Dresden - Hört, hört! Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat sich jüngst gegenüber einer Besteuerung hoher Vermögen "nicht abgeneigt gezeigt". Bislang kam das für ihn überhaupt nicht infrage. In die Tüte schon gar nicht.
Ein Blick auf die Fakten: Die Vermögenssteuer wird in Deutschland bereits seit 1997 nicht mehr erhoben. Formal ist sie aber nur ausgesetzt, nicht abgeschafft. Eine Wiederaufnahme der Praxis lehnt die Bundes-CDU in ihrem Wahlprogramm ab.
Warum jetzt Kretschmers "Wende"? Aus Not, könnte man vermuten. Der CDU steht das Wasser bis zum Hals. Die AfD feiert mal wieder Umfrageerfolge.
Dazu kommen leere Kassen: Ganz Deutschland bangt und zerreißt sich parallel das Maul über den Euphemismus "Sondervermögen", der übersetzt "Schulden" heißt.
Doch mit etwas mehr finanziellem Spielraum ließe sich einiges machen. Bloß: Steuererhöhungen sind unpopulär. Den Reichen ans Leder zu gehen, klingt in den Ohren des Steuerzahlers dagegen schon viel besser.
Und wenn man - mit etwas zeitlichem Abstand, versteht sich - die Steuern für alle dann doch hochsetzt, kann man darauf verweisen, vorher andere Mittel bereits ausgeschöpft zu haben.
Darüber hinaus ist Kretschmer nicht nur für das Aussprechen unbequemer Wahrheiten bekannt, sondern auch für Vorschläge jenseits des Mainstreams. Bei der Vermögenssteuer ist er allerdings nicht allein. Parteikollege Kai Wegener fordert eine Einführung schon länger. Die Linke sowieso.