Hamburg - Dass Geschäfte an Flughäfen oder Bahnhöfen ihre Preise gerne mal erhöhen oder sogar verdoppeln, ist bekannt. Was in einem "Relay"-Store am Hamburger Hauptbahnhof inzwischen aufgerufen wird, grenzt an einen Skandal.
Ein Sommertag in Hamburg, die Sonne lacht über der Hansestadt, blauer Himmel, 28 Grad. Menschen tummeln sich - wie immer - en masse am Hauptbahnhof, wirken gestresst, aber gut gelaunt.
Aufgrund der Temperaturen will sich der ein oder andere vor Reiseantritt natürlich mit einem Getränk eindecken.
Neben Rossmann und Edeka auf der Ostseite tummeln sich auf der schmaleren Westseite eher Bäckereien, Imbissbuden und Zeitungskiosks.
Letzter soll im Mittelpunkt dieses Kommentars stehen. Wer häufiger an Bahnhöfen unterwegs ist, dem ist sicherlich der Name "Relay" ein Begriff - ein meist kleiner Store, der Bücher, Zeitschriften, Zigaretten, aber auch ein großes Kühlregal voll mit diversen Getränken anbietet.
Man könnte meinen, hier sollte man zumindest etwas günstiger wegkommen als bei "Dean & David" und Co.
Falsch gedacht. Was in der Filiale am Hamburger Hauptbahnhof aufgerufen wird, ist aus Verbrauchersicht schlicht überzogen. Für ein Wasser mit Pfirsichgeschmack der Marke Volvic (0,75 Liter) werden - festhalten, bitte - sage und schreibe 6 Euro fällig (zzgl. 25 Cent Pfand wohlgemerkt).
Standortbesonderheit kein Freifahrtschein für beliebige Preise
Zum Vergleich: Beschriebenes Getränk kostet beim Lieferdienst "Wolt" 1,89 Euro. Bei "REWE" sogar nur 1,69 Euro (zzgl. Pfand). Im Vergleich zum Supermarkt entspricht das einem Preisaufschlag von rund 255 (!) Prozent.
Jetzt die Frage: In welcher Welt ist dieser Aufschlag - auch nach Abzug von Personal- und Mietkosten - noch zu rechtfertigen? Auch eine Coca-Cola (halber Liter) wird in besagtem Geschäft übrigens für 4,25 Euro (inkl. Pfand) angeboten.
Das Argument "Angebot-Nachfrage" hin oder her, aber ein 6-Euro-Wasser mit ein bisschen Geschmack sprengt jedes vernünftige Maß.
Gerade in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten überlegen viele Menschen zweimal, wofür sie ihr Geld ausgeben. Sechs Euro für ein Getränk wirken deshalb noch absurder.
Auf Nachfrage, ob denn sicher nur ein Wasser gescannt wurde, entgegnete die Verkäuferin - die vermutlich ihren ersten Tag hatte - "Ja, das sind Wucherpreise hier".
Wie lange sie danach wirklich noch hinter der Kasse stehen wird, sei mal dahingestellt. Eins muss man aber umso deutlicher anmerken: Chapeau, dass sie mit ihrem eigenen Arbeitgeber so deutlich ins Gericht geht. Aber: Recht hat sie.
Der Bahnhof mag ein besonderer Standort sein. Ein Freifahrtschein für nahezu beliebige Preise ist damit trotzdem nicht zu rechtfertigen.