"De-Extinction": Projekt will Tasmanische Tiger wieder zum Leben erwecken

Sydney (Australien) - Forscher halten es für möglich, den Tasmanischen Tiger wieder zum Leben zu erwecken. "Vor 15 Jahren war die Idee, das Tier tatsächlich zurückzubringen, noch Science-Fiction", sagte Andrew Pask von der Universität Melbourne der Deutschen Presse-Agentur.

Dieses von der Universität Melbourne zur Verfügung gestellte Foto zeigt Professor Andrew Pask mit einem konservierten Tasmanischen Tigerbaby in einem Glas und einem Modell des Tieres.
Dieses von der Universität Melbourne zur Verfügung gestellte Foto zeigt Professor Andrew Pask mit einem konservierten Tasmanischen Tigerbaby in einem Glas und einem Modell des Tieres.  © dpa/TIGRR Lab, University of Melbourne

Die Technologie, mit der das Projekt arbeite, sei damals noch nicht verfügbar gewesen. Pask leitet das neu ins Leben gerufene "TIGRR Lab" (Thylacine Integrated Genetic Restoration Research).

Es ist ein aufwendiges Unterfangen: Die Forscher mussten zunächst das Erbgut eines Tasmanischen Tigers entziffern, der 100 Jahre lang in Alkohol konserviert worden war. 2018 veröffentlichte Professor Pasks Team die erste vollständige Genomsequenz des Tieres.

Tasmanische Tiger gab es einst auch auf dem australischen Festland und in Neuguinea. Vor etwa 2000 bis 3000 Jahren verschwand dort das Tier, das mit dem Dingo konkurrierte und vom Menschen gejagt wurde. Doch im isolierten Tasmanien konnten die Beutelwölfe überleben – bis die Europäer die Insel im 18. Jahrhundert besiedelten. Das als Schafsmörder bezeichnete Raubtier wurde bis zur Ausrottung gejagt, von der Regierung gab es pro geschossenes Exemplar sogar eine Belohnung.

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Mit der entzifferten Genomsequenz steht das TIGRR Lab nun aber erst am Anfang seines Mammutvorhabens. "Aus einem toten Exemplar können wir noch kein Leben erschaffen. Wir müssen immer mit etwas Lebendigem beginnen", erklärt Pask. Deshalb werde bei derartigen Projekten, die im Englischen als De-Extinction bezeichnet werden, nach dem nächsten lebenden Verwandten des ausgestorbenen Tieres gesucht.

Im Fall des Tasmanischen Tigers traf die Wahl – für Laien etwas überraschend – die Dickschwänzige Schmalfußbeutelmaus. Sie ist ebenfalls auf dem fünften Kontinent endemisch, also nur dort verbreitet.

Von der Maus zum Tasmanischen Tiger

Eine alte Aufnahme eines Tasmanischen Tigers.
Eine alte Aufnahme eines Tasmanischen Tigers.

Die DNA der Maus wird so lange verändert oder "editiert", bis sie dem Erbcode des Tasmanischen Tigers entspricht.

"Wir bauen im Wesentlichen unser Maus-Genom in einer lebenden Zelle in einen Beutelwolf-Code um", sagt Professor Pask. Sollte das Team damit Erfolg haben, könnte mithilfe von Klon-Technologie ein ganzer Beutelwolf-Embryo geschaffen werden, der dann von der nur etwa elf Zentimeter großen Schmalfußbeutelmaus ausgetragen würde.

"Eine der großartigen Eigenschaften von Beuteltieren ist, dass sie winzige Babys zur Welt bringen", sagt Pask. Die Babys des Tasmanischen Tigers seien bei der Geburt etwa so groß wie ein Reiskorn. Somit könne auch eine Maus das Baby eines Tasmanischen Tigers austragen.

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Aufgezogen würde das Junge dann im Labor, anschließend soll das Raubtier – falls alles glattläuft – wieder in seinen natürlichen Lebensraum in Tasmanien ausgewildert werden.

Nicht alle sind begeistert

Manche Wissenschaftler bezweifeln, dass das Projekt gelingen kann.

"Ich glaube immer noch nicht, dass wir auch nur annähernd über die Technologie verfügen, die ein ausgestorbenes Tier wirklich wieder erschaffen kann", sagte Professor Jeremy Austin vom Australian Centre for Ancient DNA der Zeitung "Sydney Morning Herald". De-Extinction sei eine "Märchen-Wissenschaft". Es gehe dabei eher um Publicity für die beteiligten Forscher.

"Für den WWF Deutschland stellen solche gentechnischen Projekte nicht den Ausweg aus der Biodiversitätskrise dar", sagt Artenschutzexpertin Anne Hanschke. So etwas koste viel Geld und es sei wichtiger, die Ursachen des Artensterbens zu beheben, wie etwa die Zerstörung der Lebensräume, die Übernutzung der Natur oder die Klimakrise.

Titelfoto: dpa/TIGRR Lab, University of Melbourne

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