Ukraine-Krieg: Selenskyj fordert rasche Patriot-Lizenz

Ukraine - Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko (54) spricht angesichts mehrerer schwerer russischer Luftangriffe in den vergangenen Tagen von einer weiteren Eskalation des Ukraine-Kriegs durch Moskau.

Die ukrainische Hauptstadt Kiew erlebt in diesen Tagen beispiellose Angriffe. Bürgermeister Vitali Klitschko (54) sieht Kalkül dahinter.  © Genya SAVILOV / AFP

Er habe so etwas seit Kriegsbeginn noch nicht erlebt. "Die Angriffe mit russischen ballistischen Raketen sind schlimmer als je zuvor", sagte er der Zeitung "Bild am Sonntag".

Innerhalb einer Woche hat das russische Militär Kiew dreimal schwer aus der Luft angegriffen. Dabei setzte es neben Drohnen auch Marschflugkörper und ballistische Raketen ein. Die Folgen für die ukrainische Hauptstadt sind verheerend. Dutzende Menschen kamen ums Leben, mehr als 100 wurden verletzt. Die Einschläge haben viele Wohnhäuser in Kiew beschädigt oder ganz zerstört.

Die von Kremlchef Wladimir Putin (73) betriebene Eskalation sei auch auf die neue Stärke der Ukraine auf dem Schlachtfeld zurückzuführen, zeigte sich Klitschko überzeugt. Putin stehe so unter Druck, "dass er jetzt offenbar Kiew kaputt bomben will, bevor der Winter beginnt", sagte der frühere Box-Weltmeister.

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12. Juli, 7.23 Uhr: Acht Tote bei russischen Angriffen - Selenskyj fordert rasche Patriot-Lizenz

Bei russischen Angriffen mit Raketen, Drohnen und Lenkbomben sind in der Ukraine am Samstag acht Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden.

Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj erklärte im Onlinedienst X, Russland habe sein Land in der Nacht mit mehr als 120 Drohnen und zwölf Raketen angegriffen. Er appellierte an die USA, die zugesagte Lizenz zur Herstellung von Patriot-Luftabwehrsystemen rasch zu erteilen.

"Zivile Infrastruktur wurde getroffen, bevor Luftalarm ausgerufen wurde", erkläre Selenskyj. Er veröffentlichte Videos von Einsatzkräften, die in den Trümmern von Gebäuden nach Verschütteten suchten. In der Hauptstadt Kiew seien Wohngebäude, Büros und eine theologische Lehranstalt beschädigt worden, erklärte der Staatschef. Auch in anderen Landesteilen liefen Bergungseinsätze.

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Wolodymyr Selenskyj (48) appellierte an die USA, die zugesagte Lizenz zur Herstellung von Patriot-Luftabwehrsystemen rasch zu erteilen.  © Jens Büttner/dpa

11. Juli, 22.08 Uhr: Selenskyj will Beamte nach verheerenden Explosionen bestrafen

Bei einem russischen Raketenangriff gingen vor einigen Tagen nahe Kiew Munitionslager in die Luft - nun will der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (48) die verantwortlichen Beamten bestrafen.

Es sei eindeutig verboten gewesen, Depots in der Stadt Wyschnewe anzulegen, "doch all diese Vorschriften wurden missachtet", klagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. Dabei gebe es genügend Plätze in der Ukraine, um solche Depots in sicherer Entfernung von Wohnhäusern aufzubauen. Laut Selenskyj waren für den Verstoß gegen die Sicherheitsvorschriften Leiter zweier Staatsbetriebe verantwortlich. Gegen sie und andere Manager werde ermittelt.

Das russische Militär hatte in der Nacht zum 6. Juli einen massiven Angriff mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern auf die Ukraine gestartet. Ziel war neben Kiew auch die Stadt Wyschnewe unmittelbar westlich der ukrainischen Hauptstadt. Durch den Einschlag und die Folgeexplosionen kamen in Wyschnewe nach Behördenangaben neun Menschen ums Leben, Dutzende wurden verletzt.

11. Juli, 17.15 Uhr: Mindestens vier Tote bei Gleitbomben-Abwurf

Das russische Militär hat durch den Abwurf von Gleitbomben auf die nordostukrainische Stadt Sumy mindestens vier Menschen getötet.

"Darunter ist auch ein Mädchen", sagte der Bürgermeister von Sumy, Artem Kobsar, in einem auf seinem Telegramkanal geteilten Video.

Der Chef der Militärverwaltung von Sumy, Oleh Hryhorow, teilte später mit, dass die Zahl der Verletzten auf 17 gestiegen sei. Eine Bushaltestelle sei getroffen worden, schrieb er. Auf dem Video Kobsars ist ein Bombenkrater im Asphalt und ein zerfetzter Kleinbus in einem Wohngebiet zu sehen. Die örtlichen Behörden warnten vor weiteren Angriffen.

Russland setzt in seinem inzwischen mehr als vier Jahre dauernden Krieg gegen die Ukraine häufig Gleitbomben ein. Sie werden von Flugzeugen noch weit von der Front entfernt abgeworfen und schweben dann über eine Entfernung von mehreren Kilometern in Richtung Ziel.

So sieht eine gleitgelenkte Bombe aus, die in der nordostukrainischen Ortschaft Sumy Todesfälle herbeiführte.  © Uncredited/Rusian Defense Ministry Press Service/AP/dpa

11. Juli, 12.43 Uhr: Ukraine beschießt 21 russische Öltanker

Die Ukraine hat nach eigenen Angaben in der Nacht weitere 21 russische Öltanker im Asowschen Meer mit Drohnen attackiert.

Neben den Tankern hätten die Drohnen auch vier Schlepper, zwei Trockenfrachter und einen Schwimmbagger getroffen, teilte der Generalstab in Kiew bei Telegram mit. Das Ausmaß der Schäden werde noch geprüft, heißt es. Es wäre die zahlenmäßige größte Attacke einer schon seit Tagen laufenden Angriffswelle.

Russland hatte zuvor deutlich geringere Angaben zu dem Beschuss gemacht. So schrieb der Gouverneur der Region Rostow, Juri Sljussar, in der Nacht seien vier Schiffe auf See angegriffen worden. "Ein Mensch wurde getötet, der Matrose auf einem technischen Schiff", teilte er auf Telegram mit.

Die Ukraine hat nach eigenen Angaben in der Nacht weitere 21 russische Öltanker im Asowschen Meer mit Drohnen attackiert.  © Evgeniy Maloletka/AP/dpa

11. Juli, 7.12 Uhr: Verletzte bei Raketenangriff auf Kiew

Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist in der Nacht erneut unter Raketenbeschuss geraten.

Der Feind habe die Stadt mit ballistischen Raketen angegriffen, teilten Bürgermeister Vitali Klitschko und Militärgouverneur Tymur Tkatschenko auf Telegram mit.

Mindestens sechs Menschen wurden laut Klitschko bei den Angriffen verletzt.

Anwohner räumen Trümmer eines Wohngebäudes in Kiew weg.  © Dan Bashakov/AP/dpa

10. Juli, 20.43 Uhr: Tote nach russischen Gleitbomben auf ukrainische Städte

Durch russische Gleitbomben sind in der Ostukraine mindestens vier Menschen getötet worden. 13 weitere seien verletzt worden, teilte der Militärgouverneur des Gebietes Donezk, Wadym Filaschkin, bei Telegram mit.

Das russische Militär habe sieben Bomben auf die Stadt Kramatorsk und die nahe Siedlung Bilenke abgeworfen. Dabei seien ein Hochhaus und ein Geschäft getroffen worden. Kramatorsk ist nur gut ein Dutzend Kilometer von der Frontlinie entfernt.

Auch die südostukrainische Großstadt Saporischschja wurde Behördenangaben nach schwer bombardiert. Mindestens ein Zivilist sei getötet und 16 weitere seien verletzt worden, teilte Gouverneur Iwan Fedorow auf seinem Telegramkanal mit. Die Attacke zielte den Angaben nach auf das Zentrum der Industriestadt ab. Mehr als ein Dutzend Häuser seien dabei zerstört worden. Russische Truppen haben sich der Stadt bis auf etwas mehr als 20 Kilometer genähert.

Rettungskräfte räumen die Trümmer weg, nachdem eine russische Bombe das Zentrum von Saporischschja in der Ukraine getroffen hatte.  © Kateryna Klochko/AP/dpa

10. Juli, 12.30 Uhr: Russische Verluste hoch und Eroberungstempo halbiert

Das russische Militär hat nach Angaben aus Kiew im ersten Halbjahr 2026 trotz extrem hoher Verluste weniger als halb so viel ukrainisches Territorium erobert wie im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Russland habe eine großangelegte Offensive geplant, aber praktisch keins seiner gesteckten Ziele erreicht, schrieb der Oberbefehlshaber der ukrainischen Truppen, Olexander Syrskyj, bei Telegram.

Die Ukraine verteidige sich weiter und habe an einzelnen Frontabschnitten die Initiative übernommen. "Dank der aktiven Handlungen der Verteidiger ist im ersten Halbjahr 2026 das Tempo des Vorrückens russischer Truppen um mehr als die Hälfte gesunken", schrieb er.

Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, General Oleksandr Syrskyj. (Archivbild)  © Uncredited/Press Service Of The President Of Ukraine/dpa

10. Juli, 10.08 Uhr: Drohnen setzten russische Öldepots und Raffinerie in Brand

Die Ukraine hat in der Nacht mit Drohnen eine Raffinerie und mehrere Öldepots im Süden Russlands angegriffen und beschädigt.

Zu den Zielen gehörten eine Raffinerie südwestlich von Krasnodar sowie Ölanlagen in den Städten Asow und Taganrog. In beiden Fällen sind nach russischen Angaben keine Menschen ums Leben gekommen.

9. Juli, 18.51 Uhr: Kreml übt leichte Kritik an Trump

Der Kreml hat US-Präsident Donald Trump (80) nach dessen Äußerungen auf dem Nato-Gipfel in Ankara eine Fehleinschätzung der Lage im Ukraine-Krieg vorgeworfen.

Trump ziele nicht auf eine Eskalation des Konflikts, bescheinigte ihm Kremlsprecher Dmitri Peskow (58). "Eher sehen wir einen Irrglauben im Weißen Haus in Bezug darauf, dass man mit Hilfe von Eskalation und militärischem Druck einen Ausweg zu einer friedlichen Lösung erzwingen kann", sagte Peskow russischen Nachrichtenagenturen zufolge.

Grundsätzlich Neues hat der Gipfel nach Darstellung Peskows nicht gebracht. "Wir haben keine rosa Brille auf", sagte er. Die USA hätten auch schon vor dem Gipfel die Ukraine militärisch unterstützt.

Kremlsprecher Dmitri Peskow (58) übt leichte Kritik am US-Präsidenten.  © Alexei Nikolsky/AP/dpa

9. Juli, 16.34 Uhr: Ukraine zu Nord Stream - Staatliche Stellen nicht verwickelt

Die Justiz in Kiew hat nach eigenen Angaben bislang keine Belege für eine Verwicklung staatlicher ukrainischer Stellen in die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee 2022 gefunden.

Die Ermittlungen liefen aber weiter, und man arbeite dabei mit den zuständigen Stellen in Deutschland zusammen, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit. "Die Ukraine ist bereit, zur Aufklärung aller tatsächlichen Umstände beizutragen", hieß es.

7In Deutschland wurde Anfang Juli bekannt, dass Anklage gegen den inhaftierten ukrainischen Ex-Soldaten Serhij K. erhoben worden ist. Die Bundesanwaltschaft hält ihn für den Organisator der Sprengungen, die im September 2022 am Boden der Ostsee die zwei Erdgasleitungen zwischen Russland und Deutschland außer Gefecht setzten. Die Eröffnung eines Prozesses steht noch aus.

Nach aktuellem Ermittlungsstand sieht Kiew keine staatlichen Stellen des Landes in die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines verwickelt.  © -/Danish Defence Command/dpa

9. Juli, 11.27 Uhr: Trumps Patriot-Zusicherung hat große Signalwirkung

Der frühere Botschafter der Ukraine in Deutschland, Andrij Melnyk, begrüßt die Zusicherung von US-Präsident Donald Trump (80), seinem Land die Lizenz für die Produktion von Patriot-Flugabwehrraketen zu geben.

"Die Signalwirkung ist sehr stark für uns, für die Russen, auch für die gesamte Welt, dass die Ukraine auch weiterhin so stark, so massiv unterstützt wird", sagte Melnyk im ZDF-"Morgenmagazin" mit Blick auf Trumps Ankündigung sowie beim Nato-Gipfel in Ankara versprochene neue Militärhilfen in Milliardenhöhe.

Als problematisch betrachtet der heutige ukrainische UN-Botschafter jedoch, dass es noch Monate oder gar Jahre dauern werde, bis die Ukraine die Abwehrraketen produzieren könne.

Dabei brauche man sie schon heute, betonte er. Der letzte Monat sei der tödlichste Monat überhaupt für die Zivilisten in der Ukraine gewesen: Fast 300 Menschen seien bei russischen Raketenbeschüssen getötet worden.

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