Marcant macht Content gegen rechts, indem er mit Menschen auf Nazi-Demos spricht: Dafür erhält er Mord-Drohungen

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Frankfurt am Main/Mainz - Marcant (24) aus Frankfurt am Main geht auf Nazi-Demos, spricht dort mit Teilnehmern, stellt Fragen, versucht aufzuklären und zeigt die entstandenen Videos sehr erfolgreich auf TikTok, erreicht so Millionen Menschen.

Marcant (24) versucht mit den Menschen, die auf Nazi-Demos gehen, ins Gespräch zu kommen, ihre Beweggründe zu erfahren und aufzuklären.
Marcant (24) versucht mit den Menschen, die auf Nazi-Demos gehen, ins Gespräch zu kommen, ihre Beweggründe zu erfahren und aufzuklären.  © DF/Maximilian Neidlinger, probonoTV

Für die ZDF-Doku-Reihe "37°Leben" hat ein Journalist den Content Creator begleitet und ausführlich interviewt. Dass man mit Nazis nicht rede, das sei überholt, sagt Marcant. "Heute reden die Nazis in Parlamenten, reden im Internet, haben hunderttausende Follower und Followerinnen."

Auf den Demos möchte er von den Menschen in ruhigem, freundlichem Ton wissen, warum sie mit ausgewiesenen Rechtsextremen marschieren, wie sie über den Holocaust denken, oder stellt Fragen wie "Warum bist Du stolz auf die weiße Rasse?". Viele Antworten erhält er nicht, stattdessen wird er übel beschimpft oder aufgefordert, sich zu "verpissen".

Aufmerksam auf das sich rasant ausbreitende rechtsextreme Gedankengut wurde er auf TikTok. "Vor 80 Jahren war der Holocaust und jetzt werden rechtsextreme Lieder von 14-jährigen Mädchen gelipsynct", sagt Marcant.

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Da habe er gegensteuern wollen. "Ich versuche, vor allem Jugendliche, die rechtes Gedankengut haben, aufzuklären und auch generell die Gesellschaft mitzunehmen und auf bestimmte Dinge aufmerksam zu machen."

"Es gibt wenige Todeslisten, auf denen ich nicht stehe", sagte TikToker Marcant

Täglich erhält Marcant wegen seiner Arbeit Drohungen. Er habe sein altes Leben hinter sich lassen müssen, sagt der 24-Jährige.
Täglich erhält Marcant wegen seiner Arbeit Drohungen. Er habe sein altes Leben hinter sich lassen müssen, sagt der 24-Jährige.  © ZDF/Maximilian Neidlinger, probonoTV

Doch sein Erfolg und seine Bekanntheit haben auch ihre dunkle Seite. Täglich erhalte er Drohungen, sagt er. "Es gibt wenige Todeslisten, auf denen ich nicht stehe." Sein altes Leben habe er hinter sich gelassen, sei mehrfach umgezogen, sein aktueller Wohnort bleibt geheim. Auch die Gesichter seiner Mitarbeiter wurden in der Doku unkenntlich gemacht, um sie zu schützen.

"Manchmal würde ich gerne kurz in ein anderes Leben eintauchen", sagt Marcant nachdenklich. Dann überwiegt aber doch die Freude über das bereits Erreichte. Rund 500 junge Menschen hätten ihm inzwischen geschrieben, dass sie wegen seiner Videos aus der Naziszene ausgestiegen seien.

Das erfüllt den 24-Jährigen mit Stolz. Gewürdigt wurde seine Arbeit jüngst auch mit der renommierten Theodor Heuss Medaille, die er für sein "herausragendes demokratiepolitisches Engagement im Kampf gegen Rechtsextremismus" erhielt.

Marcant (2.v.r.) bei der Verleihung der Theodor Heuss Medaille 2026.
Marcant (2.v.r.) bei der Verleihung der Theodor Heuss Medaille 2026.  © ZDF/Maximilian Neidlinger, probonoTV

Zu sehen ist die "37°Leben"-Doku "Marcant - Content gegen Rechts" am Sonntag (5. Juli) um 9.03 Uhr im ZDF und bereits jetzt im Stream auf ZDF.de.

Titelfoto: ZDF/Maximilian Neidlinger, probonoTV

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