Von Christine Schultze
Dreieich - Überraschung am Stadtweiher im südosthessischen Dreieich-Sprendlingen: Ein stattlicher Wels ist dort aus den Fluten aufgetaucht - und zwar tot!
Nach Angaben von Marco Wunsch, Vorsitzender des örtlichen Angelsportvereins, maß das Tier beachtliche 2,60 Meter und wog rund 100 Kilogramm. Der Fund wurde bereits am 10. März dieses Jahres gemacht.
In dem Verein besaß der Wels schon seit Jahrzehnten eine Art Legenden-Status. Bekannt sei gewesen, dass bereits in den 1980er Jahren zwei Jungwelse in den Weiher eingesetzt wurden, hieß es in einer Mitteilung des Vereins. Damals hätten drei Angler bei einer Skatrunde beschlossen, für den Spieleinsatz zwei Welse in der Lebendfisch-Abteilung eines Supermarktes zu kaufen und den Fischen so ein natürliches Leben zu ermöglichen.
Ein Wels sei bereits Ende der 1990er Jahre von einem Angler gefangen worden. In den folgenden Jahren seien dann dennoch "auffällig viele der neu besetzten Edelfische niemals gefangen" worden. Deshalb habe die Vermutung nahe gelegen, dass der zweite Wels noch immer da sein müsse - und großen Appetit habe.
Alle Versuche, das Tier anzufangen, seien jedoch erfolglos geblieben. 2006 sei der Weiher sogar leergepumpt und professionell abgefischt worden - ohne dass der Wels jedoch gefunden wurde. "Bemerkt wurde lediglich, dass ein großer Fisch ein Loch in das Abfisch-Netz gerissen hatte", hieß es in der Mitteilung.
Wels in Dreieich-Sprendlingen war wohl 40 bis 45 Jahre alt
So habe kaum noch jemand an die Existenz des "Riesenwelses" im Stadtweiher geglaubt, "und er wurde zum Mythos", hieß es in der Mitteilung. Doch nun seien die Mitglieder eines Besseren belehrt worden.
Schätzungen des Vereins zufolge dürfte der Koloss in Dreieich-Sprendlingen etwa 40 bis 45 Jahre alt gewesen sein. Dass er so lange lebte, findet Marco Wunsch nicht erstaunlich: Angesichts der reichlichen Fütterung mit viel Edelfisch und der guten Wasserqualität habe der Wels unter idealen Bedingungen gelebt.
Da die Tiere vorwiegend am Grund von Gewässern leben, bekomme man sie in der Regel nicht zu Gesicht.
Nach dem Abtransport, für den gleich zwei Schubkarren nötig waren, führte sein letzter Weg den Wels übrigens in eine Tierkörperverwertung. Einen Fisch dieser Größe und dieses Gewichts könne man "nicht einfach mal so im Hausmüll entsorgen", sagte Wunsch.