Alarm nach Ebola-Ausbruch: WHO ruft internationale Gesundheitsnotlage aus
Von Albert Otti
Genf - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda eine internationale Gesundheitsnotlage ausgerufen.
Mit diesem Schritt will die UN-Behörde in Genf unter anderem Nachbarländer in erhöhte Alarmbereitschaft versetzen und die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft mobilisieren. Es handle sich jedoch um keinen Pandemie-Alarm, stellte die WHO klar.
Bislang sind etwa 250 Fälle und 80 Todesfälle vor allem in der Provinz Ituri im Nordosten des Kongo bekannt. Der ansteigende Trend von Verdachts- und Todesfällen in Ituri weise aber darauf hin, "dass der Ausbruch möglicherweise viel größer ist als bislang entdeckt und berichtet", hieß es von der WHO.
Deshalb bestehe ein beträchtliches Risiko für eine lokale und regionale Ausbreitung des Virus. Die Provinz Ituri grenzt an Uganda und den Südsudan. Zusätzlich habe man es in dem am stärksten betroffenen Gebiet mit einer fragilen Sicherheitslage, einer humanitären Krise und starken Bevölkerungsbewegungen zu tun.
Zudem gebe es keinen zugelassenen Impfstoff für den Bundibugyo-Stamm des Ebola-Virus, der hinter dem Ausbruch steckt. Deshalb handle es sich um ein "außergewöhnliches Ereignis". Allerdings hat die Bundibugyo-Variante nach Angaben des US-amerikanischen Gesundheitsinstitutes NIH eine niedrigere Sterblichkeitsrate von etwa 37 Prozent als der Zaire-Stamm mit bis zu 90 Prozent.
Hohes Risiko für alle zehn Nachbarländer
Bislang seien in der Provinz Ituri im Nordosten des Kongo 8 nachgewiesene und 246 mutmaßliche Fälle der gefährlichen Fieberkrankheit aufgetreten, hieß es. Zusätzlich sei bereits ein Fall in der weit entfernten Hauptstadt Kinshasa nachgewiesen worden.
Zudem seien zwei infizierte Personen aus dem Kongo nach Uganda gereist. Die WHO berichtete von bislang 80 mutmaßlichen Ebola-Todesfällen in Ituri. Einer der reisenden Personen sei ebenfalls verstorben.
Die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC hatte zuletzt für die Demokratischen Republik Kongo etwas höhere Zahlen, nämlich 336 Verdachtsfälle und 88 Todesfälle gemeldet.
Ebola ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen.
Alle zehn Nachbarländer der Demokratischen Republik Kongo seien nun einem hohen Risiko ausgesetzt, warnte die WHO. Diese Staaten sollten dringend Vorbereitungen treffen, um auftretende Ebola-Fälle rasch zu entdecken und behandeln zu können.
Die Demokratische Republik Kongo und Uganda sollten laut WHO dafür sorgen, dass Infizierte und ihre Kontaktpersonen nicht in andere Länder reisen. Andere Staaten sollten hingegen keine Reisebeschränkungen erlassen oder ihre Grenzen dichtmachen, betonte die UN-Organisation. Denn dann würden Menschen auf inoffizielle Grenzübergänge ausweichen, die nicht überwacht würden. Das erhöhe wiederum das Verbreitungsrisiko von Ebola, warnte die WHO.
Titelfoto: Jerome Delay/AP/dpa

