Köln - Am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sind zwei neue Studien gestartet. Ziel ist es, die Auswirkungen von Isolation und Schwerelosigkeit zu untersuchen.
Zukünftige Raumfahrtmissionen werden immer länger werden: Während eine Reise zum etwa 400.000 Kilometer entfernten Mond nach Angaben des DLR rund drei Tage dauert, sind Raumfahrer auf der 55 Millionen Kilometer langen Reise zum Mars stolze sechs Monate unterwegs.
Dementsprechend wichtig ist es, "Astronautinnen und Astronauten auf die psychologischen und körperlichen Herausforderungen vorzubereiten", erklärt Dr. Amelie Therre vom DLR.
Die Forscherin ist sich daher sicher: "Um solche Missionen erfolgreich durchzuführen und die Sicherheit von Astronauten und Astronautinnen zu gewährleisten, müssen wir die Auswirkungen dieser extremen Bedingungen auf die menschliche Gesundheit, das Verhalten und die Leistungsfähigkeit erforschen."
Dafür hat das DLR zum einen eine spezielle Isolationsstudie gestartet. Darin leben sechs Personen insgesamt 100 Tage in einer simulierten Raumstation mit begrenzten Ressourcen. Diese Crew hat dabei den gleichen Tagesablauf wie echte Raumfahrer auf Mission: Sie arbeiten zusammen, haben wissenschaftliche Aufgaben, treiben Sport und müssen sich um die Station kümmern.
Die Probanden mussten zuvor ein strenges Auswahlverfahren durchlaufen. "Mit Fragebögen, Tests und Untersuchungen hat das Studienteam die medizinische und psychologische Eignung der Bewerbenden festgestellt", berichtet das DLR. Inklusive der Vorbereitungsphase umfasst die Studie insgesamt 126 Tage. Projektstart war am 23. April.
Wie wirkt sich strenge Bettruhe auf den Körper aus?
Parallel dazu führt das DLR eine Bettruhestudie durch, die erforschen soll, "wie den sensomotorischen Beeinträchtigungen, die durch die Schwerelosigkeit hervorgerufen werden, entgegengewirkt werden kann."
"Die Studie untersucht, wie man mit relativ kleinen und leichten Trainingsmethoden die Funktion des Bewegungsapparats aufrechterhalten kann", erklärt Dr. Stefan Möstl.
Dafür wurden die zwölf Probandinnen und Probanden zunächst in mehrere Gruppen eingeteilt. Während die einen 60 Tage lang ausschließlich im Bett liegt, bekommen die anderen während der Bettruhe zusätzlich ein Training für den Bewegungsapparat. Eine dritte Gruppe wird zudem ausschließlich die Beinmuskulatur mit elektrischen Impulsen trainieren.
"Zusätzlich ist das Bett zum Kopf hin um sechs Grad nach unten geneigt: Der Kopf liegt niedriger als die Füße, damit sich auch die Körperflüssigkeiten wie in der Schwerelosigkeit in Richtung Kopf verschieben. Wie im All nimmt dann die Muskelmasse ab und der Gleichgewichtssinn verschlechtert sich", führt Dr. Möstl aus.
Die Studie ist am Montag (27. April) gestartet. Inklusive Vor- und Nachbereitung dauert das Projekt 88 Tage.