Citizen Science: Hier könnt Ihr in Sachsen selbst zum Forscher werden
Sachsen - Mit Wissenschaftshochburgen in Leipzig und Dresden, aber auch innovationsstarken Standorten wie Chemnitz und Freiberg, ist Sachsen ein Forschungsland. Aber man muss an keiner Universität arbeiten, um selbst zum Forscher zu werden. Die sogenannten "Citizen Science", die Bürgerwissenschaften, setzen auf das "Wissen der Vielen". Bei diesen Projekten können Sachsen mitforschen:
Leipziger Pflastergeschichte/n
Ob Kopfsteinpflaster, Granitplatten, Waschbeton oder Schlackensteine: Die gesamte sächsische Steinindustrie ist in Leipzigs Gehwegen verbaut und jeder Stein hat eine Geschichte zu erzählen.
So ruft das Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) seit Juni dazu auf, Leipziger Pflastergeschichte/n zu sammeln. Also Momente, Erfahrungen und Anekdoten zu teilen, die den Leipzigern buchstäblich zu Füßen liegen.
"Immer, wenn ich mit dem Fahrrad über diese Stelle fahre, macht es 'Klack' und ich erschrecke. Jedes Mal wieder. Irgendwas ist da locker, oder?", fragt sich zum Beispiel ein Nutzer.
Die gesammelten Geschichten sollen später in ein digitales Archiv als Teil von Leipzigs Stadtgeschichte eingepflegt werden. Eine Auswahl soll zudem im nächsten Jahr (14. Juni bis 25. Juli 2027) als Teil der Wanderausstellung des Leibniz-Labs "Gesellschaftliche Umbrüche und Transformationen" in der Wandelhalle des Neuen Rathauses in Leipzig zu sehen sein.
Mitmachen unter: pflastergeschichten.leibniz-gwzo.de
"Colouring Dresden"
Seit vier Jahren ist die Plattform "Colouring Dresden" des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR) in Dresden online. Ziel des Projektes ist es, Informationen über Dresdner Gebäude zu sammeln und diese gebündelt in einer interaktiven Karte für alle zugänglich darzustellen.
Die Daten sollen unter anderem dabei helfen, Gebäude an den Klimawandel anzupassen und die Stadt vor Extremereignissen wie Hitze, Hochwasser und Starkregen schützen zu können.
Bisher haben rund 170 registrierte User etwa 46.400 Eintragungen an circa 21.500 Gebäuden in Dresden gemacht. Dabei ist die Innenstadt schon besonders bunt, also mit Daten unterlegt. Nach außen hin nimmt die Farbigkeit jedoch ab.
Heißt: Besonders in den Randbezirken fehlen noch viele Gebäudedaten - zum Beispiel zur Geschichte, Konstruktionsart, Dämmung, Geschossigkeit oder auch Verschattung.
Das Projekt soll dauerhaft online sein - wenngleich die Karte aktuell gewartet wird. Vermutlich ab Ende Oktober soll sie wieder zur Verfügung stehen.
Mitmachen unter: colouring.dresden.ioer.info
SLUB-Projekte
Aufgabe der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) ist es, Literatur, Bild- und Tonträger über Sachsen sowie hier erscheinende Publikationen zu sammeln und zu archivieren. Dabei können Bürgerwissenschaftler in verschiedenen Projekten mithelfen.
Eines davon dreht sich um Paul Martin Blühers "Meisterwerk der Speisen und Getränke", einem Nachschlagewerk aller damals bekannten Gerichte und Produkte.
Dieses soll in ein digitales Verzeichnis umgewandelt werden, um damit historische Menükarten, Kochbücher und Rezeptsammlungen maschinell lesen zu können. Die KI-basierte Transkription des "Blüher" muss aber noch menschlich Korrektur gelesen werden.
Oder wie wäre es, die Besucher der Kurfürstlich-Königlichen Bibliothek in Dresden kennenzulernen? Das Besucherbuch aus der Zeit 1753 bis 1813 enthält 16.300 Eintragungen. Die Namen sollen nun identifiziert und geprüft werden.
Mitmachen unter: slub-dresden.de/forschen/buergerwissenschaften-citizen-science/forschungsprojekte-zum-mitmachen
Höhlenschrecke, wo bist du?
Auch der Nationalpark Sächsische Schweiz bietet Mitmachaktionen an. Aktuell wird zum Beispiel nach der Bedornten Höhlenschrecke gesucht, die sich zur Überwinterung gern von Oktober bis April in Kellern versteckt. Allerdings ist die Insektenart in Deutschland sehr selten. Die Sächsische Schweiz gilt als das nördlichste Verbreitungsgebiet.
So kann man die Heuschrecke erkennen: Ihre Grundfarbe ist rötlich-braun, grau oder leicht grünlich und ist dunkelbraun bis schwarz marmoriert.
Sie gehört zu den Langfühlerschrecken. Ihre Fühler sind mehrfach so lang wie ihr Körper und auch die Beine, die paarigen Hinterleibsanhänge und die Unterkiefertaster sind verlängert. Deshalb wirkt sie auf den ersten Blick "spinnenartig". Sie hat keine Flügel.
Wer ein Tier entdeckt, sollte es nicht anfassen, sondern von der Seite und Draufsicht fotografieren, den Fundort und -datum notieren und mit Mailadresse oder Telefonnummer an den sächsischen Landesverband der Entomofaunistischen Gesellschaft übermitteln. Mailkontakt: [email protected].
Infos: nationalpark-saechsische-schweiz.de/citizen-science-projekt-hoehlenschrecke
Titelfoto: 123rf/nomadsoul1

