Milliardenmarkt Pflege: Die neue Rendite-Hoffnung der Banken

Von Carsten Hoefer

München - Eine alternde Gesellschaft bietet Renditechancen: Angesichts der chronischen Flaute auf dem Büroimmobilienmarkt entdeckt eine wachsende Zahl frustrierter Investoren und Banken Pflegeheime als Kapitalanlage.

Die deutsche Bevölkerung altert, und damit steigt der Bedarf an Betreuung.  © Daniel Karmann/dpa

Da die Zahl der Pflegebedürftigen in den kommenden Jahren weiter steigen wird, ist der Kapitalbedarf für neue Pflegeheimplätze hoch. "Pflegeimmobilien waren nie eine Asset-Klasse, die bei den Banken in der Vergangenheit im Fokus stand", sagt Philipp Wackerbeck, Partner bei dem Beratungsunternehmen Strategy& in München. "Doch das hat sich fundamental gedreht."

Geld wird jedenfalls benötigt: Das Wirtschaftsforschungsinstitut RWI Essen schätzte 2024 in einem "Basisszenario" den Kapitalbedarf für neue Pflegeheimplätze von 2021 bis 2030 auf 20,6 Milliarden Euro, bis 2040 auf über 35 Milliarden.

"Die Auslastung der Heime ist sehr hoch und liegt nach den letzten Zahlen zwischen 92 und 95 Prozent", sagt Maurice Schroff, Direktor und Pflegefachmann bei Strategy&. "Demografiebedingt wird der Anteil der alten Menschen in den kommenden Jahren steigen. Und damit wird auch die Zahl der Pflegebedürftigen entsprechend wachsen."

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In der Tat: Laut Demografieportal des Bundes waren 2023 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig, bis 2040 wird ein Anstieg auf 6 Millionen erwartet - das wären dann dreimal so viele wie 1999.

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Die Finanzbranche entdeckt das Pflegeheim

Banken und private Kapitalgeber suchen nach Anlagemöglichkeiten - eignet sich die Pflege?  © Jens Büttner/dpa

Das Thema "Betten finanzieren" sei bei Banken lange unbeliebt gewesen, "weil die Marge niedrig und das Risiko hoch war und man natürlich auch dafür Spezialisten braucht, die nicht jede Bank hat."

Und private Kapitalgeber haben nach Worten Wackerbecks Interesse, als Eigentümer und Betreiber direkt einzusteigen. "Das betrifft nicht nur Pflege im engeren Sinne", sagt der Berater.

Doch warum ist die Zahl der Pflegebedürftigen in den vergangenen Jahren so stark gestiegen, noch bevor Scharen von Babyboomern aus dem Arbeitsleben ausscheiden? Eine Hauptursache waren die "Pflegestärkungsgesetze" der Jahre 2015 und 2017. Seither gilt nicht mehr nur als pflegebedürftig, wer körperlich gebrechlich ist, sondern auch Menschen mit "gesundheitlich bedingten Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten".

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In die Alltagssprache übersetzt bedeutet das im Wesentlichen, dass auch Demenz und seelische Erkrankungen Pflegegründe sind. Das würde auch ganz ohne demografischen Wandel höhere Kosten nach sich ziehen.

Die deutsche Politik hat nach Einschätzung von Fachleuten einerseits die Leistungen ausgeweitet und andererseits finanziell nicht ausreichend vorgesorgt.

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