Fall Lia Thomas führte zu Gender-Debatte: Deutsche Verbände kritisieren Teilnahme von Transfrauen!

Ebern - Der Fall Lia Thomas (22) löste in der Sportwelt eine hitzige Diskussion über die Teilnahme von Transfrauen an Frauenwettkämpfen aus. Nun haben sich die ersten deutschen Verbände zu dem Thema geäußert.

Ihre Erfolge traten eine Lawine der Empörung los. Lia Thomas (22) gewann als erste Trans-Sportlerin einen College-Titel in den USA.
Ihre Erfolge traten eine Lawine der Empörung los. Lia Thomas (22) gewann als erste Trans-Sportlerin einen College-Titel in den USA.  © John Bazemore/AP/dpa

Die College-Schwimmerin, die mit männlichen Geschlechtsmerkmalen geboren wurde, wechselte nach ihrer Geschlechtsumwandlung ins Frauenteam der Universität von Pennsylvania.

Anschließend brach sie zahlreiche Rekorde, zuletzt gewann sie als erste Transgender-Athletin die Meisterschaft des amerikanischen College-Verbands NCAA über 500 Yards Freistil (457,2 Meter) und erntete daraufhin Kritik von ihren Kontrahentinnen. Selbst Florida-Gouverneur Ron DeSantis (43) schaltete sich in die Debatte ein.

Ein Sprecher des Bundesfachverbands für Kickboxen ("WAKO Deutschland") prangerte die Teilnahme von Transgender-Sportlerinnen nun gegenüber der Bild-Zeitung an: "Fakt ist, dass die muskuläre und Knochenstruktur bei einem genetischen Mann stets bevorteilt ist. Dies soll keinen Sexismus darstellen, sondern ist medizinisch fundiert und genetisch nachvollziehbar."

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Im Kampfsport würden sich so zahlreiche Risiken ergeben. "Beim Schwimmen würde lediglich die Ehre der Sportlerinnen verletzt werden. Anders als beim Zweikampfsport, denn hier kann der Schaden wesentlich erheblicher sein."

"Aus diesen Gründen nehmen wir bei der WAKO Deutschland von solchen Starts Abstand und hoffen, dass der Weltverband dies auch tun wird", so der Sprecher.

Das IOC will mit einem Zehn-Punkte-Plan sexuelle Diskriminierung verhindern

Das IOC möchte Trans-Athleten nicht generell ausschließen, sondern die Einzelfälle betrachten.
Das IOC möchte Trans-Athleten nicht generell ausschließen, sondern die Einzelfälle betrachten.  © Peter Kneffel/dpa

Ähnlich beurteilt auch der "Bund Deutscher Radfahrer e.V." die komplizierte Situation. Zwar habe man die Diskussion auf internationaler Ebene noch nicht führen müssen, doch man sehe "durchaus das Problem des testosterongesteuerten Muskelaufbaus in jungen Jahren und daraus resultierende Leistungsvorteile im Falle eines Wechsels in den Frauenbereich", so ein Sprecher des Verbandes.

In der Vergangenheit mussten Sportlerinnen nachweisen, dass ihr Testosteron-Wert unter einer bestimmten Grenze liegt, allerdings hat das "Internationale Olympische Komitee" (IOC) vor kurzem seine Richtlinien geändert, an denen sich auch die Länderverbände orientieren.

Mittlerweile soll ein Zehn-Punkte-Plan sexuelle Diskriminierung generell verhindern, dabei müssen die Verbände im Einzelfall klären, ob ein "überproportionaler Wettbewerbsvorteil" besteht.

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"Ziel ist es nicht, die Frauenkategorien abzuschaffen und zu sagen: Transfrauen sind ohne Wenn und Aber immer dabei. Vielmehr müssen wir uns die Situation in den einzelnen Sportarten, Disziplinen und auch der einzelnen Events anschauen", erklärte IOC-Sprecher Christian Klaue (46).

Die Teilnahme von Trans-Athleten bei den Olympischen Spielen ist seit 2004 erlaubt, dennoch wurde die neuseeländische Gewichtheberin Laurel Hubbard (44) erst im vergangenen Jahr bei den Sommerspielen in Tokio zur ersten Transfrau des sportlichen Mega-Events. Sie schied nach drei ungültigen Versuchen bereits in der ersten Runde aus.

Titelfoto: Bildmontage: John Bazemore/AP/dpa, Peter Kneffel/dpa

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