Trotz Corona-Kontaktbeschränkung: Inkasso-Büro droht mit Hausbesuch

Hamburg - Dieses Inkasso-Büro ist besonders dreist! Mitten in der Corona-Pandemie droht es mit Hausbesuchen. Andere wollen dafür sogar extra Gebühren haben.

Schnell können sich unbezahlte Rechnungen zu hohen Schuldensummen auftürmen. (Symbolbild)
Schnell können sich unbezahlte Rechnungen zu hohen Schuldensummen auftürmen. (Symbolbild)  © Christian Charisius/dpa

Die Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh) hat das zweifelhafte Geschäftsgebaren nun öffentlich gemacht. Beispielhaft sei der Fall eines Verbrauchers aus der Hansestadt, der Anfang Dezember einen Brief des Deutschen Inkasso Dienstes (DID) erhielt.

Darin sei der Besuch eines Mitarbeiters angekündigt worden, um über eine offene Rechnung in Höhe von 900 Euro zu reden. Nur durch eine sofortige Zahlung ließe sich das abwenden.

"Mit diesen Schreiben werden Schuldner massiv unter Druck gesetzt", sagte Kerstin Föller von der vzhh.

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"Unter der Last der offenen Forderung fühlen sich Schuldner häufig verpflichtet, solchen Hausbesuchen zuzustimmen. Das Unternehmen riskiert damit sowohl die Gesundheit des Schuldners als auch der eigenen Mitarbeiter. Das ist unverantwortlich."

Denn gerade sollten alle Haushalte wegen der Pandemie versuchen, so wenige Kontakte wie möglich zu haben, um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen. Der Besuch eines Inkasso-Mitarbeiters würde dem völlig widersprechen.

Diese Rechte haben Schuldner gegenüber Inkasso-Büros

Schuldner können sich bei der Verbraucherzentrale beraten lassen. (Symbolbild)
Schuldner können sich bei der Verbraucherzentrale beraten lassen. (Symbolbild)  © picture alliance / Jochen Lübke/dpa

Doch Verbraucher sollten sich nach Angaben der Verbraucherzentrale nicht von so einem Brief erschrecken lassen. Schuldner seien nicht verpflichtet, Mitarbeiter von Inkasso-Firmen in ihre Wohnung zu lassen.

Dazu gebe es keine gesetzliche Grundlage. Dieses Recht haben nur Gerichtsvollzieher, wenn ein Gerichtsbeschluss vorliegt.

Eine weitere rechtswidrige Praxis seien Gebühren für Hausbesuche. Diese würden von manchen Inkasso-Büros in Rechnung gestellt und erhöhen so die Forderung. Für die Kosten eines Hausbesuchs müsse aber das Unternehmen selbst aufkommen, heißt es von der Verbraucherzentrale.

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Generell sollten finanzielle Probleme von selbst angegangen werden, rät Föller. "Schulden regulieren sich in der Regel nicht von selbst. Handeln ist gefragt. Gerade im Umgang mit Inkasso-Diensten ist es wichtig, seine Rechte als Schuldner zu kennen und durchzusetzen", sagte die Schuldnerberaterin.

"Die Unternehmen spekulieren häufig darauf, dass säumige Kunden ihren Forderungen einfach nachgeben, um diese möglichst schnell aus der Welt zu schaffen."

Eine Beratung erhalten Schuldner bei der Verbraucherzentrale unter der Telefonnummer 040 24832-109. Außerdem können mit dem kostenlosen Inkasso-Check Forderungen überprüft werden.

Titelfoto: Christian Charisius/dpa

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