Ukraine-Krieg: Kampfdrohnen treffen russische Ölanlagen am Ural

Ukraine - Die ukrainische Rüstungsindustrie produziert nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj inzwischen teilweise mehr, als die eigenen Streitkräfte an Waffen benötigen.

Die gemeinsamen Drohnengeschäfte mit Deutschland zeichnen sich in der Ukraine inzwischen aus.  © Michael Kappeler/dpa

"Aktuell verfügen wir über Produktionsbereiche mit 50 Prozent Überkapazität", sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft.

Angesichts der großen Waffenexpertise, die das Land in den vier Jahren Krieg gegen Russland gewonnen habe, ergäben sich so Exportmöglichkeiten, um die Finanzen des Landes aufzubessern.

Es gebe bereits mit einigen Regionen der Welt eine besondere Art der Kooperation: Drohnengeschäfte. Selenskyj nannte dabei Europa, den Nahen Osten und den Kaukasus.

Ukraine Ukraine-Krieg: US-Außenminister bezichtigt Selenskyj der Lüge

Nach Beginn des Iran-Kriegs hatte Selenskyj mit mehreren Monarchien in der Golfregion Verträge über Abfangdrohnen geschlossen. Mit Deutschland wiederum baut die Ukraine gemeinsam Drohnen - und erst vor zwei Tagen vereinbarte Selenskyj eine Rüstungskooperation mit Aserbaidschan.

Alle relevanten Informationen zum Geschehen in der Ukraine und Russland gibt es hier im TAG24-Newsticker.

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29. April, 12.47 Uhr: Ukrainische Angriffe bis zum Ural

Die Ukraine hat in ihrer Serie von Gegenangriffen auf die russische Ölindustrie Anlagen in den Städten Perm und Orsk am Ural getroffen. Russische Stellen bestätigten laut Meldungen der staatlichen Nachrichtenagentur Tass die Angriffe, äußerten sich aber nicht zu Schäden.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einer neuen Stufe beim Einsatz von Langstreckenwaffen seiner Armee. "Es ist wichtig, dass jeder Schlag die Leistungsfähigkeit der russischen Rüstungsindustrie, Logistik und die Ölexporte verringert", schrieb er in sozialen Netzwerken. Es sei jedem klar, dass der Angreifer Russland seinen Krieg beenden müsse. "Es ist Zeit, zur Diplomatie überzugehen, und Moskau sollte dieses Signal hören."

In Perm deuteten Videos aus der Region darauf hin, dass die Pumpstation einer wichtigen Ölpipeline getroffen wurde. Die Bilder zeigten über dem Brandherd eine dicke schwarze Rauchwolke. Der ukrainische Geheimdienst SBU bestätigte später auch, dass die Pumpstation Ziel des Angriffs war.

In Orsk ganz im Süden des Ural-Gebirges galt der Angriff höchstwahrscheinlich der dortigen Ölraffinerie, wie der russische Telegramkanal Astra berichtete. Beide Orte liegen zwischen 1500 und 1800 Kilometer von der Ukraine entfernt.

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Ukrainische Kampfdrohnen treffen Ölanlagen tief im russischen Hinterland.  © Uncredited/Russian Emergency Ministry Press Service/dpa

29. April, 12.44 Uhr: Sicherheitsexperte soll neuer Botschafter in Kiew werden

Der Spitzendiplomat Boris Ruge soll neuer deutscher Botschafter in der Ukraine werden. Das hat das Bundeskabinett nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in Berlin auf Vorschlag von Außenminister Johann Wadephul (CDU) beschlossen.

Ruge (64) gilt als Außen- und Sicherheitsexperte und ist derzeit Beigeordneter Generalsekretär der Nato für Politische Angelegenheiten und Sicherheitspolitik in Brüssel.

Ruge war vor seiner Tätigkeit bei der Nato unter anderem stellvertretender Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, Gesandter in der US-Hauptstadt Washington sowie deutscher Botschafter in Riad, der Hauptstadt von Saudi-Arabien. Er folgt in der Botschaft in Kiew auf Heiko Thoms, der nach Madrid wechseln soll. Thoms hatte zuvor Martin Jäger abgelöst, der im vergangenen September neuer Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND) geworden war.

Boris Ruge, der neue deutsche Botschafter in der Ukraine, kommt von der NATO.  © Kay Nietfeld/dpa

29. April, 11.27 Uhr: Höchste US-Diplomatin in der Ukraine tritt zurück

Die ranghöchste Vertreterin der USA in der Ukraine, Julie Davis, gibt Medienberichten zufolge ihren Posten nach weniger als einem Jahr auf.

Die Diplomatin werde ihren Dienst in Kiew im Juni beenden und anschließend in den Ruhestand gehen, meldeten mehrere Medien unter Berufung auf das US-Außenministerium. Genauere Angaben zum Zeitpunkt ihres Rückzugs und zu einer Nachfolge gab es zunächst nicht.

Davis' Abgang fällt in eine Phase festgefahrener Bemühungen um eine Waffenruhe zwischen der Ukraine und Russland. Berichte über einen Rücktritt aus Unzufriedenheit mit US-Präsident Donald Trump wies das Ministerium zurück. Es sei "falsch zu behaupten", die Diplomatin trete "wegen Meinungsverschiedenheiten" mit Trump zurück.

Die "Financial Times" hatte unter Berufung auf drei mit der Entscheidung vertraute Personen berichtet, Davis sei wegen Differenzen mit Trump über dessen nachlassende Unterstützung für die Ukraine "zunehmend frustriert" gewesen und wolle ihre mehr als drei Jahrzehnte lange Karriere beenden.

Davis ist keine vom Senat bestätigte Botschafterin, sondern Geschäftsträgerin ("Chargé d’Affaires") und damit ranghöchste Vertreterin der USA in Kiew.

Die ranghöchste US-Vertreterin Julie Davis zieht sich nach weniger als einem Jahr aus Kiew zurück.  © -/Ukrinform/dpa

29. April, 11.25 Uhr: Von der Leyen sieht Russen hinter neuem Eisernen Vorhang

Die jüngsten Zensurmaßnahmen in Russland erinnern aus Sicht von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen an das Vorgehen der Führung der Sowjetunion im Kalten Krieg.

Internet und freie Kommunikation würden derzeit so eingeschränkt, dass die Russinnen und Russen das Gefühl hätten, wieder hinter einem Eisernen Vorhang zu leben, sagte von der Leyen in einer Rede in Straßburg. Nur dass es diesmal ein "digitaler Eiserner Vorhang" sei.

Die Menschen in Russland zahlten die Rechnung für die Entscheidung von Kremlchef Wladimir Putin, gegen die Ukraine in den Krieg zu ziehen, erklärte von der Leyen und nannte auch die zunehmende Inflation und sprunghaft steigende Zinsen als Beispiel.

Mit Blick auf den Zerfall der Sowjetunion Anfang der 1990er äußerte sie allerdings auch Hoffnung. "Wenn uns die Geschichte eines lehrt, dann, dass eines Tages alle Mauern fallen", sagte die deutsche Spitzenpolitikerin.

Der Ukraine stellte von der Leyen in der Rede eine schnelle Auszahlung von neuen Finanzhilfen in Aussicht, um den Abwehrkampf gegen Russland weiter fortsetzen zu können.

Man werde noch in diesem Quartal die erste Tranche des neuen Darlehens in Höhe von bis zu 90 Milliarden Euro auszahlen, sagte sie. Das erste Verteidigungspaket habe ein Volumen von rund sechs Milliarden Euro und solle Drohnen aus der Ukraine für die Ukraine finanzieren.

29. April, 8.26 Uhr: Siegesparade in Moskau ohne Militärtechnik

Aus Furcht vor ukrainischen Drohnenangriffen findet die traditionelle Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau in diesem Jahr ohne Panzer und Raketen statt.

Die Vorführung von Militärtechnik am 9. Mai entfalle wegen der "operativen Lage", teilte das Verteidigungsministerium in der russischen Hauptstadt mit.

Stattdessen solle während der Fernsehübertragung der Parade der Einsatz russischer Soldaten aller Waffengattungen gezeigt werden - auch im Krieg gegen die Ukraine und in den Kommandoposten der Nuklearstreitkräfte. Es bleibe beim Vorbeimarsch Tausender Offiziersanwärter auf dem Roten Platz.

Bei der Abwehr der Moskauer Invasion hat die ukrainische Armee in den vergangenen Monaten ihre Gegenangriffe mit Kampfdrohnen auf das russische Hinterland ausgeweitet.

Russland feiert am 9. Mai traditionell den Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg 1945. Die Militärparade vor Präsident Wladimir Putin auf dem Roten Platz diente auch dazu, mit Interkontinentalraketen und modernen Panzern die Macht Russlands zu demonstrieren.

Am 9. Mai zeigt Russland stets seine militärische Macht. Doch in diesem Jahr muss ein wichtiger Teil der Parade ausfallen. (Archivfoto)  © Pelagia Tikhonova/M24/Moscow News Agency/AP/dpa

29. April, 6.14 Uhr: Ungarns neuer Regierungschef macht Selenskyj ein Angebot

Ungarns designierter Regierungschef Peter Magyar hat ein Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj angeboten.

Ziel des Treffens sei es, die Situation der ethnischen Ungarn in der westukrainischen Region Transkarpatien zu verbessern, erklärte Magyar am Dienstag im Onlinedienst Facebook. Das Treffen könne Anfang Juni in Berehowe stattfinden, wo mehrheitlich ungarische Einwohner lebten.

"Es ist an der Zeit, dass die Ukraine die seit mehr als einem Jahrzehnt bestehenden rechtlichen Beschränkungen aufhebt", sagte Magyar. Wenn diese Probleme gelöst werden könnten, "können wir sicherlich ein neues Kapitel in den bilateralen Beziehungen zwischen der Ukraine und Ungarn aufschlagen", fuhr er fort.

In Transkarpatien lebt eine beträchtliche ungarische Gemeinschaft. Die Beziehungen zwischen Budapest und Kiew verschlechterten sich 2017, als die Ukraine ein Gesetz verabschiedete, das Ukrainisch als Hauptsprache für die Sekundarbildung vorschrieb. Aus Budapest hieß es, das Gesetz entziehe Zehntausenden ethnischen Ungarn, die vor allem in Transkarpatien leben, ihre Rechte.

Ein erster Schritt, die Beziehungen der Ukraine und Ungarn zu retten? Der neue ungarische Regierungschef Peter Magyar bietet dem ukrainischen Präsidenten ein Treffen an.  © Robert Hegedus/MTI/AP/dpa

28. April, 22.39 Uhr: König Charles ruft in den USA zur Verteidigung der Ukraine auf

Der britische König Charles III. (77) hat während seiner Rede vor dem US-Kongress Meinungsäußerungen von US-Präsident Donald Trump (79) widersprochen.

Ohne Trumps Namen in diesem Kontext zu nennen, betonte der Monarch die Bedeutung der Nato, insbesondere auch im Krieg in der Ukraine. Es sei "dieselbe unerschütterliche Entschlossenheit" erforderlich, die von den Verbündeten unter anderem in den Weltkriegen, im Kalten Krieg sowie in Afghanistan gezeigt worden sei, sagte der König.

Trump hatte in den vergangenen Wochen immer wieder damit kokettiert, die US-Mitgliedschaft in der Nato zu beenden. Jüngster Auslöser war der Iran-Krieg mit einer nach Trumps Meinung zu geringen Unterstützung der Verbündeten. Auch die Grönlandkrise war in den vergangenen Monaten ein Grund für den US-Präsidenten, das Verteidigungsbündnis zu kritisieren. Zudem hat Trump immer wieder die US-Verantwortung im Ukraine-Krieg infrage gestellt.

König Charles III. (77) rief in seiner Rede vor dem US-Kongress zur Verteidigung der Ukraine auf.  © Henry Nicholls/PA Wire/dpa

28. April, 21.47 Uhr: Putin beklagt Angriffe Kiews auf zivile Infrastruktur in Russland

Kremlchef Wladimir Putin (73) hat eine Häufung ukrainischer Angriffe gegen zivile Objekte in Russland beklagt.

"Immer öfter werden auch mit Drohnen Schläge gegen zivile Infrastruktur geführt", sagte er bei einer Sitzung zu Fragen der Sicherheit bei den bevorstehenden Dumawahlen im Herbst. Er verwies dabei auf die jüngsten Attacken gegen Ölreservoirs in der Schwarzmeerstadt Tuapse.

Putin sprach in seiner Rede zwar von "potenziell schweren Folgen" für die Umwelt, dementierte aber, dass es derzeit ernste Gefahren für die Bewohner gebe. Die Behörden hätten alles im Griff, behauptete er nach einer Unterredung mit dem Gouverneur der Region Krasnodar, Wenjamin Kondratjew.

Kiew zielt bei seinen Attacken bewusst auf die Ölindustrie, weil Russland mit deren Einnahmen den von Putin befohlenen Krieg gegen die Ukraine finanziert.

Wladimir Putin (73) sieht eine Häufung ukrainischer Angriffe gegen zivile Objekte in Russland.  © Dmitri Lovetsky/Pool AP/AP/dpa

28. April, 20.12 Uhr: Bundesregierung will private Investitionen in die Ukraine stärken

Die Bundesregierung will deutsche Kapitalgeber verstärkt für Investitionen in ukrainische Rüstungsbetriebe oder Gemeinschaftsunternehmen gewinnen.

Über die Bedingungen dafür wurde vom Verteidigungsministerium in Berlin aus mit Regierungsvertretern der Ukraine gesprochen. An der Schalte hätten auch Banken, Fonds und weitere relevante Akteure des Finanzsektors teilgenommen, sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius (66, SPD) nach dem Gespräch.

Der Politiker weiter: "Aus der Unterstützung der Ukraine im Kampf gegen den brutalen russischen Angriffskrieg ist eine strategische Partnerschaft geworden."

28. April, 18.21 Uhr: Lettland liefert weitere Aufklärungsfahrzeuge an Ukraine

Lettland wird der Ukraine erneut Militärhilfe für den Abwehrkampf gegen Russlands Angriffskrieg leisten.

Das baltische EU- und Nato-Land wird auf Beschluss der Regierung in Riga weitere gepanzerte Aufklärungsfahrzeuge an die ukrainischen Streitkräfte liefern. Dies teilte das lettische Verteidigungsministerium mit. Eine genaue Anzahl an Fahrzeugen wurde in der Mitteilung nicht genannt.

"Wir unterstützen den Kampf der Ukraine gegen die russische Aggression und werden dies so lange wie nötig fortsetzen", sagte Verteidigungsminister Andris Spruds (54). Er betonte, dass die Lieferung der Fahrzeuge die Bedürfnisse und Einsatzfähigkeit der lettischen Armee nicht beeinträchtigen werde.

Lettlands Verteidigungsminister Andris Spruds (54) hat der Ukraine weitere gepanzerte Aufklärungsfahrzeuge zugesichert.  © Anna Ross/dpa

28. April, 15.16 Uhr: Gestohlenes Getreide - Ukraine droht Israel mit Sanktionen

Die Ukraine verschärft den Tonfall gegen Israel im Streit über russische Lieferungen von Getreide aus besetzten ukrainischen Gebieten.

Präsident Wolodymyr Selenskyj drohte mit Sanktionen gegen alle Beteiligten an dem Handel. "In jedem normalen Land ist der Kauf von gestohlenem Gut eine Straftat. Das gilt insbesondere für Getreide, das Russland gestohlen hat", schrieb Selenskyj in sozialen Netzwerken. "Wir erwarten, dass Israel die Ukraine respektiert und alles unterlässt, was unsere bilateralen Beziehungen untergräbt."

Nach Selenskyjs Angaben hat in diesem Jahr zum zweiten Mal ein Frachter Getreide aus den besetzten ukrainischen Gebieten nach Israel transportiert. Das Schiff soll im Hafen Haifa entladen werden. Am Montag bestellte das ukrainische Außenministerium in Kiew deshalb den israelischen Botschafter Michael Brodsky ein. Israels Außenminister Gideon Saar forderte, Kiew solle Beweise für seine Vorwürfe vorlegen.

Präsident Wolodymyr Selenskyj (48) drohte mit Sanktionen gegen alle Beteiligten an dem Handel.  © Michael Kappeler/dpa

28. April, 12.43 Uhr: Tote nach Angriffen - Sonnenblumenöl im Meer

Bei russischen Angriffen sind in der Ukraine nach Behördenangaben drei Menschen getötet und zahlreiche verletzt worden.

In der Region Dnipropetrowsk kam ein 40 Jahre alter Mann im Kreis Krywyj Rih ums Leben, wie Gouverneur Olexander Hanscha mitteilte. Fünf weitere Männer zwischen 31 und 57 Jahren seien verletzt worden. Russland habe mit Drohnen und Artillerie angegriffen.

Im ostukrainischen Gebiet Charkiw kam nach Angaben der regionalen Staatsanwaltschaft ein 70 Jahre alter Mann bei einer Drohnenattacke auf die Stadt Tschuhujiw ums Leben. Ein weiterer Mann erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Die Drohne sei in der Nähe eines Wohngebiets eingeschlagen.

Nach russischem Beschuss auf die Hafenstadt Tschornomorsk am Schwarzen Meer bereits am Sonntag kam es zu einer Verschmutzung mit Sonnenblumenöl im Hafengebiet, wie die staatliche Umweltinspektion des Bezirks Südwest mitteilte. Durch einen Brand sei ein Tank mit 6000 Tonnen Sonnenblumenöl beschädigt worden und Öl im Hafengebiet ausgetreten.

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