Proteste am Brenner-Pass: Sperre aufgehoben, Behörden ziehen vorläufige Bilanz
Von Matthias Röder und Paulina Sternsdorf
Matrei am Brenner (Österreich) - Mehrere tausend Menschen haben am Samstag am Brenner-Pass in Österreich gegen die enorme Verkehrsbelastung auf der wichtigen Transitroute protestiert. Bei der Kundgebung in Matrei am Brenner zeigten die Teilnehmer Schilder mit Aufschriften wie "Genug ist genug!" und "Ruhe im Tal". Die Sperre wurde am Abend aufgehoben. "Alle Spuren sind wieder offen", sagte ein Sprecher des Autobahnbetreibers Asfinag am Samstagabend der Deutschen Presse-Agentur.
"Es ist sensationell", sagte Protest-Initiator Karl Mühlsteiger zur Zahl der Demonstranten.
"Das geht heute in die Geschichte Tirols ein", meinte Mühlsteiger, der Bürgermeister der nahen Gemeinde Gries am Brenner ist. Wegen des Protests war die Brenner-Route bis zum Abend für Transitfahrten gesperrt. Viele Demonstranten reisten mit Zügen und Fahrrädern an.
Auf einigen Transparenten machten die Demonstrierenden zudem ihrem Unmut über die schleppende Planung der bayerischen Zulaufstrecke zum Brennerbasistunnel Luft.
Die Bahnverbindung soll nach ihrer Fertigstellung dazu beitragen, mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern und die Autobahnen zu entlasten.
2025 nutzten 11 Millionen Autos die Brennerautobahn
Die Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Belastung: Allein im Jahr 2025 nutzten laut Autobahnbetreiber Asfinag knapp 11 Millionen Autos und rund 2,5 Millionen Lkw die mautpflichtige Brennerautobahn.
Damit gilt die Route als die meistbefahrene Nord-Süd-Verbindung über die Alpen. Nach Berechnungen des Verkehrs- und Umweltverbands VCÖ rollten bereits im Vorjahr nahezu dreimal so viele Lastwagen über den Brenner wie über sämtliche Alpen-Transitstrecken in der Schweiz zusammen.
Die Stau-Experten des ÖAMTC rechneten am frühen Samstagmorgen, noch vor der Brennersperre, mit einem hohen Stauaufkommen, doch der Verkehr blieb erstaunlich ruhig.
Die Brenner-Autobahn (A13) in Österreich war von 11 Uhr bis 19 Uhr für Autos und Motorräder nicht befahrbar. Auf der italienischen Seite des Grenzpasses galt die Sperre von 10.30 Uhr bis 20 Uhr.
Die Behörden in Tirol zogen eine positive vorläufige Bilanz des Demonstrations- und Blockadetags. Insgesamt seien 219 Lastwagen an der gesperrten Transitstrecke zurückgewiesen worden, hieß es von der Polizei.
Erstmeldung: 9.33 Uhr, Update: 19.33 Uhr.
Titelfoto: Matthias Röder/dpa

