Inzucht fordert grausamen Tribut: 44 Katzen hausen in einer Wohnung

München - Aus einer Wohnung im Stadtteil Milbertshofen wurden zahlreiche Katzen gerettet und der Obhut des Münchner Tierschutzvereins übergeben.

In der Wohnung roch es stark nach Urin, berichtet die Tierschutzinspektion. Ausreichende Katzenklos gab es nicht.
In der Wohnung roch es stark nach Urin, berichtet die Tierschutzinspektion. Ausreichende Katzenklos gab es nicht.  © Tierschutzverein München e.V.

Erste Hinweise auf das Tierleid gingen bereits im Herbst 2025 ein, die Situation eskalierte dann im Januar 2026 vollends. 44 Katzen, darunter zahlreiche Jungtiere und trächtige Katzen, lebten bei einer mehrköpfigen Familie.

Der Tierschutzverein wurde im September letzten Jahres auf die Zustände aufmerksam. Eine Privatperson meldete den Fall, nachdem sie ein Kitten über eine Onlineanzeige gekauft hatte. Die Übergabe fand an der Wohnungstür statt. Schon dort stank es bestialisch nach Katzenurin, die Tiere wirkten unterernährt und ungepflegt. Aus Mitleid wurde ein Kätzchen trotzdem abgekauft.

Wenige Tage später verschaffte sich die Inspektion des Tierschutzvereins Zugang zur Wohnung. Damals lebten 28 Katzen nahezu ausschließlich im Wohnzimmer der 95 Quadratmeter großen Wohnung. Wegen der besorgniserregenden Zustände rief die Inspektorin direkt das Münchner Veterinäramt dazu.

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Besonders erschreckend: Vier junge Kätzchen zeigten deutliche neurologische Auffälligkeiten: Sie konnten kaum laufen, kippten um und waren offensichtlich stark beeinträchtigt. Trotz intensiver Bemühungen mussten sie später aufgrund der Schwere ihrer Symptome in der LMU-Tierklinik eingeschläfert werden.

Erst im Vorjahr war in der Straße eine Fundkatze entdeckt worden, die vergleichbare Probleme hatte, berichtet der Tierschutzverein. Als Ursache der schlimmen Probleme wird Inzucht vermutet.

Überforderte Halter: Die Leidtragenden sind die Katzen

Im Münchner Tierheim dürfen sich die Katzen erholen.
Im Münchner Tierheim dürfen sich die Katzen erholen.  © Tierschutzverein München e.V.

Über Monate hinweg wurden die Katzen der Familie kastriert. Da sich die Halter einsichtig und kooperativ zeigten, wollte man ihnen die Möglichkeit zur Verbesserung geben, so der Tierschutz. Unter Auflagen durften fortan nur noch wenige Katzen in der Wohnung leben.

Im Rahmen einer polizeilichen Wohnungsdurchsuchung kam im Januar dann die Eskalation der Lage ans Licht. Unter den inzwischen 44 Tieren waren erneut neugeborene Kitten. Bei einer tragenden Katze wurden schwer missgebildete, nicht lebensfähige Föten festgestellt. Wieder zeigten mehrere Jungtiere neurologische Ausfälle.

Die Katzen waren überwiegend freundlich und zutraulich, was darauf hindeutet, dass sie nicht misshandelt wurden, ihre Halter aber völlig überfordert waren. Dass viele der Tiere jünger als ein Jahr sind, deutet auf eine ungebremste Vermehrung hin, erklären die Tierschützer.

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"Wie viele vorangegangene Fälle zeigt auch dieser eindrücklich, wie schnell Tierhaltung außer Kontrolle geraten kann, wenn Katzen nicht kastriert und Warnungen nicht konsequent umgesetzt werden", erklärt Lydia Schübel, Leiterin der Tierschutzinspektion.

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Versorgung im Tierheim München: Hilfe dringend benötigt

Ein winziges Neugeborenes sitzt auf der Hand einer Pflegerin im Tierheim. Nicht alle seine Geschwister haben überlebt.
Ein winziges Neugeborenes sitzt auf der Hand einer Pflegerin im Tierheim. Nicht alle seine Geschwister haben überlebt.  © Tierschutzverein München e.V.

Der Tierschutzverein appelliert einmal mehr an Halter und Politik: "Kastration, Kennzeichnung und Registrierung sind unerlässlich, um solches Leid zu verhindern und sollten bereits vor der Anschaffung einkalkuliert werden."

Eine bundesweite Katzenschutzverordnung würde die Lage entschärfen. Bisher wartet man darauf jedoch vergeblich.

Im Münchner Tierheim dürfen die Katzen nun zur Ruhe kommen. Mit den dort geborenen Tieren stieg die Anzahl auf 50 an. Einige der Kätzchen haben leider nicht überlebt. Um die kostspielige Versorgung zu stemmen, ist der Verein auf Spenden angewiesen. Helfen kann man über:

  • Sparkasse München
  • IBAN: DE07 7015 0000 1000 1184 46
  • Stichwort: Katzenglück

Den ehemaligen Besitzern wurde derweil vom Veterinäramt ein Haltungsverbot erteilt.

Titelfoto: Tierschutzverein München e.V. (2)

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