Ukraine-Krieg, Tag 75: Cherson verliert Hälfte der Bevölkerung

Kiew - Die Kämpfe in verschiedenen Teilen der Ukraine gehen auch an Tag 75 der Invasion weiter.

Das Grande Pettine Hotel in Odessa liegt in Trümmern, nachdem es von einer Rakete getroffen wurde.
Das Grande Pettine Hotel in Odessa liegt in Trümmern, nachdem es von einer Rakete getroffen wurde.  © Max Pshybyshevsky/AP/dpa

Im Süden gab das ukrainische Militär an, am Sonntag 51 russische Soldaten getötet sowie zwei Raketenwerfer und einen Hubschrabuer zerstört zu haben.

Die ukrainische Luftabwehr schoss nach eigenen Angaben fünf unbemannte Flugapparate und drei russische Marschflugkörper ab.

Die Informationen konnten jedoch nicht unabhängig überprüft werden.

Ukraine-Krieg, Tag 130: Ukrainische Armee verkündet Rückzug aus Lyssytschansk
Ukraine Ukraine-Krieg, Tag 130: Ukrainische Armee verkündet Rückzug aus Lyssytschansk

Die Geschehnisse des gestrigen Tages (8. Mai) könnt Ihr im TAG24-Ticker vom Sonntag nachlesen.

Alle neuen Entwicklungen im Zuge des Krieges in der Ukraine am heutigen Montag, 9. Mai, gibt es wie gewohnt hier in unserem Liveticker.

22.12 Uhr: OVG: Ukrainische Flagge bleibt auch bei kleiner Versammlung verboten

Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat für eine kleine Versammlung anlässlich des 77. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges ukrainische Fahnen und Militärlieder verboten - und damit eine zuvor ergangene Entscheidung des Verwaltungsgerichts Berlin geändert.

"Es verbleibt demnach auch insoweit bei den Regelungen der Allgemeinverfügung der Polizei Berlin", teilte das Gericht am Montagabend mit. Wegen der Eilbedürftigkeit der Sache sei die Entscheidung zunächst ohne schriftliche Begründung ergangen, hieß es. Der Beschluss ist unanfechtbar.

Die Veranstalter einer für den Abend geplanten Kundgebung vor dem Deutsch-Russischen Museum in Berlin-Karlshorst hatten sich beim Berliner Verwaltungsgericht - zunächst erfolgreich - gegen eine Verordnung der Polizei gewehrt. Die Behörde hatte an 15 Gedenkstätten russische und ukrainische Fahnen, Uniformen sowie Marsch- und Militärlieder untersagt, das Verbot galt aber nicht für Diplomaten und Veteranen des Zweiten Weltkriegs.

22.03 Uhr: Biden unterzeichnet Gesetz für Rüstungslieferungen an die Ukraine

US-Präsident Joe Biden (79) hat am Montag ein Gesetz unterzeichnet, das die Lieferung von Rüstungsgütern an die Ukraine und andere osteuropäische Staaten erleichtert.

Biden sprach von einem "wichtigen Instrument zur Unterstützung der ukrainischen Regierung und des ukrainischen Volkes in ihrem Kampf zur Verteidigung ihres Landes und ihrer Demokratie" gegen den Krieg von Russlands Präsident Wladimir Putin. "Die Kosten des Kampfes sind nicht gering. Aber ein Nachgeben gegenüber der Aggression ist noch teurer."

Der US-Präsident wird somit bis 2023 ermächtigt, der Ukraine und anderen Staaten in Osteuropa, die vom russischen Angriffskrieg betroffen sind, militärische Ausrüstung zu leihen oder zu verpachten.

Die USA rüsten die Ukraine im großen Stil auf, um das Land gegen Russland zu unterstützen. Seit Kriegsbeginn sagten sie der ehemaligen Sowjetrepublik Waffen und Munition für mehr als 3,8 Milliarden US-Dollar (rund 3,6 Milliarden Euro) zu oder lieferten diese bereits. Biden hat den Kongress um weitere 33 Milliarden Dollar (31,2 Milliarden Euro) gebeten. 20 Milliarden davon sollen für Militärhilfe genutzt werden.

US-Präsident Joe Biden (79) unterzeichnete am Montag das Gesetz für Rüstungslieferungen an die Ukraine.
US-Präsident Joe Biden (79) unterzeichnete am Montag das Gesetz für Rüstungslieferungen an die Ukraine.  © Nicholas Kamm / AFP

21.33 Uhr: Südukrainische Großstadt Cherson verliert Hälfte der Bevölkerung

Die Großstadt Cherson im Süden der Ukraine hat nach ukrainischen Angaben seit Kriegsbeginn fast die Hälfte ihrer Bevölkerung von einst fast 300.000 Menschen verloren.

"Nach vorläufigen Schätzungen haben allein seit März 45 Prozent der Bevölkerung Cherson verlassen", sagte der Chef der Gebietsverwaltung, Hennadij Lahuta, am Montag der Nachrichtenagentur Ukrinform. Aus dem gesamten Gebiet sei nach der russischen Okkupation jeder Fünfte geflohen. "Das sind katastrophale Zahlen." Den russischen Truppen warf Lahuta Tötungen, Vergewaltigungen und Plünderungen vor.

Russische Truppen meldeten die Eroberung der Seehafenstadt an der Mündung des Dnipro Anfang März. Cherson ist die einzige Gebietshauptstadt der Ukraine, die die russischen Truppen kontrollieren und nach Mariupol die zweitgrößte Stadt, die sie eingenommen haben.

In der schwer zerstörten Hafenstadt Mariupol halten sich nach Schätzungen nur noch etwa ein Drittel der einst mehr als 400.000 Einwohner auf.

Ein ukrainischer Soldat steht am 1. April vor einer von russischen Raketen getroffenen Schule im südukrainischen Dorf Zelenyi Hai, das sich zwischen Cherson und Mykolajiw befindet.
Ein ukrainischer Soldat steht am 1. April vor einer von russischen Raketen getroffenen Schule im südukrainischen Dorf Zelenyi Hai, das sich zwischen Cherson und Mykolajiw befindet.  © BULENT KILIC / AFP

21.31 Uhr: USA heben Importzölle für ukrainischen Stahl auf

Die USA haben die Importzölle für ukrainischen Stahl aufgehoben. "

Der Zoll von 25 Prozent für ukrainischen Stahl wurde für ein Jahr aufgehoben", schrieb der ukrainische Ministerpräsident Denys Schmyhal am Montag bei Twitter. Die Zollfrage sei bei seinem Besuch in Washington Mitte April diskutiert worden. Der 46-Jährige dankte Washington für die schnelle Entscheidung.

Stahl ist einer der Hauptdevisenbringer des ukrainischen Exports. Infolge des Ende Februar begonnenen russischen Angriffskriegs wurden jedoch bereits zwei Stahlwerke in der Hafenstadt Mariupol zerstört. Zudem unterliegen die verbliebenen ukrainischen Häfen am Schwarzen Meer einer russischen Seeblockade. Schätzungen nach hat sich die ukrainische Wirtschaftsleistung seit Kriegsbeginn halbiert.

21.01 Uhr: Scholz und Macron dringen auf Deeskalation in der Ukraine

Zweieinhalb Monate nach Beginn des Ukraine-Krieges haben Bundeskanzler Olaf Scholz und der gerade wiedergewählte französische Präsident Emmanuel Macron in Berlin gemeinsam konkrete Schritte in Richtung Waffenruhe gefordert.

"Was wir erreichen wollen, ist ein Waffenstillstand, so schnell wie möglich", sagte Macron. Nur so könnten die Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland zu einem Abschluss gebracht werden, um einen Frieden zu erreichen und in der Folge einen dauerhaften Rückzug der russischen Truppen. "Das ist unser Ziel."

Auch Scholz sagte, es müsse nach so vielen Kriegswochen nun bald entscheidende Schritte zu einer Beendigung des Konflikts geben. Es sei aber nicht vorstellbar, dass die Ukraine einen "Diktatfrieden" akzeptiere, der Bedingungen vorschreiben wolle, die sie für ihre Souveränität und Integrität als Nation nicht akzeptieren könne.

20.27 Uhr: Moskau: Landungsversuch auf Schlangeninsel abgewehrt

Das russische Militär hat nach eigenen Angaben eine größere Landungsaktion der ukrainischen Truppen auf der strategisch wichtigen Schlangeninsel im Schwarzen Meer verhindert.

Ukrainische Truppen hätten am Wochenende Luftlandeeinheiten und Marineinfanteristen auf der Insel abgesetzt, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Montag in Moskau. "Durch geschicktes Handeln der russischen Einheiten auf der Insel konnte die ukrainische Provokation vereitelt werden", fügte er hinzu.

Demnach schossen die russischen Truppen bei den Gefechten vier ukrainische Kampfjets - davon drei Su-24 und eine Su-27 -, drei Kampfhubschrauber vom Typ Mi-8 mit Fallschirmjägern an Bord sowie einen Mi-24-Helikopter ab. Darüber hinaus hätten sie 30 ukrainische Drohnen vom Himmel geholt. Auf See seien drei gepanzerte Landungsboote vom Typ Kentaur versenkt worden. Die ukrainischen Verluste bezifferte Konaschenkow auf mehr als 50 Soldaten. Eine unabhängige Bestätigung gab es vorerst nicht.

Berichte beider Seiten hatten schwere Gefechte um die strategisch wichtige Insel nahegelegt, die 35 Kilometer vor der Küste entfernt direkt vor dem Donaudelta im Gebiet Odessa gelegen ist.

Rauch steigt auf nach ukrainischen Angriffe auf Gebäude, in denen russische Stellungen untergebracht sind, auf der Schlangeninsel im Schwarzen Meer.
Rauch steigt auf nach ukrainischen Angriffe auf Gebäude, in denen russische Stellungen untergebracht sind, auf der Schlangeninsel im Schwarzen Meer.  © Uncredited/Planet Labs PBC/AP/dpa

20.03 Uhr: Proteste bei Feiern zu Ende des Zweiten Weltkriegs in Bulgarien

Mit Gedenkveranstaltungen ist am Montag auch in Bulgarien ans Ende des Zweiten Weltkriegs vor 77 Jahren erinnert worden. In der Hauptstadt Sofia wurden Kränze am Monument zu Ehren der früheren sowjetischen Roten Armee niedergelegt. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern von Putin.

Russland-Kritiker forderten wegen des Angriffskriegs auf die Ukraine den Abriss des riesigen Monuments. Als Protest gegen den Krieg wurde das Denkmal von einer Drohne aus mit den ukrainischen Nationalfarben Gelb und Blau besprüht.

20.01 Uhr: Nach Anschlag auf Russen-Jacht - Verfahren auf Mallorca eingestellt

Knapp zweieinhalb Monate nach einem Anschlag auf die Luxusjacht eines Russen auf Mallorca ist das Verfahren gegen einen Ukrainer eingestellt worden.

Die Ermittlungen würden beendet, weil man den Beschuldigten nicht mehr ausfindig machen könne, berichteten die Zeitung "Diario de Mallorca" und andere Medien der spanischen Insel am Montag unter Berufung auf Justizsprecher. Zudem werde ihm eine relativ geringe Sachbeschädigung zur Last gelegt. Somit komme es nicht zur Anklage. Ein Sprecher des zuständigen Amtsgerichts in der Inselhauptstadt Palma bestätigte auf Anfrage die Informationen.

Der aus der Ukraine stammende Seemann und Maschinenwart Taras O. hatte in Interviews mit spanischen Medien und auch vor dem Untersuchungsrichter zugegeben, dass er am 26. Februar versucht habe, im Nobelhafen Porto Adriano bei Santa Ponsa im Südwesten der Mittelmeerinsel die Luxusjacht "Lady Anastasia" seines russischen Arbeitgebers zu versenken.

Er habe sich damit für die Invasion in seiner Heimat rächen wollen. Sein Chef sei ein ranghoher Angehöriger eines russischen Konzerns, der Kriegswaffen produziere. Sein eigenes Haus in der Ukraine sei bei einem russischen Angriff zerstört worden.

19.54 Uhr: Russische Armee will ukrainische Truppen in Gebiet Luhansk einkesseln

Im Osten der Ukraine versuchen die russischen Streitkräfte weiter, die Städte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk einzukreisen.

Im Westen von Lyssytschansk seien drei Schwimmbrücken über einen Fluss errichtet worden, sagte der Sprecher des ukrainischen Verteidigungsministeriums, Olexander Motusjanyk, am Montag in Kiew. Dort werde intensiv Artillerie eingesetzt und aus der Luft bombardiert.

Dem Gouverneur des Gebiets Luhansk, Serhij Hajdaj, zufolge besteht die Gefahr, dass eine Straßenverbindung zwischen Lyssytschansk und Bachmut durch die Russen gekappt werde. Parallel dazu gebe es schwere Gefechte bei russischen Vorstößen südlich von Isjum in Richtung Slowjansk sowie bei Awdijiwka im Donezker Gebiet. Die auf dem Gelände des Stahlwerks Azovstal in Mariupol eingeschlossenen ukrainischen Soldaten würden weiter mittels Artillerie und Panzern beschossen.

Nördlich der ostukrainischen Metropole Charkiw versuchten ukrainische Truppen hingegen, in Richtung russischer Grenze vorzustoßen.

Ukrainische Feuerwehrleute löschen ein Feuer, nachdem bei einem russischen Luftangriff im Dorf Bilohorivka eine Schule getroffen wurde.
Ukrainische Feuerwehrleute löschen ein Feuer, nachdem bei einem russischen Luftangriff im Dorf Bilohorivka eine Schule getroffen wurde.  © Handout / Ukrainian State Emergency Service / AFP

19.32 Uhr: Gericht: Ukrainische Flagge bei kleiner Versammlung erlaubt

Das Berliner Verwaltungsgericht hat für eine kleine Versammlung anlässlich des 77. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges ukrainische Fahnen und Militärlieder zugelassen.

Wie eine Sprecherin am Montag mitteilte, hat sich der Veranstalter einer für den Abend geplanten Kundgebung vor dem Deutsch-Russischen Museum in Berlin-Karlshorst (21.30) damit erfolgreich gegen eine Verordnung der Polizei gewehrt. Die Behörde hatte an 15 Gedenkstätten russische und ukrainische Fahnen, Uniformen sowie Marsch- und Militärlieder untersagt, das Verbot galt aber nicht für Diplomaten und Veteranen des Weltkriegs.

Die Teilnehmerzahl sei gering, die Versammlung nur kurz, zudem erfolge sie zu einer Tagesrandzeit und an keinen zentral gelegenen Ort. "Die Gefahren, denen der Antragsgegner habe begegnen wollen – insbesondere die Gewaltbereitschaft – seien durch die Versammlung des Antragstellers nicht zu befürchten", begründeten die Richter ihre Entscheidung im Eilverfahren.

Gegen den Beschluss kann Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg erhoben werden.

Titelfoto: BULENT KILIC / AFP

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