Zufallsfund! Rund 500 Jahre alter Schatz in Mitteldeutschland entdeckt

Wettin - In einem historischen Ackerbürgerhof in Wettin (Saalekreis in Sachsen-Anhalt) ist ein Schatz mit 285 Silbermünzen entdeckt worden.

Bauarbeiten in alten Gebäuden bieten immer wieder die Chance auf Zufallsfunde. In Wettin kam in einem historischen Gebäudekomplex ein umfangreicher Münzschatz zutage.
Bauarbeiten in alten Gebäuden bieten immer wieder die Chance auf Zufallsfunde. In Wettin kam in einem historischen Gebäudekomplex ein umfangreicher Münzschatz zutage.  © Heiko Rebsch/dpa

Im Hof des Gebäudes sollte ein Graben für eine neue Abwasserleitung angelegt werden, der Münzhort lag im Bereich des Haustores, etwa 50 Zentimeter unter dem heutigen Bodenniveau, wie das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (LDA) am Mittwoch mitteilte. Die grünlich verfärbten Silbermünzen lagen ohne schützendes Gefäß im Boden.

"Vermutlich wurden die Münzen in einem nicht mehr vorhandenen Beutel aufbewahrt", erklärte der Referatsleiter Bodendenkmalpflege Gebietsreferat Süd beim Landesamt, Matthias Becker. "Der aus hoch silberhaltigen Münzen bestehende Fund hatte damals mit Sicherheit einen erheblichen Wert."

Die Stücke wurden vom LDA unter Mithilfe von Mitgliedern des Vereins Altstadt Wettin, der sich um die Erhaltung des Hauses bemüht, fachgerecht im Block geborgen. In der Restaurierungswerkstatt des Landesmuseums sind die Münzen Schicht für Schicht gelöst und restauriert worden. Der Fund kam bereits im Juli 2023 zutage.

Sächsische Prägungen machen Großteil des Fundes aus

Der historische Ackerbürgerhof in der Wettiner Brauhausgasse. Hier wurde ein großer Münzfund aus dem 17. Jahrhundert entdeckt. Zur Zeit der Deponierung der Münzen gehörte das Haus Johann Dondorf, einem der reichsten Bürger Wettins, der zu der Zeit Bürgermeister der Stadt war.
Der historische Ackerbürgerhof in der Wettiner Brauhausgasse. Hier wurde ein großer Münzfund aus dem 17. Jahrhundert entdeckt. Zur Zeit der Deponierung der Münzen gehörte das Haus Johann Dondorf, einem der reichsten Bürger Wettins, der zu der Zeit Bürgermeister der Stadt war.  © Heiko Rebsch/dpa

Mehr als die Hälfte des Fundes machen großformatige Silbermünzen, Taler und äquivalente ausländische Münzen aus. Der Rest des Fundes besteht aus Talerteilstücken und Groschen.

Die älteste Münze des Fundes wurde 1499 geprägt, die jüngste Münze stammt aus dem Jahr 1652. Es ist ein spanischer Patagon. Sie wurde erstmals 1612 vom Regenten der Spanischen Niederlande, Erzherzog Albert VII. von Österreich (1559 bis 1621), und dessen Gemahlin Isabella Clara Eugenia von Spanien (1566 bis 1633) geprägt. Diese Münzen waren Haupthandelsmünzen im Ostseeraum im 17. Jahrhundert.

Sächsische Prägungen für den regionalen Markt machen einen Großteil des Fundes aus. Außerdem gehören Handelsmünzen, wie die in den Spanischen Niederlanden geprägten Albertustaler, zum Fund.

Studie verrät: Ist dieser Pilz die Lösung für Plastikmüll im Meer?
Wissenschaft und Forschung Studie verrät: Ist dieser Pilz die Lösung für Plastikmüll im Meer?

Hinzu kommen Prägungen der deutschen Kaiser, des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg, des Erzherzogtums Österreich, aus den Niederlanden sowie der Städte Augsburg, Basel, Schaffhausen, Hamburg, St. Gallen, Nürnberg, Lübeck, Konstanz, Goslar, Frankfurt und Metz.

Der Schatz des Bürgermeisters?

Eine geborgene Silbermünze der insgesamt gefundenen 285 Stück.
Eine geborgene Silbermünze der insgesamt gefundenen 285 Stück.  © Heiko Rebsch/dpa

Zudem finden sich viele Münzen in dem Hort, die selten in sachsen-anhaltischen Funden vorkommen. Dazu gehört ein italienischer Scudo des Odoardo Farnese aus dem Jahr 1630. Der Wettiner Fund wurde kurz nach Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) versteckt.

Die Albertustaler und die Vielfalt der Münzen, unter anderem aus Österreich, der Schweiz und Süddeutschland sowie zwei Prägungen aus Italien, lassen auf einen Kaufmann als ehemaligen Eigentümer schließen, wie es hieß.

Das Haus gehörte zur Zeit der Deponierung der Münzen Johann Dondorf, einem der reichsten Bürger Wettins, der seit Ende der 1660er Jahre auch Bürgermeister der Stadt war. Sein Einkommen erwirtschaftete er vornehmlich aus Landwirtschaft, etwas Weinanbau und Braurechten. Damals fanden sich in seinem Nachlass mehr als 2500 Taler.

"Möglicherweise gehörte ihm auch der Münzschatz Dondorf", sagte Frank Dobberstein, Historiker und Vorsitzender des Vereins Altstadt Wettin.

Titelfoto: Montage: Heiko Rebsch/dpa

Mehr zum Thema Wissenschaft und Forschung: