Frau filmt "rollenden Spaghetti-Ball": Was ist das für eine Kreatur?

Achtung, nichts für schwache Nerven! Dieses kriechende Wesen versetzte das Netz nicht nur in Angst und Schrecken, sondern ließ auch zahlreiche Fragen entstehen. Was genau ist das und muss man sich davor vielleicht sogar in Acht nehmen?

Ursprünglich wurde das Wesen von Jasmin Arethna aufgenommen und gepostet.
Ursprünglich wurde das Wesen von Jasmin Arethna aufgenommen und gepostet.  © Screenshot/Instagram/snagbug

Hin und wieder tauchen Videos wie dieses im Netz auf und sorgen für Verwirrung. Die Aufnahmen, welche auf dem Account "snagbug" auf Instagram geteilt worden, zeigen etwas, das an einen Ball aus Spaghetti oder Hackfleisch erinnert.

Doch anders als leblose Lebensmittel ist dieses Ding sehr wohl am Leben und kann sich sogar fortbewegen!

Unter dem Posting finden sich zahlreiche unterschiedliche Meinungen und Ideen dazu, worum es sich bei dem Wesen handeln könnte.

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"Erinnert mich an den Dämon in Prinzessin Mononoke", schreibt eine Nutzerin, während eine andere den Anblick mit einem "rollenden Spaghetti-Ball" vergleicht.

Hin und wieder entdeckt man unter dem Beitrag auch Vergleiche zu der Survival-Horror-Serie "The Last of Us" und den darin vorkommenden gefährlichen Pilzen.

Doch was tatsächlich wirkt wie der Beginn eines Horrorfilms, ist tatsächlich etwas viel Harmloseres ...

Was ist auf diesem Video zu sehen? Wir klären auf!

"Rollender Spaghetti-Ball" entpuppt sich als Ansammlung vieler Tiere

Das Mysterium gelüftet: kein Spaghetti-Ball oder ein Hackfleisch-Haufen, sondern sehr, sehr viele Tausendfüßler. (Symbolbild)
Das Mysterium gelüftet: kein Spaghetti-Ball oder ein Hackfleisch-Haufen, sondern sehr, sehr viele Tausendfüßler. (Symbolbild)  © 123rf/puripat

Es handelt sich bei dem gruseligen Wesen nämlich um einen Haufen Tausendfüßler - und zwar Hunderte von ihnen!

Kurz nachdem die Tiere schlüpfen, bilden sie Schwärme wie diese aus Gründen des Schutzes und der Effizienz, die ihnen eine Gruppe bietet. Ein ähnliches Verhalten kann bei vielen Gliederfüßern, wie beispielsweise Sägefliegenlarven, beobachtet werden.

Die Jungtiere an der Spitze dieses "rollenden Haufens" gewinnen dabei an Geschwindigkeit, indem sie sich auf einer Plattform von Artgenossen bewegen, die bereits unter ihnen vorwärts kriechen.

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Befinden sich die einzelnen Tiere dann auch noch abwechselnd oben und unten, erhöht sich die Durchschnittsgeschwindigkeit der Gruppe und es entsteht der Effekt, den auch dieses Video zeigt: Die Tausendfüßler bewegen sich verhältnismäßig schnell über flaches Gelände, wie diesen Schotterweg.

Klingt jetzt allerdings nicht so, als wäre das Naturschauspiel irgendwie gefährlich. Oder doch?

Tausendfüßler stürzen Japan ins Verkehrschaos

Die Tausendfüßler legten buchstäblich die Züge lahm, was ihre Macht als Gruppe nur noch eindringlicher aufzeigt.
Die Tausendfüßler legten buchstäblich die Züge lahm, was ihre Macht als Gruppe nur noch eindringlicher aufzeigt.  © The Royal Society/Keiko Niijima

Allein ist ein Tausendfüßler kein ernstzunehmender Rivale. Doch mit der richtigen Größe kann eine Gruppe dieser winzigen Tiere gut und gerne Chaos erzeugen.

Das wohl beste Beispiel dafür ist in Japan zu finden. Im Jahr 1920 tauchten wie aus dem Nichts plötzlich riesige Schwärme von Tausendfüßlern auf. Die Tierchen bewegten sich in so großer Zahl entlang der Bahngleise, dass viele Züge teilweise stillgelegt werden mussten.

Nachdem die Tausendfüßler etwa alle 8-10 Jahre den Verkehr Japans kurzzeitig sabotiert hatten, begannen Forschende vor einigen Jahren, die Lebenszyklen der Tiere zu untersuchen, um mehr über die faszinierenden kleinen Wesen herauszufinden.

Überraschenderweise beobachtete das Team rund um Dr. Keiko Niijima und Dr. Jin Yoshimura, dass die Tausendfüßler periodisch leben. Diese Eigenschaft wurde damit erstmalig bei einem Nicht-Insekt beobachtet!

Doch mittlerweile habe die Anzahl der Tiere abgenommen. "Wir haben seit vielen Jahren keine Zugbehinderungen mehr gesehen", sagte Dr. Yoshimura 2021 gegenüber der New York Times. "Irgendetwas verändert sich."

Die Wissenschaftlerin vermutet die Folgen des Klimawandels als Ursache für den Tausendfüßler-Schwund.

Titelfoto: Screenshot/Instagram/snagbug

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