Abschlussbericht zu tödlichem Zugunglück deckt auf: Lokführer (†30) machte mehrere Fehler

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Geseke - Ein Güterzug rast mit mehr als 90 Kilometern pro Stunde auf Geseke zu, obwohl nur 30 erlaubt sind. Kurz vor dem Bahnhof entgleist er. Lokführer Jonas G. (†30) stirbt. Fast drei Jahre nach dem Unglück vom 10. September 2023 zeigt ein Abschlussbericht nun, dass dem Drama mehrere folgenschwere Fehler vorausgingen.

Beim Zugunglück in Geseke am 10. September 2023 kam Lokführer Jonas G. (†30) ums Leben. Der Schaden wurde auf rund sieben Millionen Euro geschätzt.
Beim Zugunglück in Geseke am 10. September 2023 kam Lokführer Jonas G. (†30) ums Leben. Der Schaden wurde auf rund sieben Millionen Euro geschätzt.  © Friso Gentsch/dpa

Die Lok und 13 der 14 mit Zement beladenen Waggons waren damals aus den Gleisen gesprungen. Der Schaden wurde auf rund sieben Millionen Euro geschätzt. Aufnahmen zeigten Jonas G. in seinen letzten Minuten auf dem zweiten Waggon des außer Kontrolle geratenen Zuges.

Nun kommt die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) zu dem Ergebnis: Der Lokführer verstieß zuvor gegen mehrere Sicherheitsvorschriften.

Eigentlich sollten 28 beladene Waggons mit bis zu sieben Fahrten vom Zementwerk zum Bahnhof Geseke gebracht werden. Jonas G. transportierte sie stattdessen in nur zwei Fahrten mit jeweils 14 Wagen.

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Je nach Beladung waren lediglich vier bis fünf vorgesehen. Statt geplanter 380 Tonnen brachte es der Wagenzug auf 1116 Tonnen.

Zudem stellte der 30-Jährige den Zug nicht wie vorgeschrieben im Anschluss des Zementwerks zusammen, sondern auf einem abschüssigen Streckengleis.

Eine vorgeschriebene Bremsprobe konnte anhand der Daten nicht nachgewiesen werden. Als später eine Bremsstörung auftrat, war der Zug außerdem nicht ausreichend gegen Wegrollen gesichert. Er setzte sich in Bewegung und beschleunigte auf mehr als 90 Kilometer pro Stunde.

13 der 14 Waggons entgleisten bei dem Unglück. Der ausgetretene Zement sorgte zudem für erhebliche Umweltbelastungen.
13 der 14 Waggons entgleisten bei dem Unglück. Der ausgetretene Zement sorgte zudem für erhebliche Umweltbelastungen.  © Bernd Thissen/dpa

Wollte Jonas G. Zeit sparen?

Die Ermittler halten es für möglich, dass Zeitdruck eine Rolle spielte. Die Schicht von Jonas bei seinem Arbeitgeber EGP sollte bis 20.15 Uhr dauern. Bereits um 20.16 Uhr sollte er jedoch bei einem anderen Arbeitgeber in Bestwig die nächste Schicht antreten. Die BEU vermutet, dass er mit vereinfachten Abläufen früher fertig werden wollte.

Doch nicht nur Jonas G. machte Fehler. Auch bei EGP lief offenbar einiges schief: Der Lokführer wurde bei seiner täglichen Arbeit nicht ausreichend kontrolliert.

Nach dem Unglück verschärfte das Unternehmen unter anderem seine Kontrollen und Überwachungsprozesse.

Titelfoto: Bernd Thissen/dpa

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