Cherson befreit: Menschen jubeln auf der Straße, Russen sprengen Brücken

Cherson (Ukraine) - Nächste Niederlage für Putin: Die ukrainische Armee hat die Großstadt Cherson zurückerobert. Glückliche Bewohner begrüßen die Befreier, schwenken Fahnen und singen auf den Straßen. Bei ihrer Flucht wenden die Kreml-Truppen offenbar eine Strategie der verbrannten Erde an: Eine Brücke am wichtigen Wasserkraftwerk Kachowka wurde in der Nacht zum Samstag gesprengt.

Ausgelassen feiern die Menschen von Cherson die Befreiung ihrer Stadt.
Ausgelassen feiern die Menschen von Cherson die Befreiung ihrer Stadt.  © Twitter/bayraktar_1love

Am Freitag ist die ukrainische Armee in die Großstadt Cherson eingerückt. Für die meisten Bewohner der Stadt ein Grund zur Freude. Überschwänglich begrüßten Einwohner die Befreier, schwenkten blau-gelbe Fahnen und stimmten vielerorts die Nationalhymne an. Vorbei die Schrecken der russischen Besatzungszeit. Beobachter beschreiben die Stimmung als euphorisch und ausgelassen.

Cherson ist die einzige Gebietshauptstadt, die Russland erobern konnte. Im Oktober inszenierte der Kreml dann seine Scheinabstimmungen und annektierte daraufhin das Gebiet. 87 Prozent der Menschen in der Region wollten angeblich in Putins Russland leben. Die Bilder tanzender Menschen auf den Straßen der befreiten Stadt zeigen, wo die Sympathien wirklich liegen.

Nach der Schlacht um Kiew (März) und der erfolgreichen Gegenoffensive bei Charkiw (September), ist die Befreiung von Cherson schon die dritte große Niederlage der Putin-Armee. Jegliche russische Ambitionen bis zur symbolisch wichtigen Hafenstadt Odessa vorzurücken und die Ukraine so zu einem Binnenstaat zu machen, haben sich damit auf absehbare Zeit zerschlagen.

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Und auch Wladimir Putins (70) Image als großer Feldherr bröckelt. Immer mehr Russen stellen den Krieg gegen die Ukraine infrage, einige greifen sogar zur Waffe und kämpfen gegen ihre Landsleute.

Ukrainische Soldaten machen ein Selfie beim Ortseingang von Cherson
Ukrainische Soldaten machen ein Selfie beim Ortseingang von Cherson  © Twitter/UKRAINIAN SQUAD

Russen flüchten Hals über Kopf und zerstören Straßen und Brücken

Der Kachowka-Damm staut einen riesigen Stausee am Dnepr auf, sollte der Damm gesprengt werden, droht eine enorme Flutwelle.
Der Kachowka-Damm staut einen riesigen Stausee am Dnepr auf, sollte der Damm gesprengt werden, droht eine enorme Flutwelle.  © Twitter/Anton Gerashchenko
Eine Straßen- und Eisenbahnbrücke über dem Damm wurden durch die Explosion zerstört.
Eine Straßen- und Eisenbahnbrücke über dem Damm wurden durch die Explosion zerstört.  © Twitter/Anton Gerashchenko

Am 9. November kündigte Russlands Verteidigungsminister den Rückzug aus Cherson und dem West-Ufer des Dneprs an. Daraufhin flohen russische Soldaten Hals über Kopf. Einige warfen ihre Uniformen weg und tarnten sich als Zivilisten - andere sollen auf ihrer Flucht noch eifrig geplündert haben.

Doch auf ihren Rückzug zerstörten die Invasoren auch jegliche Infrastruktur, derer sie habhaft wurden - Brücken, Straßen, Mobilfunkmaste. Sogar den Fernsehturm von Cherson haben sie gesprengt.

Auch das wichtige Wasserkraftwerk Kachowka, rund 70 Kilometer östlich von Cherson, haben die Besatzer beschädigt. In der Nacht zu Samstag sprengte die Putin-Armee die am Staudamm gelegene Brücke. Videos zeigen eine gewaltige Explosion.

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Bedrohlich: Der gesamte Damm soll von Russland vermint worden sein, würde er gesprengt werden, könnte das eine fatale Flutwelle auslösen. Dutzende Ortschaften würden überschwemmt werden.

Fernsehturm von Cherson von Russen gesprengt

Mittlerweile ist der russische Rückzug abgeschlossen. Die Invasoren haben sich vollständig ans Ostufer des Dneprs zurückgezogen. Dort sollen sie begonnen haben, Befestigungsanlagen zu errichten und ihre Reihen zu verstärken.

Titelfoto: Twitter/bayraktar_1love, Twitter/UKRAINIAN SQUAD, Twitter/Anton Gerashchenko

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