"Verfolgt mich bis heute": Diese Summe fordern Überlebende von Crans-Montana

Crans-Montana (Schweiz) - Nach dem verheerenden Feuerinferno mit 41 Toten und 115 Verletzten in einer Bar von Crans-Montana werden Schadenersatzforderungen laut. Eine betroffene Familie aus dem Kanton Waadt hat nun konkrete Zahlen in die Öffentlichkeit gebracht.

Die Familie zweier Schwerverletzter will nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana eine Entschädigung in Millionenhöhe gezahlt bekommen.  © Cyril Zingaro/KEYSTONE/dpa

So verlangen die Geschwister Fabienne (18) und Gilles I. (25, Namen geändert) und ihre Angehörigen insgesamt 56 Millionen Franken (rund 61 Millionen Euro) von den Besitzern der Location, wie "Blick" schreibt.

Die beiden Schwerverletzten würden seit dem traumatischen Vorfall unter physischen und psychischen Folgeschäden leiden. "Was ich erlebt habe, verfolgt mich bis heute", sagte Gilles.

Laut Bericht bemerkte Fabienne zuerst, dass hereingebrachte Wunderkerzen die Decke entflammt hatten. Sie schrie demnach mehrfach: "Es brennt!", wie Blick aus Ermittlungen zitiert.

Unglück Während einer Fahrschulstunde: Busfahrer rettet Mann aus brennendem Auto

Ihr Bruder habe sie in Richtung Treppe geschoben, um ins Freie zu gelangen. Doch da hatte bereits das Feuer über ihnen gelodert. Menschenmengen hätten den Ausgang vom Keller nach oben versperrt. Die 18-Jährige habe geglaubt, sterben zu müssen.

Anzeige
Die Forderung richtet sich gegen die mutmaßlich verantwortlichen Bar-Besitzer Jacques (49) und Jessica Moretti (40).  © Alessandro Della Valle/KEYSTONE/dpa

Bruder nach Horror-Nacht nicht mehr arbeitsfähig

Die Geschwister hatten großes Glück - überlebten das Inferno in der Bar.  © Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

Dass es die junge Frau doch noch in Sicherheit geschafft hat, verdankt sie ihrem Bruder, wie das Online-Portal weiter berichtet. Er habe sie durch das Gedränge auf der Treppe geschoben.

Fabienne I. fordert nun 25 Millionen Franken (rund 27 Millionen Euro). Ihre Begründung: Sie hätte schwere Verbrennungen an 10 Prozent des Körpers erlitten und mehrfach operiert werden müssen. Zudem habe sie Todesangst erlebt und Freunde verloren.

Auch Bruder Gilles will 25 Millionen Franken. Seine Verbrennungen würden 30 Prozent des Körpers umfassen. "Bei meiner Ankunft im Spital musste ich sofort intubiert und für mehrere Tage in ein künstliches Koma versetzt werden", sagt der 25-Jährige, der zu 100 Prozent arbeitsunfähig und auf ständige Reha angewiesen ist.

Unglück Sieben Monate altes Baby durch Streukugel in New York getötet

Seine Mutter und sein Vater wollen jeweils 2,5 Millionen Franken (rund 2,7 Millionen Euro) geltend machen - wegen der psychischen Belastung für die Familie, der Reisekosten und der beruflichen Ausfälle. Ein Bruder fordert eine Million.

Die finanziellen Folgen der Brandkatastrophe könnten gewaltig sein. Manche Schätzungen gehen von über einer Milliarde Franken aus. Opferanwalt Sebastien Fanti kündigte bereits gegenüber "Blick" an, alle Möglichkeiten ausschöpfen zu wollen, um den Schadenersatz zu erhalten.

Mehr zum Thema Unglück: