Ukraine-Krieg: Putins Parade ohne Panzer und Raketen

Ukraine - Im Schutz einer von den USA vermittelten Waffenruhe kann Russlands Präsident Wladimir Putin (73) am Samstag die traditionelle Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau abnehmen.

Russische Soldaten marschieren auf dem Roten Platz während der Militärparade zum Tag des Sieges. (Archivbild)  © Pelagia Tikhonova/M24/Moscow News Agency/AP/dpa

US-Präsident Donald Trump (79) teilte am Freitag in Washington unerwartet mit, Putin und der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj (48) hätten seiner Bitte um eine dreitägige Waffenruhe bis zum 11. Mai zugestimmt.

Beide Seiten wollten auch jeweils 1000 Kriegsgefangene austauschen, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social - verbunden mit der Botschaft: "Hoffentlich ist dies der Anfang vom Ende eines sehr langen, tödlichen und hart ausgetragenen Kriegs."

Die Gespräche über ein Ende des Kriegs - "des größten seit dem Zweiten Weltkrieg" - gingen weiter.

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9. Mai, 10.42 Uhr: Ohne Panzer und Raketen – Putin nimmt Militärparade ab

Auf dem Roten Platz in Moskau hat unter massiven Sicherheitsvorkehrungen die große Militärparade zum Tag des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland mit Tausenden Soldaten begonnen.

Kremlchef Wladimir Putin nimmt aus Angst vor ukrainischen Drohnenangriffen die Parade diesmal ohne Panzer, Raketen und Militärtechnik ab.

Der abgespeckte Aufmarsch mit weniger Gästen gilt auch als ein Symbol für die Lage in Putins seit mehr als vier Jahren andauerndem Angriffskrieg gegen die Ukraine. Russland ist bei der Invasion zunehmend durch Gegenangriffe Kiews unter Druck. Die Kämpfe stecken in einer Sackgasse.

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Die russischen Luftstreitkräfte fliegen bei der Militärparade über den Roten Platz und bilden mit farbigem Rauch die russische Staatsflagge.  © Ulf Mauder/dpa

9. Mai, 10.39 Uhr: Kreml kritisiert Selenskyjs "dummen Witz" zur Militärparade

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist mit seinem Dekret zu seiner "Genehmigung" der russischen Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau auf Kritik gestoßen.

"Wir brauchen von niemandem eine Erlaubnis", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow dem russischen Staatsfernsehen vor Beginn der jährlich am 9. Mai angesetzten Parade zum Tage des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. "Wehe dem, der versucht, sich über den Tag des Sieges lustig zu machen und solche dummen Witze zu reißen", sagte er.

9. Mai, 7.15 Uhr: Tag des Sieges in Russland - wirkt Trumps Feuerpause?

In Moskau und Kiew hat der Samstag (0.00 Uhr Ortszeit/Freitag 23.00 Uhr MESZ) begonnen und damit der Tag, ab dem eine von US-Präsident Donald Trump vermittelte dreitägige Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine greifen soll.

Dabei war nicht sofort klar, wie schnell sich die Streitkräfte beider Seiten auf die Feuerpause einstellen können. Trump kündigte die Waffenruhe und einen Gefangenenaustausch unerwartet erst wenige Stunden vorher an.

Eine von Moskau einseitig verkündete Waffenruhe seit Freitag hatte kaum eine Beruhigung der Kämpfe gebracht. Präsident Wladimir Putin wollte damit vor allem erreichen, dass der Tag des Sieges ungestört gefeiert werden kann. Russland erinnert dann an den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Geplant ist eine Militärparade auf dem Roten Platz.

Die Ukraine war der offiziellen Warn-App zufolge bei Tagesanbruch fast überall frei von Luftalarm. In Russland meldete der Moskauer Bürgermeister bis kurz vor Mitternacht immer wieder, dass anfliegende ukrainische Drohnen abgeschossen worden seien.

8. Mai, 21.25 Uhr: Kreml stimmt Trumps Waffenruhe zu

Der Kreml stimmt dem Vorschlag von US-Präsident Donald Trump (79) für eine dreitägige Waffenruhe im Ukraine-Krieg ab Samstag und einen Gefangenenaustausch zu.

Das sagte der außenpolitische Berater von Staatschef Wladimir Putin (73), Juri Uschakow (79), wie die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass meldete. Am Samstag wird in Russland an den Sieg der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg erinnert; dazu gibt es eine Militärparade auf dem Roten Platz.

"Als wichtigstes wurde festgelegt, eine Waffenruhe vom 9. bis 11. Mai einzuhalten, einschließlich des Austausches von 1000 Personen von jeder Seite", sagte Uschakow. Die Vereinbarung sei in den jüngsten Telefonkontakten mit der US-Führung zustande gekommen. "Die US-Vertreter hatten ihrerseits Kontakt nach Kiew."

Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow (79) bestätigte die dreitägige Waffenruhe.  © Maxim Shemetov/Reuters Pool via AP/dpa

8. Mai, 20.12 Uhr: Trump verkündet dreitägige Waffenruhe zwischen Russland und Ukraine

US-Präsident Donald Trump (79) hat eine dreitätige Waffenruhe ab Samstag im Ukraine-Krieg verkündet.

Auf Truth Social schrieb er: "Ich freue mich, bekanntgeben zu dürfen, dass es im Krieg zwischen Russland und der Ukraine einen dreitätigen Waffenstillstand (am 9., 10. und 11. Mai) geben wird." Dies umfasse die Einstellung aller Kampfhandlungen sowie einen Gefangenenaustausch von jeweils 1000 Gefangenen pro Land.

"Diese Bitte wurde direkt von mir vorgebracht, und ich weiß die Zustimmung von Präsident Wladimir Putin und Präsident Wolodymyr Selenskyj sehr zu schätzen. Hoffentlich ist dies der Anfang vom Ende eines sehr langen, tödlichen und hart umkämpften Krieges", so Trump.

8. Mai, 18.13 Uhr: Keine Panzer und kaum Gäste bei Putins Parade am Samstag

In gedämpfter Stimmung findet am Samstag in Moskau die traditionelle Militärparade zum Tages des Sieges der Sowjetunion über Hitler-Deutschland statt.

Auf dem Roten Platz am Kreml werden Soldaten und Kadetten an Staatschef Wladimir Putin (73) vorbeimarschieren.

Auf die sonst übliche Präsentation von Militärtechnik wird aus Furcht vor ukrainischen Drohnenangriffen verzichtet. Es werden nur wenige ausländische Staatsgäste anwesend sein, ausländische Journalisten wurden vom Kreml wieder ausgeladen. Als einziger Gast aus der Europäischen Union ist der slowakische Ministerpräsident Robert Fico (61) in Moskau, der aber nicht zu der Parade geht. In der russischen Hauptstadt und anderen Städten gilt für die Bevölkerung eine Sperre des mobilen Internets.

Putins Parade wird in diesem Jahr deutlich kleiner ausfallen. (Archivbild)  © Katharina Schröder/dpa

8. Mai, 17.12 Uhr: US-Vertreter in der Ukraine erwartet

Nach Gesprächen in den USA über ein Ende des russischen Angriffskriegs erwartet Kiew in den nächsten Wochen Gesandte von US-Präsident Donald Trump (79).

Als Termin für den Besuch nannte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (48) die Zeitspanne bis zum Beginn des Sommers, derzeit liefen die Absprachen dazu, schrieb er in sozialen Medien.

Am Vortag war der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats, Rustem Umjerow, zu Gesprächen in den USA. Die Treffen seien inhaltsreich gewesen, sagte Selenskyj. Thema waren demnach Vereinbarungen zu Sicherheitsgarantien und humanitäre Fragen wie der Austausch von Kriegsgefangenen.

Laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (48) werden in den kommenden Wochen mehrere Gesandte der US-Regierung in Kiew eintreffen.  © Mindaugas Kulbis/AP/dpa

8. Mai, 15.39 Uhr: Litauen protestiert gegen Drohungen aus Moskau

Litauen hat wegen indirekter Drohungen des Kreml gegen diplomatische Vertretungen in Kiew einen Vertreter der russischen Botschaft einbestellt und eine diplomatische Note überreicht.

Darin wurde eine von Russland ausgesprochene "Warnung" vor möglichen Vergeltungsschlägen für den Fall ukrainischer Angriffe am "Tag des Sieges" am 9. Mai scharf verurteilt.

Russlands anhaltende Aggression gegen die Ukraine sowie eine derartige Äußerung verstießen eindeutig gegen die Charta der Vereinten Nationen und das Völkerrecht, hieß es in einer Mitteilung des litauischen Außenministeriums. Sie sei als "direkte, zynische und beispiellose Drohung mit Gewalt gegen ausländische Botschaften und die Bevölkerung Kiews" zu werten.

8. Mai, 13.23 Uhr: Großer Waldbrand in Tschernobyl-Sperrzone nach Drohnenabsturz

In der Sperrzone um das einstige Atomkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine ist nach einem Drohnenabsturz ein großer Waldbrand ausgebrochen. Das Feuer wütete am Freitag auf einer Fläche von rund 1100 Hektar, wie die örtlichen Behörden erklärten. Der Wind erschwere die Löscharbeiten.

Die radioaktiven Strahlungswerte lägen "innerhalb der normalen Grenzen". Der staatliche Rettungsdienst veröffentlichte ein Bild, das eine große weiße Rauchsäule zeigt.

Zur Herkunft der Drohne wurden keine Angaben gemacht. Sie war den Behörden zufolge am Donnerstag in der Nähe des stillgelegten Atomkraftwerks abgestürzt, in dem es 1986 zur schlimmsten zivilen Nuklearkatastrophe der Geschichte gekommen war.

Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz können bei einem Waldbrand rund um Tschernobyl die durch die Atomkatastrophe abgelagerten radioaktiven Stoffe in die Atmosphäre freigesetzt werden, mit dem Rauch aufsteigen und mit den Luftströmungen verbreitet werden. Die Menge und die Aktivität der radioaktiven Stoffe seien in einem solchen Fall aber keinesfalls mit der Atomkatastrophe vor 40 Jahren zu vergleichen. Trotzdem können den Angaben zufolge bei großen Waldbränden radioaktive Stoffe in der Luft auch außerhalb der Sperrzone nachgewiesen werden.

Die Ukraine hat Russland wiederholt Angriffe auf Atomanlagen vorgeworfen, darunter auch Tschernobyl. Im vergangenen Jahr wurde die Schutzhülle um das Akw durch eine russische Drohne beschädigt.

In der Sperrzone um das einstige Atomkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine ist nach einem Drohnenabsturz ein großer Waldbrand ausgebrochen.  © HANDOUT / UKRAINIAN CHERNOBYL RADIATION AND ECOLOGICAL BIOSPHERE RESERVE / AFP

8. Mai, 9.31 Uhr: Russland hält sich laut Selenskyj nicht an eigene Waffenruhe

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat dem russischen Militär vorgeworfen, sich nicht an die von Moskau ausgerufene Feuerpause zu halten, und eigene Schläge gegen Ziele in Russland bestätigt.

"Alles deutet darauf hin, dass es von der russischen Seite nicht mal zum Schein einen Versuch gab, das Feuer an den Fronten einzustellen", schrieb er bei Telegram. Seinen Angaben nach hat Russland bis in den Morgen mehr als 850 Drohnen eingesetzt, mehr als 140 Mal ukrainische Positionen beschossen und ein Dutzend Sturmversuche unternommen. Kiew werde spiegelbildlich antworten, fügte er hinzu.

In einem weiteren Beitrag bestätigte Selenskyj den Angriff ukrainischer Drohnen auf Jaroslawl. Dort, 700 Kilometer von der Grenze entfernt, sei eine Ölanlage getroffen worden, die für die Kriegsfinanzierung Russlands wichtig sei, schrieb er. Dazu stellte er ein Video, das die brennende Raffinerie zeigen soll.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wirft Russland vor, sich nicht an die eigene Waffenruhe zu halten.  © Sven Hoppe/dpa

7. Mai, 20.04 Uhr: Wadephul übt scharfe Kritik an russischen Drohungen

Mit scharfer Kritik hat Außenminister Johann Wadephul (63, CDU) auf indirekte Drohungen des Kreml gegen diplomatische Vertretungen in Kiew reagiert.

Die Drohungen seien "inakzeptabel", sagte er der "Bild". Wadephul sprach mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin (73) von einem "Zeichen der Panik, die in Moskau umgeht, weil die Konsequenzen der endlosen Kette schwerster Fehlentscheidungen Putins nicht mehr zu verstecken sind".

Der Krieg gegen die Ukraine sei ein fortlaufendes Verbrechen gegenüber der Ukraine, mit jedem weiteren Tag aber auch ein Beweis der absoluten "Verachtung gegenüber den eigenen Soldaten, die als Kanonenfutter zu Tausenden in verlorene Schlachten geschickt werden", sagte der Außenminister. "Das Regime weiß genau, dass seine eigene Bevölkerung die geplante Siegesparade vor diesem Hintergrund nur als Hohn empfinden kann."

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