende Landschaft ein.  © Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH und DKFS
Das hybride Bauwerk aus Spannbeton und Stahl mit drei Zügen erinnert an die Vorgängerin.  © Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH und DKFS

Anbindungen für Radler an die Elbufer sind vorgesehen, wenngleich eine querungsfreie Rampenlösung zum Elberadweg nicht realisiert werden konnte. Das Bauwerk ist knapp 37 Meter breit, benötigt insgesamt 42 Monate Bauzeit und kostet knapp 108 Millionen Euro.

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