Was geschieht mit uns? Menschlicher Schädel verändert sich rasant!

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Tokio (Japan) - Deutlich erkennbare Evolutionsprozesse dauern eigentlich abertausende bis Millionen Jahre. Doch der menschliche Schädel - vor allem bei Männern - verändert sich viel schneller, wie Wissenschaftler aus Japan nun belegen konnten. Schädel sehen heute anders aus, als noch vor wenigen Generationen. Doch was steckt hinter der rasanten Entwicklung?

Schädel heute sehen noch runder und breiter aus als die aus vergangenen Zeiten. Auf dem Symbolfoto sind Jahrtausende alte Schädel zu sehen.
Schädel heute sehen noch runder und breiter aus als die aus vergangenen Zeiten. Auf dem Symbolfoto sind Jahrtausende alte Schädel zu sehen.  © dpa/Osteologische Sammlung, Universität Tübingen

Wissenschaftler der Universität Tokio haben CT-Scans von 56 Schädeln von vor über hundert Jahren verstorbenen Japanern mit ebenso vielen von Toten aus den 2020er-Jahren verglichen. Die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichten sie kürzlich im American Journal of Biological Anthropology.

Die Forscher stellten mithilfe von 161 anatomischen Orientierungspunkten fest, dass sich die Schädel innerhalb weniger Generationen erkennbar verändert haben.

Jüngere Schädel wiesen demnach eher "brachycephale Merkmale" auf, "mit einer höheren Schädelbasis, einem größeren Warzenfortsatz, einem stärker hervortretenden, aber schmaleren Nasenbein, einer höher liegenden Supraorbitallinie, einer konkaven Stirn, einer geringeren Jochbeinbreite und einem breiteren Oberkiefer" im Vergleich zur historischen Gruppe japanischer Schädel.

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Der Kopf hat sich demnach von einer eher längeren, ovalen Form zu einer runderen und breiteren entwickelt! Besonders deutlich waren die Unterschiede bei Schädeln von Männern zu erkennen, die sich inzwischen immer deutlicher von weiblichen Schädeln unterscheiden.

Ein solcher Sprung durch Evolutionsprozesse? Quasi undenkbar. Die Wissenschaftler suchen nach anderen Gründen.

"Verringerung der Kaubelastung" Grund für veränderte Kieferknochen?

"Obwohl die genauen Ursachen dieser Veränderungen, sowohl der zeitlichen Unterschiede als auch der Zunahme des Geschlechtsdimorphismus, unklar sind, könnten sie mit bekannten säkularen Trends des letzten Jahrhunderts zusammenhängen, wie etwa der Zunahme der Körpergröße, Veränderungen der Körperproportionen und Verbesserungen der Gesundheit aufgrund besserer Ernährung", erklären sie in ihrer Studie.

So könnte beispielsweise ein höherer Verzehr weicher Nahrungsmittel sowie die damit einhergehende "Verringerung der Kaubelastung" dafür gesorgt haben, dass sich Schädel und Unterkiefer verändert haben.

Die Autoren schrieben in ihrer Ausarbeitung, dass zukünftige Forschung notwendig sei, "um die zugrunde liegenden Ursachen dieser Veränderungen detailliert zu untersuchen".

Titelfoto: dpa/Osteologische Sammlung, Universität Tübingen

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