Waldbrände in Spanien und Frankreich: Hunderttausende auf der Flucht vor den Flammen

Von Margaux Bergey und Lucas Croset

Frankreich/Spanien - Die beispiellosen Brände in Frankreich und Spanien haben bis zum Wochenende mehr als 300.000 Menschen zur Flucht gezwungen. Viele harren in Notunterkünften aus.

In Spanien versucht man, die Brände aus der Luft zu löschen.  © JOSE JORDAN / AFP

In Südwestfrankreich breiteten sich die Flammen nahe Bordeaux laut Innenminister Laurent Nuñez zuletzt "unkontrolliert" aus und rückten am Sonntag bis auf 15 Kilometer an die Grenzen des Großraums der Stadt heran. In Spanien mussten Zehntausende nahe Madrid ihre Häuser verlassen; bei Valencia brach ein neues Feuer aus.

Elvira Menéndez hat in der Nacht wenig geschlafen. "Es gibt hier Hunde, die Leute schnarchen", sagte die 80-Jährige aus dem Dorf Chapinería über die städtische Turnhalle, die ihr wegen der beispiellosen Waldbrände nahe Madrid derzeit als Notunterkunft dient.

Seit Freitag lebt Menéndez, wie 200 weitere Einwohner der Region, in der Halle in Villaviciosa de Odón, wo Dutzende Feldbetten aufgereiht sind.

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Freiwillige versuchen, Kinder mit Spielen und Malen die Zeit zu vertreiben. Andere verteilen Mahlzeiten. "Die Freiwilligen kümmern sich gut um uns, wir haben Decken bekommen und Duschmöglichkeiten", sagte Menéndez der Nachrichtenagentur AFP. Als die Flammen näher an ihr Dorf heranrückten, habe sie Angst gehabt, dass ihr gesamtes Leben "in Rauch aufgeht".

In Spanien versuchten die Behörden am Sonntag weiterhin mit aller Kraft, die Brände unter Kontrolle zu bringen. Bis Sonntag mussten sich nahe der Hauptstadt Madrid insgesamt 60.000 Menschen in Sicherheit bringen.

Auch Victoria Hurtado, eine 61-jährige Pflegekraft, floh aus Chapinería – zusammen mit einem älteren, kranken Mann, den sie jeden Tag betreut. Beide hatten gerade noch Zeit, eine kleine Tasche mit Kleidung und Medikamenten zu packen.

Antonio-Luis Rodríguez ist mit seinem Sohn in der Turnhalle untergekommen, beide haben nur die Kleidung dabei, die sie am Leib tragen. Der noch immer leicht unter Schock stehende 48-Jährige macht sich Sorgen um seinen Hund, den er auf seinem Bauernhof nahe des geräumten Dorfes San Martín de Valdeiglesias zurückgelassen hat.

Rodríguez macht die Behörden für die Brände verantwortlich, die seiner Meinung nach das Unterholz nicht ausreichend gerodet hatten. Er beklagte zudem, dass so viele Bauernhöfe in Spanien aufgegeben worden seien. Die brachliegenden Felder seien in einem "erbärmlichen Zustand, und beim geringsten Funken breiten sich die Flammen wie ein Lauffeuer aus".

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In den betroffenen Gegenden haben Hunderte Familien ihr Zuhause verloren.  © ROMAIN PERROCHEAU / AFP

Rund 250.000 Menschen auch in Frankreich evakuiert

Einsatzkräfte, wie hier in der Nähe von Bordeaux, kämpfen bis zur vollständigen Erschöpfung gegen die Flammen.  © Alain JOCARD / AFP

Im Nachbarland Frankreich, wo ebenfalls beispiellose Waldbrände wüten und seit Mittwoch rund 250.000 Menschen evakuiert wurden, spielen sich in einer Notunterkunft in Bordeaux ähnliche Szenen ab. Tausende Touristen und Einheimische versuchen, zwischen Feldbetten, Luftmatratzen und Stapeln von Lebensmittelvorräten zur Ruhe zu kommen.

Einige Menschen stehen für einen Becher Kaffee an. Vor der Halle spielen Kinder Fußball und Federball. Rauch hängt in der Luft, Masken werden verteilt.

Die 75-jährige Urlauberin Nuala Kelly aus Irland erklärt, sie habe so etwas noch nie gesehen. "Und ich bin um die ganze Welt gereist und war schon in vielen Situationen", sagte sie. Die Evakuierung sei "eine Erfahrung, auf die ich gern verzichtet hätte. Aber alle hier waren sehr nett und sehr zuvorkommend, also müssen wir dankbar sein", betonte sie.

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Der 38-jährige Olivier Stewart musste mit seiner Frau und seinen kleinen Kindern aus Mérognac fliehen. "Die Kinder sind besonders verunsichert. Sie glauben, das Feuer würde das Haus niederbrennen, aber wir kommen zurecht", sagte er.

Einige Menschen haben ihre Haustiere mitgebracht, Futter und Katzenstreu stehen bereit. Für den Transport älterer Menschen wurden mehrere Busse gechartert.

Auch nahe Bordeaux ist die Feuerwehr im Dauereinsatz.  © Alain JOCARD / AFP

Indes breiteten sich die Flammen weiter aus. Am Sonntag war der Brand bereits bis 15 Kilometer an die Grenzen des Großraums Bordeaux herangerückt - eine Evakuierung des eine Million Einwohner zählenden Großraums wurde jedoch bislang ausgeschlossen.

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