Energiekosten steigen, exotische Haustiere werden zum Problem: Lage spitzt sich immer weiter zu!

München - Wegen steigender Energiekosten geben viele ihre exotischen Haustiere in Tierheimen und Auffangstationen ab. Diese sind überfüllt – und die Betreiber wissen selbst nicht, wie sie die Stromkosten im Winter stemmen sollen.

Markus Baur (55), Tierarzt und Leiter der Station, macht sich erhebliche Sorgen um das wohl vieler exotischer Tiere in Deutschland.
Markus Baur (55), Tierarzt und Leiter der Station, macht sich erhebliche Sorgen um das wohl vieler exotischer Tiere in Deutschland.  © Felix Hörhager/dpa

Aus einer Ecke seines Terrariums beobachtet ein Netzpython aufmerksam das Geschehen in der Reptilien-Auffangstation in München. Immer wieder schnellt die tiefschwarze Zunge aus dem Maul der rund drei Meter langen Würgeschlange hervor.

Vor einigen Wochen sei das Tier einfach in einer Kiste vor einem Tierheim abgestellt worden, erklärt Markus Baur (55), Tierarzt und Leiter der Station.

"Der Netzpython ist in der Regel eher unfreundlich, das sind impulsive Schlangen", sagt er. Die Leiterin des Tierheims, die die Kiste vor der Tür fand, habe großes Glück gehabt. "Der hätte sie töten können."

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Aussetzungen exotischer Tiere wie diese kommen zuletzt häufiger vor. Als Grund vermutet Baur, der inzwischen seit mehr als 30 Jahren in der Reptilien-Auffangstation mitwirkt, die weiterhin steigenden Energiekosten im Land, die für Probleme sorgen. "Der Netzpython ist tropisch, er kommt aus Südostasien, er braucht ein dauerhaftes, zumindest Regenwald-ähnliches Klima", sagt der 55-Jährige.

Unter 25 Grad dürfe die Temperatur daher nicht fallen – sonst werde die Schlange krank.

Teuer gehandelte Reptilienarten werden im Netz zu extrem niedrigen Preisen angeboten

Auch ein Roter Teju ist unter anderem in der Reptilienauffangstation für exotische Tiere in einem Terrarium untergebracht.
Auch ein Roter Teju ist unter anderem in der Reptilienauffangstation für exotische Tiere in einem Terrarium untergebracht.  © Felix Hörhager/dpa

Solche Heizkosten müsse man sich allerdings auch erst einmal leisten können. "Wenn der Strompreis auf 50 Cent pro Kilowattstunde steigt, wird bei der Haltung einer Bartagame allein die UV-Beleuchtung mit jährlich rund 230 Euro zu Buche schlagen", rechnet Patrick Boncourt, Reptilienexperte beim Deutschen Tierschutzbund, verdeutlichend vor.

Mit zusätzlichen Kosten für Futter, Tierarztbesuche und den Betrieb von Tagesleuchten und anderem elektronischen Gerät fielen bei einer Echse schnell Kosten zwischen 500 und 800 Euro im Jahr an.

Da Tierheime sich oft nicht um die Exoten kümmern könnten, würden viele in Auffangstationen landen, sagt Baur. Die Station kämpfe - wie viele andere - bereits mit Platzproblemen: "Wir sind rappelvoll."

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Jeden Tag gingen dort etwa ein Dutzend Mails und Anrufe von Reptilienhaltern ein, die Tiere abgeben möchten. Im Internet würden normalerweise teuer gehandelte Reptilienarten darüber hinaus zu extrem niedrigen Preisen angeboten, sagt Baur.

Erst kürzlich seien in der Auffangstation in der bayerischen Landeshauptstadt außerdem auch zwei ausgesetzte Leopardgeckos angekommen, von denen einer aufgrund seiner gelb-gezüchteten Farbe Hunderte Euro wert sei.

Wohl der Exoten in den Wintermonaten gefährdet

Dutzende Mails und Anrufe, viele abgegebene Tiere: Tierheime und Auffangstationen sind teilweise bereits überfüllt – und der Winter kommt erst noch.
Dutzende Mails und Anrufe, viele abgegebene Tiere: Tierheime und Auffangstationen sind teilweise bereits überfüllt – und der Winter kommt erst noch.  © Felix Hörhager/dpa

Doch auch die mit Schildkröten, Echsen und Schlangen gefüllten Terrarien in der Auffangstation müssen beheizt und beleuchtet werden. Dass sie die hohen Energiekosten diesen Winter noch stemmen können, hält Baur für unwahrscheinlich. "Wir können nicht mehr schlafen, weil wir nicht wissen, wie wir das finanzieren sollen", sagt er.

Nach Ansicht von ProWildlife-Vertreterin Katharina Lameter wird durch die im Land vorherrschende Energiekrise ein Problem verstärkt, dass schon länger existiert – dass viele exotische Tiere nicht ihren Bedürfnissen entsprechend gehalten würden.

Nun sei man in einem Dilemma, denn zu Hause könnten viele Menschen die Standards für eine artgerechte Tierhaltung nicht einhalten, in den überfüllten Tierheimen und Auffangstationen abgeben, könnten sie die Tiere aber auch nicht.

ProWildlife sehe das Versäumnis aufseiten der Politik. Die Tierschutzorganisation fordere seit einiger Zeit eine Positivliste für Deutschland.

"Eine Positivliste würde vorgeben, welche Tierarten sich als Haustiere eignen und weiter gehandelt und gehalten werden dürfen", sagt Lameter. Zudem sollten Tierhalter vor der Anschaffung ihrer Tiere nötige Fachkenntnisse nachweisen müssen.

Auch Baur sieht das Wohl der Exoten in den Wintermonaten gefährdet. "Das wird ein ganz großes Tierschutzproblem." Manch ein Tierbesitzer könne im Winter gar auf die Idee kommen, dem exotischen Haustier eine Energiesparlampe hinzuhängen – und diese dann dazu nur wenige Stunden brennen zu lassen. "Daran werden die Tiere zugrunde gehen."

Titelfoto: Felix Hörhager/dpa

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