Kampf den Kilos: Seit Hannelore Kohls Tod gehe ich nicht mehr ins Fitness-Studio

Stuttgart/Würzburg - Zu viel Süßkram, zu wenig Bewegung: TAG24-Redakteur Patrick Hyslop hat im Homeoffice ordentlich zugenommen. Nun wird das Ruder herumgerissen. Der Corona-Speck muss weg! Die Ansage lautet: "Kampf den Kilos!" Regelmäßig berichtet er dabei von den Höhen und Tiefen des Abspeckens.

Nachdem ich in keinem Studio glücklich wurde, kann ich nun in den eigenen vier Wänden trainieren.
Nachdem ich in keinem Studio glücklich wurde, kann ich nun in den eigenen vier Wänden trainieren.  © privat

Im Kampf gegen die Pfunde habe ich begonnen, mir ein Home Gym einzurichten. Wie es dazu kam, darüber wollte ich eigentlich schon in der vergangenen Folge schreiben.

Dann starb der Bodybuilder und bekannte YouTuber John Meadows, der über viele Jahre unzähligen Menschen hilfreiche und gesundheitsfördernde Trainings-Tipps gab - auch mir. Entsprechend ging es statt des Home Gyms also um seinen viel zu frühen Tod.

Heute komme ich jedoch auf mein Training in den eigenen vier Wänden zu sprechen. Und auch das hat mit dem Tod einer bekannten Persönlichkeit zu tun. Doch der Reihe nach.

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Um die Jahreswende 2000/2001 bekam ich Lust, mehr Sport zu treiben und mich in einem Fitness-Studio anzumelden.

Das erste Studio war klein, die Zahl der Geräte überschaubar. Was ich nicht schlimm fand. Im Gegenteil.

Jedoch merkte ich schnell: Die Geräte, an die ich gerade wollte, waren grundsätzlich belegt. Dicker Minuspunkt. Auch das Trainingspersonal war wenig engagiert. Ich erinnere mich noch an den ersten Tag. Ich als völliger Neuling verloren vor dem Kurzhantelständer.

Eine Trainerin kommt vorbei (mitsamt Trainingsplan in Papierform). Ich solle doch mal die Hanteln da (sie zeigte auf 10-Kilo-Kurzhanteln) nehmen und damit Seitheben mit 20 Wiederholungen machen. Nach Fitnessgrad oder Erfahrung mit Hanteltraining wurde nicht gefragt.

Und jung und unerfahren wie ich war, tat ich, wie mir geheißen. Ergebnis: Ich schaffte natürlich KEINE 20 Wiederholungen, weil das Gewicht viel zu schwer war für mich als Newbie. Nach kürzester Zeit hatte ich von dem Studio also die Nase voll und war wieder auf der Suche.

Kohls Frau stirbt und mir fahren Schmerzen in die Schulter

Hannelore Kohl (†68, hier im Oktober 1997) nahm sich im Juli 2001 das Leben.
Hannelore Kohl (†68, hier im Oktober 1997) nahm sich im Juli 2001 das Leben.  © Fabian Matzerath/dpa

Im Sommer 2001 schließlich eröffnete ein neuer Fitness-Tempel in meiner Heimatstadt. Mit einem Schnuppertraining warb man für sich. Das fand dann auch statt, am 5. Juli 2001.

Während ich von einem bis zu den Zehenspitzen muskelbepackten Trainer durch die heiligen Hallen geführt wurde, beschallte der lokale Radiosender die Räumlichkeiten via Lautsprecher.

Zunächst lief Musik aus den Charts. Der Trainer zeigte mir derweil einige Maschinen.

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Schließlich kamen die Nachrichten und verkündeten den Tod von Hannelore Kohl (†68). Die Frau von Ex-Kanzler Helmut Kohl (†87) hatte sich mit einer Überdosis Tabletten das Leben genommen.

Während die News noch lief, sollte ich mich auf die Butterfly-Maschine setzen. Die Dinger greift man ja so, dass der schaumstoffgepolsterte Teil am Unterarm aufliegt.

Doch der Trainer meinte, dass ich viel weiter oben greifen solle. Oben ins Gestänge, wo keine Polster mehr sind. Das würde viel mehr bringen.

Und so machte ich das zweite Mal den Fehler, auf Trainingspersonal zu hören. Ich fasste also weit hoch und begann, die beiden Metallarme vorne zusammendrücken zu wollen. Da passierte es: Wie ein elektrischer Schlag traf mich ein heftiger Schmerz in der rechten Schulter!

Nun verausgabe ich mich im Home Gym

Besetzte Geräte gibt es im Home Gym nicht. Und bei Bedarf kann ich sie auch einfach umstellen, in diesem Fall die Curlbank an die Kraftstation, um Bizeps-Curls mit dem Seil zu absolvieren.
Besetzte Geräte gibt es im Home Gym nicht. Und bei Bedarf kann ich sie auch einfach umstellen, in diesem Fall die Curlbank an die Kraftstation, um Bizeps-Curls mit dem Seil zu absolvieren.  © privat

Die Gewichte krachten sofort hinten zusammen, ich hielt mir die schmerzende Stelle.

Auch mehr als 20 Jahre später erinnere ich mich noch gut, wie ich danach den Laden verlassen wollte - und der Trainer tatsächlich versuchte, mir vorher noch eine Mitgliedschaft im Studio anzudrehen. Als ob ich danach noch Lust darauf gehabt hätte!

Und so war es schließlich der Tag, an dem Hannelore Kohl starb, als ich die Nase endgültig von Studios voll hatte und nach und nach begann, mir mein eigenes Equipment zu kaufen.

Mehrmals verkaufte ich Sachen - immerhin zog ich in den zurückliegenden Jahren mehrfach um. Nicht immer konnte ich da viel mehr mitnehmen als eine Hantelbank und ein paar Kurzhanteln.

Jetzt hatte ich jedoch die Möglichkeit, mir einen Raum ganz als Sportzimmer einzurichten - und die nahm ich wahr. In mein kleines Home Gym habe ich etwa eine Smith Machine gestellt und eine Kraftstation. Dazu noch diverse Kurzhanteln. Das reicht mir erstmal.

Somit kann ich mich inzwischen mehrmals die Woche auspowern. Und das Beste: Nie mehr ist ein Gerät besetzt. Und ich verletze mich auch nicht mehr auf Traineranweisung. Höchstens noch durch eigenen Übermut...

Titelfoto: Montage: Fabian Matzerath/dpa, privat

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