Mit dem Internet kam die Versuchung: Passauer Bischof will offene Diskussion über Zölibat

Passau - Der Passauer Bischof Stefan Oster (57) hat für eine offene Diskussion über das Priesterzölibat in der katholischen Kirche plädiert.

Der Passauer Bischof Stefan Oster (57) findet reichlich nachvollziehbare Argumente, die gegen ein Priesterzölibat sprechen.
Der Passauer Bischof Stefan Oster (57) findet reichlich nachvollziehbare Argumente, die gegen ein Priesterzölibat sprechen.  © Armin Weigel/dpa

Bei der Abstimmung über die Lockerung des Zölibats auf der Synodalversammlung in Frankfurt habe er sich enthalten. "Es ist die Lebensform Jesu", sagte Oster der "Passauer Neuen Presse" am Samstag.

"Aber wenn es in unserer Gesellschaft zu viele gibt, die daran scheitern und die Beispiele derer, die es gelingend und erfüllt leben können, weniger werden, dann müssen wir nachdenken."

Vor 40 Jahren habe ein Pfarrer eine Pfarrei mit einem Kaplan und einer Haushälterin gehabt und "in einer Gemeinschaft gelebt, die seine Lebensform mitgetragen und unterstützt hat", sagte der Bischof.

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"Heute hat mancher Pfarrer fünf Pfarreien, keine Haushälterin und Kaplan mehr, aber die ganze technologische Revolution" mit allem, "was an Internet-Versuchungen ins Haus kommt. Und die Gemeinde findet oft alle Lebensformen angemessen, nur seine irgendwie komisch."

Es gibt bereits katholische Priester, die verheiratet sind

Der Zölibat sei nicht konstitutiv für die Priesterweihe. Es gebe evangelische Pfarrer, "die katholisch und bei uns dann zum Priester geweiht wurden. Die bleiben natürlich verheiratet."

Auch in den mit Rom verbundenen Ostkirchen gebe es verheiratete Priester. Ob Frauen zur Diakonin geweiht werden können, müsse Rom entscheiden, sagte Oster.

Sollte sich der Papst dafür entscheiden, würden aber wahrscheinlich Diskriminierungsvorwürfe im Hinblick auf die Priester- und Bischofsweihe noch stärker - mit dem Argument: "Wo es wirklich um Macht geht, das behalten sie sich vor."

Titelfoto: Armin Weigel/dpa

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