Satelliten, Fahrverbote, Totholz: So steht es um den Waldbrandschutz im Harz

Wernigerode - Im Jahr 2022 machte die Urlaubsregion Harz vor allem Schlagzeilen mit Bränden, sogar der Katastrophenfall wurde ausgerufen. Alle Beteiligten sind sich einig: Die Waldbrände sollen sich nicht wiederholen. Wie geht es 2023 weiter?

Im September wurden die Einsatzkräfte von einem Großbrand auf dem Brocken in Atem gehalten. Solche Extremsituationen sollen 2023 verhindert werden.
Im September wurden die Einsatzkräfte von einem Großbrand auf dem Brocken in Atem gehalten. Solche Extremsituationen sollen 2023 verhindert werden.  © Matthias Bein/dpa

Zuletzt brach im September aus ungeklärter Ursache ein Feuer in der Nähe von Schierke am Brocken aus. Tagelang kämpften insgesamt rund 1800 Einsatzkräfte in dem schwer zugänglichen Gelände gegen Flammen. Erstmals kam internationale Unterstützung, italienische Löschflugzeuge halfen ebenso wie mehrere Löschhubschrauber.

Nach jetzigem Stand kostete die Aktion den Landkreis rund zwei Millionen Euro, wie ein Sprecher sagte. Insgesamt kam es 2022 im Harz zu 170 Waldbränden auf etwa 100 Hektar Fläche.

Der Harz besteht heutzutage zu großen Teilen aus abgestorbenen Fichten-Monokulturen - welche sich erstmals im Mai im Nationalpark Harz bei Schierke auf 3,6 Hektar wie Fackeln entzündeten.

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Wie viele Hektar Anfang September in Flammen standen, ist bis heute umstritten. Nationalparkchef Roland Pietsch spricht von maximal zwölf als amtlich festgestellte verbrannte Fläche, der Landkreis arbeitet mit deutlich höheren Zahlen.

Als direkte Reaktion wurden am Fuß des Brockens rund 14 Hektar von Totholz beräumt. Dadurch, dass das Holz noch verkauft werden konnte, konnten die Kosten für die zeitintensive Maßnahme reduziert werden. Auch für weitere Bereiche sind Räumungsaktionen geplant, müssen aber noch von Brandschutzexperten abgestimmt werden.

Nationalpark Harz: Für den Brandschutz muss noch viel getan werden

Löschflugzeuge und Frühwarnsysteme sollen im Nationalpark Harz Abhilfe schaffen.
Löschflugzeuge und Frühwarnsysteme sollen im Nationalpark Harz Abhilfe schaffen.  © Julian Stratenschulte/dpa

Ein großes Problem im Hinblick auf Waldbrände und die Erholung der Wälder ist allerdings die Harzer Schmalspurbahn, die mit ihren Dampfloks bis zum Brockenplateau fährt.

Die Strecke ist eine der touristischen Highlights der Region - fast eine halbe Million Fahrgäste zählte sie 2022. Doch lenkt sie kritische Blicke auf sich: Karten zeigen, dass eine Vielzahl der Brände entlang der Schienen entstanden sind. Welche Rolle die mit Kohle betriebenen Dampfloks selbst spielen, ist bislang nicht geklärt.

Vereinbart ist, dass die Dampfloks bei der höchsten Waldbrandstufe 5 von Drei Annen Hohne aus nicht zum Brocken fahren dürfen, sondern nur die Dieselloks. Das bedeutet laut HSB-Sprecher Dirk Bahnsen dann statt 11 täglichen Fahrten nur 7, denn es gibt nicht genug Dieselloks. Bei Waldbrandstufe 4 muss sich die HSB mit den Behörden abstimmen.

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Um schon kleine Brände früh zu erkennen, setzt der Landkreis Harz zudem auf Satellitenüberwachung: Bereits Feuer mit einer Größe von 10 mal 10 Metern soll das weltraumgestützte Frühwarnsystem an die Feuerwehr melden, wie der Landkreis erklärte.

Unterstützend soll dabei ab April der Einsatz polnischer Löschflugzeuge wirken. Den Landkreis kostet das Bereitstellen nach eigenen Angaben 150.000 Euro pro Saison.

Es wurde also durchaus viel Geld in Sachen Brandschutz angefasst und einige wichtige Maßnahmen auf den Weg gebracht seit dem vergangenen Jahr, so Kai-Uwe Lohse, Keisbrandmeister des Harzkreises: "Das wird aber noch lange nicht reichen." Im Nationalpark etwa müssten mehr Entnahmestellen für Löschwasser angelegt werden. Und auch über Zuwege für die Einsatzkräfte müsse geredet werden.

Titelfoto: Julian Stratenschulte/dpa

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