Von Robin Wille
Leinfelden-Echterdingen - Um Kosten zu sparen und sich wettbewerbsfähiger aufzustellen, will der Nutzfahrzeughersteller Daimler Truck künftig einen Teil seiner Lkw-Produktion nach Tschechien verlagern.
Dass ein Teil der Produktion von Mercedes-Benz Trucks in ein Land mit Kostenvorteilen verlagert werden soll, war schon länger bekannt. Im vergangenen Jahr hatte Daimler Truck das Sparprogramm "Cost Down Europe" ausgerufen. Bis 2030 sollen die laufenden Kosten auf dem Heimatkontinent um mehr als eine Milliarde Euro sinken.
Deshalb soll sich das europäische Produktionsnetzwerk zum Ende dieses Jahrzehnts mit einem Montagestandort in Cheb, im Westen Tschechiens und in Grenznähe zu Deutschland, erweitern. Das teilte der Dax-Konzern aus Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart mit.
Ausgelegt sei der neue Standort auf eine Produktionskapazität von rund 25.000 Einheiten pro Jahr. Gut 1000 Arbeitsplätze sollen dort entstehen.
Daimler Truck werde einen niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionenbetrag in den neuen Standort investieren. Dieser biete "sowohl bei der Logistik als auch bei den Kostenstrukturen überzeugende Voraussetzungen", hieß es laut Mitteilung.
Das Unternehmen wolle effizienter, resilienter und flexibler angesichts einer steigenden Komplexität durch zunehmende Variantenvielfalt bei den Fahrzeugen werden. Der Standort Wörth am Rhein (Rheinland-Pfalz) bleibe Leit- und Volumenwerk im Produktionsverbund.
Standort in Wörth wird weiterentwickelt
"Wir stoßen hier ständig an Grenzen, auch räumlicher Natur", sagte Jürgen Distl, Leiter Operations bei Mercedes-Benz Trucks, der Deutschen Presse-Agentur. Ein Teil des Volumens werde an den neuen Standort gehen. Wie viel genau, sagte Distl nicht. Das werde dazu führen, "dass wir in Wörth in einem normalen Jahr weniger Lkw bauen werden".
Gleiches gelte für das Werk im türkischen Aksaray. Aber: "Der Löwenanteil wird immer noch aus Wörth kommen." Zur Einordnung: In Wörth ist dem Unternehmen zufolge eine Produktion von etwa 100.000 Fahrzeugen möglich. 2025 seien es rund 66.000 Fahrzeuge gewesen, 2023 rund 97.000. In Aksaray seien gut 30.000 Einheiten pro Jahr möglich.
Der neue Standort in Cheb verschaffe Wörth "die dringend benötigte Luft zum Atmen", sagte Distl laut Mitteilung. Der Standort Wörth werde so weiterentwickelt, dass er auch unter sich verändernden Marktbedingungen in Zukunft dauerhaft wirtschaftlich fertigen könne.