KI statt Paartherapie: Warum Beziehungs-Ratschläge vom Chatbot heikel sein können

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Von Stefanie Järkel

Stuttgart - KI-Chatbots wie ChatGPT oder Gemini werden laut Expertinnen und Experten verstärkt gerade von jungen Menschen dazu genutzt, Beziehungstipps zu bekommen.

Zahlreiche Menschen holen sich Tipps bei KI-Bots - auch bei Liebesfragen.
Zahlreiche Menschen holen sich Tipps bei KI-Bots - auch bei Liebesfragen.  © Hendrik Schmidt/dpa/dpa-tmn

Eine repräsentative Studie der Krankenkasse Pronova BKK hat im März ergeben, dass 39 Prozent der Deutschen KI-Chatbots bereits Fragen rund um das Thema Partnerschaft gestellt haben.

Demnach denken 44 Prozent der Männer und 33 Prozent der Frauen, dass sie mit einem Bot offener über Beziehungsprobleme sprechen können als mit ihrer Partnerin oder ihrem Partner. Doch welche Probleme können sich daraus ergeben, wenn die KI in der Liebe helfen soll? Und welche Chancen bieten sich?

"Aus meiner Sicht wird KI zunehmend als niedrigschwelliger Gesprächs- und Reflexionsraum genutzt, auch bei Beziehungsfragen", sagt Dana Mahr vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

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"Das reicht von Formulierungshilfen für schwierige Nachrichten über das Sortieren eigener Gefühle bis hin zu konkreten Ratschlägen bei Konflikten." Die Wissenschaftlerin forscht zu Folgen von Technik auf die Gesellschaft.

Schmeichelnde KI als Problem

Die schmeichelnde Eigenschaft der KI kann zum Problem werden.
Die schmeichelnde Eigenschaft der KI kann zum Problem werden.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Wissenschaftlerin Mahr beschreibt die Vorteile der KI so: "Sie ist jederzeit verfügbar, also reagiert nicht verletzt, beschämt nicht und kann sehr geduldig wirken." Dafür fehle der KI, was nur menschliche Kontakte leisten könnten.

"Freundinnen bringen aber etwas ein, was die KI nicht hat, nämlich Beziehungsgeschichten, soziale Einbettungen, eigene Erfahrung und Verantwortung, Widerspruch und ein reales Interesse an den Folgen des Gespräches", sagt Mahr.

Die KI neige zudem dazu, schmeichelnd oder zustimmend zu reagieren, weil sie darauf optimiert sei, hilfreiche und für Nutzer angenehme Antworten zu geben, sagt Mahr. Der Psychologe Bastian Schiller von der Universität Heidelberg beschreibt das Problem, das dadurch entsteht, so: "Die Sicht, die ich eh schon habe, wird noch mehr bestätigt - und ich lerne vielleicht nicht, da mal von der anderen Seite draufzugucken und eine andere Perspektive einzunehmen."

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Mahr warnt davor, dass der Mensch in der Bestätigung durch die KI aufgehen kann. "Problematisch wird es eben dort, wo sie zur Ersatzpartnerin, Therapeutin oder moralischer Entscheidungsinstanz wird."

KI-Gespräche mit Video?

Schwierig findet Sexual- und Paartherapeut Carsten Müller bei der KI, dass der Austausch nur auf dem geschriebenen Wort basiere. Für ihn sei in der Therapie Körpersprache, Gestik und Mimik wichtig für die Einschätzung von Aussagen, sagt der 46-Jährige. So würde er sich für die Zukunft wünschen, dass es die Möglichkeit gebe, Anfragen bei der KI mit Video zu stellen.

Für eine sichere Nutzung der KI bei Beziehungsproblemen findet Mahr wichtig, dass junge Menschen entsprechend geschult und ihnen auch die Grenzen der KI aufgezeigt werden. Zudem müssten aber auch die Hersteller von KI-Chatbots diese entsprechend programmieren.

Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa/dpa-tmn

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