Erschütternde Marke überschritten: Mehr als 1000 Tote nach Himalaya-Flut
Von Carola Frentzen, Johannes Neudecker, Dirk Godder, Roshan Sedhai
Kathmandu/Gyirong - Fast eine Woche nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya hat die Zahl der Toten eine erschütternde Marke überschritten: Die Polizei in Kathmandu meldete allein in Nepal bis zum Nachmittag (Ortszeit) 1058 Tote, darunter 65 Kinder und 390 Leichen, die bisher nicht identifiziert werden konnten. China hatte zuletzt von 16 Opfern auf der tibetischen Seite berichtet. Die Lage bleibt aber unübersichtlich - und die Zahl der Vermissten wächst immer noch, auf jetzt mehr als 5100.
Der jüngsten Polizeistatistik zufolge gibt es allein in Nepal seit dem Unglück keinen Kontakt mehr zu fast 4600 Menschen.
In Tibet gelten knapp 550 Menschen als vermisst. Eine durch einen Gletscherabbruch ausgelöste Flut aus Wasser, Eis, Schlamm und Geröll hatte am vergangenen Mittwoch eine Schneise der Verwüstung durch die Grenzregion gezogen und alles mitgerissen, was in ihrem Weg stand.
Auch von Hunderten Ausländern fehlt seit der Katastrophe jede Spur, darunter laut Auswärtigem Amt von "einigen Deutschen".
Einem Sprecher zufolge gibt es noch immer keinen genauen Überblick. Die Behörden in Nepal sprechen von acht vermissten Deutschen.
Eine vierköpfige Familie aus Bayern war hingegen in den Tagen nach der Flut gerettet und mit einem Hubschrauber in Sicherheit gebracht worden.
Es gibt noch keine vollständigen Namenslisten
Das ganze Ausmaß der Katastrophe ist weiter unklar. Die genannten Zahlen der Vermissten seien immer noch vorläufig, sagte Polizeisprecher Abi Narayan Kafle der Deutschen Presse-Agentur.
Es gebe keine vollständigen Namenslisten, da die meisten Informationen telefonisch von Angehörigen, Freunden und anderen stammten.
Die Erstellung einer vollständigen Liste werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen, sagte der Sprecher.
Von vielen der geborgenen Toten seien zudem nur Knochenfragmente oder Leichenteile gefunden worden.
Alle geborgenen sterblichen Überreste könnten jedoch per DNA-Analyse identifiziert werden, was den Familien möglicherweise später bei ihren Bestattungsriten helfen könne.
Experten warnen vor gefährlichen Krankheiten
Mitarbeiter der Hilfsorganisation Save the Children berichteten von katastrophalen hygienischen Bedingungen im Unglücksgebiet - und zahlreichen Leichensäcken entlang der Straße, die von Kathmandu in die weitgehend zerstörte Stadt Trishuli Bazar führt.
"Verwesende menschliche und tierische Überreste, nicht entsorgter Abfall und stehendes Wasser erhöhen zusätzlich das Gesundheitsrisiko für die Menschen in der Region", hieß es in einer Mitteilung der Organisation.
Dass es in einigen der besonders betroffenen Regionen weiter regne, mache die Situation noch schlimmer.
Überschwemmungen können Abwässer und Fäkalien in Trinkwasserquellen spülen, Latrinen können beschädigt, Kläranlagen überflutet sein.
In den Notunterkünften werden nach Angaben der Organisation bereits Kinder mit Fieber und Atemwegsinfektionen behandelt.
Titelfoto: Montage: Dar Yasin/AP/dpa, Uncredited/YNA/dpa, Jigme Dorje/Xinhua vía AP/dpa

