Flug-Experte zu Beinahe-Unglück in München: "Hätte Feuerball mit hunderten Toten geben können"
Von Sabine Dobel und Christian Ebner
München - Staubwolke beim Start, Qualm bei der Landung, geplatzte Reifen: Nach dem Beinahe-Unglück am Münchner Flughafen läuft die Untersuchung der Ursache auf Hochtouren.
Eine Boeing 787-9 der Fluggesellschaft Vietnam Airlines mit dem Ziel Hanoi raste am Samstag über die Startbahn hinaus und konnte gerade noch starten. In den sozialen Medien geteilte Videos zeigen eine gewaltige Staubwolke und Erschütterungen in der Kabine.
Bei der Landung rund zwei Stunden später ist Rauch zu sehen, der am beschädigten Fahrwerk aufsteigt. Kaum steht die Maschine, fahren zahlreiche Wagen von Feuerwehr und Rettungsdienst heran.
Die Passagiere - Medien zufolge mehr als 250 Menschen - wurden laut Flughafen unverletzt mit Bussen in das Flughafengebäude gebracht.
Nach Meinung eines Luftfahrtexperten entging der Flughafen bei dem fehlerhaften Start nur haarscharf einer Katastrophe.
"Das hätte einen Feuerball mit hunderten Todesopfern geben können, wenn die Piloten die Maschine nicht noch hochgezogen hätten", sagt Luftfahrt-Experte Heinrich Großbongardt der Deutschen Presse-Agentur.
Auch außerhalb des Flughafengeländes seien Menschen in Gefahr gewesen. Unter anderem stelle sich die Frage, warum die Crew den Start nicht rechtzeitig abgebrochen habe.
Heck des Flugzeugs beim Start offenbar aufgesetzt
Nach Informationen der Plattform "Aviation Herald" gibt es Hinweise, dass vor dem Start mindestens die Bremsen auf der rechten Seite des Jets blockierten.
Wegen der geringen Startgeschwindigkeit soll das Heck des Flugzeugs aufgesetzt haben und beschädigt worden sein. Bei der späteren Rückkehrlandung auf der Nordbahn wurden die Reifen eines Fahrwerks zerfetzt, wie auf Bildern zu sehen ist.
Möglicherweise waren die Räder beschädigt, nachdem beim Start Leuchten der Landebefeuerung abgerissen worden waren.
Die Entscheidung zur Rückkehr nach München sei im Cockpit getroffen worden, sagte eine DFS-Sprecherin.
Für die Landung sei Sicherheitspersonal in Stellung gebracht worden, hieß es beim Flughafen. Danach sei das manövrierunfähige Flugzeug stabilisiert und dann in einen Hangar geschleppt worden, sagte ein Flughafensprecher am Wochenende.
Titelfoto: Montage: Christian Charisius/dpa + Uwe Lorz/dpa

