Von Christof Rührmair
München - Die IG Metall Bayern macht in der laufenden Tarifauseinandersetzung ab Sonntag mit Warnstreiks Druck. Die erste Aktion startet bereits um Mitternacht, wie die Gewerkschaft mitteilt.
Das ist direkt mit dem Auslaufen der Friedenspflicht, die während der Laufzeit eines Tarifvertrages gilt. Am Montag soll es dann breitere Aktionen geben. Die Arbeitgeberseite kritisiert diese.
Den Auftakt zu den Warnstreiks machen die Beschäftigten demnach beim Münchner Unternehmen RF360, das Komponenten für Mobilfunkgeräte herstellt.
Am Sonntagabend soll dann auch die Nachtschicht von Aerotech in Peißenberg vorübergehend die Arbeit niederlegen.
"Der erste größere Warnstreik-Tag mit Arbeitsniederlegungen in 34 Betrieben überall in Bayern folgt am Montag", heißt es von der Gewerkschaft. Am Montagabend soll es dann auch einen der bayerischen Autohersteller treffen - welchen, sagt die IG Metall aber noch nicht.
"Wir erwarten von den Arbeitgebern ein Bekenntnis zum Standort und zu den Menschen in den Betrieben. Sie müssen auch selbst Beiträge leisten, statt nur den Verzicht der Beschäftigten zu fordern", sagt der bayerische Bezirksleiter Horst Ott.
Arbeitgeber: "Unangebrachtes Säbelrasseln"
Auch in anderen Bundesländern werden Warnstreiks erwartet. Die Bundesvorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, sagte: "Das sogenannte Angebot der Arbeitgeber provoziert in den Betrieben nur Unverständnis und Wut. Deswegen werden die Beschäftigten mit starken Warnstreiks darauf reagieren."
Die Arbeitgeberseite kritisiert die Warnstreiks dagegen. Das "Säbelrasseln" sei "völlig unangebracht", heißt es vom Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (vbm).
Dessen Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt betont: "Wir stehen mitten in einer der tiefsten und längsten Konjunktur- und Strukturkrisen der M+E-Industrie. Dazu wird den Unternehmen durch die Transformation alles abverlangt."
Man habe noch innerhalb der Friedenspflicht ein "tragfähiges und der Situation angemessenes Angebot" vorgelegt. "Althergebrachte Rituale und Erpressung durch Blockade bringen uns nicht voran."
Die IG Metall bewertet dieses Angebot allerdings völlig anders, nach der zweiten Verhandlungsrunde hatte sie von einem "Reallohn-Minus gesprochen". Sie fordert fünf Prozent auf zwölf Monate und will eine tariflich verankerte Gewinnbeteiligung bei Betrieben mit guter wirtschaftlicher Lage.
Dies lehnt der vbm ab. Er hatte eine Einmalzahlung im kommenden Jahr und eine Erhöhung um 1,3 Prozent im Juli 2028 angeboten.