"Letzte Generation": Das planen die Klimakleber jetzt

Hamburg - Die Klimaaktivisten der "Letzten Generation" planen in den kommenden Wochen weitere Aktionen und neue Protestformen im Großraum Norddeutschland. Das wurde am vergangenen Sonntag im sogenannten "Infocall Nord" besprochen.

Die "Letzte Generation" plant wieder neue Aktionen im Raum Norddeutschland. (Symbolbild)
Die "Letzte Generation" plant wieder neue Aktionen im Raum Norddeutschland. (Symbolbild)  © Hendrik Schmidt/dpa

TAG24 liegen die Notizen eines Teilnehmers der internen Videokonferenz vor. Bevor es ab dem 19. April in Berlin Proteste im Regierungsviertel geben soll, plant die Region Nord, zu der Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen sowie Teile Hessens und Nordrhein-Westfalens gezählt werden, eigene Aktionen.

Die "Letzte Generation" hat dazu vier Städte als Schwerpunkte auserkoren: Kassel, Bielefeld sowie Flensburg und Kiel im Wechsel.

Montag und Dienstag machen die Aktivisten zu Reisetagen. An diesen Tagen wollen sie bis einschließlich 4. April in den genannten Städten größere Proteste oder Aktionen durchführen. Manche seien schon vorbereitet, manche noch nicht. Genauere Angaben wurden nicht gemacht. Donnerstage und Freitage sollen die Untergruppen für lokale Proteste nutzen.

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Das Ziel: "Wir wollen dabei hoffentlich noch ein paar Städte gewinnen", erklärte einer der Aktivisten den Zuhörern. Damit sprach er Hannover an, einen der bisherigen Aktionsschwerpunkte der "Letzten Generation" im Norden. Die Situation dort wird von den Klimaklebern als "Win" verbucht, weil sich Oberbürgermeister Belit Onay (42, Die Grünen) hinter ihre Forderungen gestellt hat.

Bereits in der kommenden Woche will die "Letzte Generation" etwas Neues ausprobieren.

"Letzte Generation" will neue Protestform bundesweit testen

Bei ihren Protesten Anfang Februar in Hannover besetzte die "Letzte Generation" das Ernst-August-Denkmal und beschmierte es mit Farbe.
Bei ihren Protesten Anfang Februar in Hannover besetzte die "Letzte Generation" das Ernst-August-Denkmal und beschmierte es mit Farbe.  © Julian Stratenschulte/dpa

Erstmals soll es sogenannte Protestmärsche geben. "Wir fangen genauso an wie sonst, wenn wir klebenderweise Kreuzungen oder Ausfahrten blockieren", erläuterte der Aktivist und fügte hinzu: "Aber wir gehen bei Grün rauf, warten, bis die Ampel umspringt, bis die Autos Grün kriegen, und gehen dann in die Richtung los. Wir gehen ganz langsam durch die Stadt."

Dabei solle der Aufzug "dicht geschlossen" auftreten, flankiert von Bannern an den Seiten. "Das soll dazu dienen, dass die Leute nicht rausspringen und aggressiv werden."

Von diesen wenig innovativen, unangemeldeten Demonstrationen erhofft sich die "Letzte Generation", dass sich Passanten dem Marsch anschließen würden.

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Diese "neue Protestform" wolle man überall in Deutschland ausprobieren und damit Erfahrung sammeln, um sie ab dem 19. April in Berlin einfließen zu lassen.

Auch in der übernächsten Woche soll es weiter regionale und lokale Aktionen geben. Dabei setzten die Aktivisten auf die Unterstützung der Wissenschaft. Am Freitag, dem 31. März, sollen Forscher die Proteste unterstützen und kurze Redebeiträge halten.

"Letzte Generation" will "eskalieren"

Gewalt durch andere, wie hier Anfang März in Hamburg, kalkulieren die Aktivisten der "Letzten Generation" bewusst ein.
Gewalt durch andere, wie hier Anfang März in Hamburg, kalkulieren die Aktivisten der "Letzten Generation" bewusst ein.  © Lenthe-Medien/Reimer

Interessant wird es danach. "In Woche vier (Anm. d. Red.: ab dem 3. April) versuchen wir noch zu eskalieren mit sogenannten Eventcrashes."

Als Beispiele nannte der Sprecher die gestörte Regionsversammlung in Hannover und Farbe auf einem Denkmal. Es könne aber auch sein, ein "Fußballspiel oder eine andere Sportveranstaltung zu stören" - oder eine Modeschau. Es gehe dabei um "ungehorsamen Protest", der lautstark und sichtbar sei.

"Bedenkt, dass wir bei manchen Aktionsformen höhere Sachschäden anrichten, und dass das vielleicht nur Menschen machen können, die als sogenannte 'Wildbiene' bereit sind, unter Umständen als Schuldnerin zu leben." Als "Wildbiene" bezeichnen sich die Aktivisten der "Letzten Generation", die Veranstaltungen stören oder Repressionen in Kauf nehmen.

Das ist ein ganz zentraler Punkt der Proteste, um den es auch Ende März an einem Strategietag um zivilen Widerstand gehen soll. Eine Aktivistin kündigte diesen mit den Worten an: "Es muss schon auch so was wie eine Opferbereitschaft geben." Die Repressionen wie Gewalt auf der Straße durch Autofahrer oder Polizisten, Shitstorms in der Presse sowie juristische Verfolgung seien "ganz entscheidend". Klimaschützer als Märtyrer?

In der Woche ab dem 10. April soll es im Norden übrigens ruhig bleiben, da sich die Aktivisten auf die Proteste in Berlin vorbereiten.

Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa

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