Düsseldorf - Rums! Diese Forderung dürfte bei (vor allem älteren Paaren) durch Mark und Bein gehen und für mächtig Unmut sorgen: Geht es nach dem Wirtschaftsweisen Martin Werding von der Ruhr-Universität Bochum, dann sollte die Witwenrente perspektivisch abgeschafft werden.
"Die Witwenrente ist nicht mehr zeitgemäß, heute können Frauen selbst vorsorgen. Das Familienrecht ist weiter als das Sozialrecht", sagte Werding der Rheinischen Post.
Er argumentierte, dass die Witwenrente, die von der Rentenversicherung als "versicherungsfremde Leistung" geführt werde, die deutsche Rentenkasse jedes Jahr beinahe 50 Milliarden Euro kosten würde.
Werding schlug ein Rentensplitting als Alternative vor: Demnach sollen sich Partner alle in der gemeinsamen Zeit erworbenen Rentenpunkte aufteilen.
Zu Lebzeiten beider Partner solle die Rente zudem etwas geringer als bisher ausfallen. Sobald einer stirbt, hätte der überlebende Partner dann "mehr als die Hälfte" zur Verfügung, so die Rechnung des Ökonomen.
Ökonom Martin Werding nennt Schweden als Beispiel im Umgang mit dem Thema Witwenrente
Werding, der selbst Teil der Rentenkommission gewesen ist, hält eine Reform der Witwenrente für "dringend notwendig". Die Kommission habe seiner Meinung nach das Thema nicht voll behandelt, sondern nur gestreift.
Im Abschlussbericht hieße es lediglich, dass "Reformoptionen" geprüft werden müssten, "welche die Hinterbliebenenversorgung an die geänderten gesellschaftlichen Normen und Rahmenbedingungen anpassen".
Als beispielgebend nannte der Bochumer Ökonom Schweden: Die Skandinavier hätten die Witwenrente 1990 abgeschafft - für alle Ehen, die danach geschlossen wurden.
Werding betonte zudem, dass das Thema nicht mit dem Holzhammer angegangen werden dürfe: "Natürlich muss es Bestandsschutz und Übergangsfristen geben", sagte er der Rheinischen Post.